EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Dachswangen

Geschichte:

Vor wenigen Jahren konnte Martin Strotz sehr wahrscheinlich machen, dass in Dachswangen zwei verschiedene Burgen existierten. Sie sind in den Urkunden jedoch nicht deutlich unterschieden. Martin Strotz konnte dennoch über die Besitzverhältnisse wesentliche Zusammenhänge klären. Hier soll nun versucht werden, die Entwicklung in Form eines Modelles nachzuzeichnen, das über die Darstellung von Strotz hinausgeht.
Bei der heute noch als Gebäude bestehenden Dachswanger Mühle handelt es sich nach Strotz um die westliche oder nördliche Burg (eine weitere nimmt er im Osten oder Süden an; sie ist längst abgeräumt und derzeit noch nicht genau lokalisiert).
Im 11. Jh. bestand in Dachswangen ein bischöflich-basler Schwerpunkt, vielleicht auf Grundlage einer im Süden zu lokalisierenden spätmerowingischen Siedlung (rechtlich verknüpft mit dem Basler Fronhof in Umkirch).
Im 12. Jh. wird ihm durch die Herzöge von Zähringen ein Ministerialensitz entgegengesetzt. Er ist unter oder im Umfeld des noch bestehenden Burggebäudes (der heutigen Mühle bzw. Wohnhaus des Hofes) zu vermuten.
Im Rotulus Sanpetrinus (Schenkungsverzeichnis des Klosters St. Peter) tritt zwischen 1122 und 1123 ein "Odalrich de Tahswanc" als Zeuge auf, 1152 ein "Waltherus de Thaswanc". Sie sind Ministeriale der Zähringer.
Im 13. Jh. schweigen die Quellen zur westlichen Burg. Aufgrund der spätmittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse soll hier die Hypothese aufgestellt werden, dass den älteren Ministerialen - im späten 12. Jh. unter den Zähringern oder im 13. Jh. unter den Grafen von Freiburg - die Falkensteiner nachfolgten. Sie waren Ministeriale der Zähringer und dann der Grafen von Freiburg.
Die abgegangene Burg hingegen wird von den späten Herren von Dachswangen bewohnt. Sie sind offenbar nicht mit den älteren Dachswangern verwandt und zeigen deutliche üsenbergische-baslerische Bezüge. Sie sind von 1245 bis 1279 bezeugt (Albertus, Willi, Eppen).
Im späten 13. Jh. und später sind wohl die Grafen von Freiburg die Lehensherren beider Burgen. Zur heute noch stehenden Burg (Falkensteiner?) schweigen die Quellen weiterhin.
1270/1279 haben die Schnewlin den bischöflich-baslerischen Fronhof in Umkirch (Cunrat Dietrich Schnewlin) und die heute abgegangene Burg. 1320 findet sich die Erstnennung einer Burg "an der búrge ze Tahswangen", bei der es sich wohl um die noch zu suchende Burg handelt. Ein Teil gehört den Herrn Kolman; im Besitz zeigen sich baslerisch-tiersteinische Bezüge.
1326 veräußert Agnes von Munzingen einen Hof, der zu der noch nicht lokalisierten Burg gehört. Die Quellen schweigen zu der heute noch bestehenden Burg.
1387 scheint eine Urkunde auf beide Burgen hinzuweisen. Johann Marxer von Straßburg erhält für eine größere Geldsumme den Nießbrauch an beiden Burgen zu "Wengein" (Dachswangen?) durch Graf Konrad III. von Freiburg.
1402 werden zwei Adlige gemeinsam als Herren von Dachswangen bezeichnet. Hanmann Schnewlin von Landeck sitzt - als Hypothese - wohl auf der unlokalisierten Burg, Hanmann von Falkenstein auf der heute noch bestehenden Burg.
1427 verkaufen Hans Konrad und Ludwig Schnewlin von Landeck (auf der unlokalisierten Burg) ihre Anteile an der Herrschaft an Hans Adam von Falkenstein von Dachswangen (auf der heute noch bestehenden Burg). Der Falkensteiner ist bis 1456 belegt. Die Herrschaft ist möglicherweise kurzzeitig vereinigt.
Friedrich Bock von Staufenberg nannte sich zuerst 1481 nach Dachswangen. Er entstammt einer ursprünglich markgräflich-badischen Ministerialenfamilie (auf Burg Staufenberg bei Durbach) und war verheiratet mit Güta von Falkenstein. Daher wird für ihn die heute noch bestehende Burg als Sitz anzunehmen sein. Nach seinem Tode wird 1483 in den Verfügungen für die Messe (es wird erstmals eine Kapelle für Dachswangen erwähnt!) auch der Priester von Wippertskirch genannt. Über den Ort Waltershofen, zu dem der Bereich Wippertskirch gehörte, hatten im 14. Jh. die Falkensteiner die Vogtei, dann die Bock von Staufenberg. Die Blumenecker saßen auf der unlokalisierten Burg.
Durch die Heirat Rudolfs von Blumeneck mit Cleopha Bock von Staufenberg (belegt 1483) kamen die Blumenecker in den Besitz der gesamten Herrschaft. Sie wohnten wohl weiterhin auf der unlokalisierten (heute abgegangenen) Burg.
Die heute noch bestehende Burg wird nun "überflüssig" und zum Hofgut, evtl. schon zur Mühle, umgewidmet.
Im Bauernkrieg wird das Schloss Dachswangen (die unlokalisierte Burg) "verbrandt". Die erwähnte Frau von Dachswangen ist die Witwe des Rudolf Gaudenz von Blumeneck. Nach seinem Tod heiratete seine Schwester Margarethe Johann Wilhelm Vogt von Alten-Sumerau und Praßberg (belegt 1589). 1608 wurde seinem Sohn Philipp auf Schloss Dachswangen gehuldigt. Die Erwähnung der unteren, großen Stube unterstreicht, dass es sich um die heute nicht mehr bestehende Burg handelt. Franz Rudolf von Praßberg starb 1722. Es folgte ein langer Streit um das Erbe. 1766 wurde die Herrschaft schließlich an Freiherr Johann Friedrich von Kageneck verkauft. Unter Kageneck soll ein Schloss aufgegeben worden sein. Dabei muss es sich um die völlig verschwundene Burg handeln. Die Kagenecks verfügten ja auch noch über die Schlösser in Munzingen und in Weiler (Stegen) sowie ein Stadtpalais in Freiburg. 1826 wurde die ganze Herrschaft an Großherzogin Stephanie von Baden verkauft. Später kamen die Güter an Hohenzollern-Sigmaringen, ab 1977 an die Gemeinde Umkirch, dann in private Hand.
Eine Begehung in Richtung Osten ergab keine Hinweise auf eine Burg; auch das beackerte Gelände im Süden erscheint wenig wahrscheinlich wegen der niveaubedingten Schwierigkeiten, die Gräben unter Wasser setzen zu können. Hingegen ergeben sich auf den Plänen des 18. Jhs. Hinweise auf zwei getrennte Wirtschaftseinheiten im heutigen Hofbereich. Daher wird hier hypothetisch postuliert, dass die häufiger genannte Burg nicht im Osten oder Süden lag, sondern nördlich des heutigen Hauses im Weidegelände. (Heiko Wagner9

Bauentwicklung:

An einen östlichen Kernbau wurde noch im Mittelalter nach Westen angebaut. Die Achse und offenbar auch die Zugangssituation änderten sich dadurch (vgl. Beschreibung). (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Westlich von Umkirch steht ein großer Bauernhof, die ehemalige Dachswanger Mühle. Am Mühlkanal steht ein rechteckiges, zweistöckiges Wohnhaus von 13,75 m auf 12,25 m mit barockem Walmdach. Drei Hausecken (NW, SW und SO) zeigen in unterschiedlich erhaltener Höhe Buckelquader aus Buntsandstein. Im Westen findet sich eine Scharte (Lichtschlitz oder Schießscharte?). An der Südseite wurden in der Wand einige Buckelquader beobachtet. Hier wird - in Übereinstimmung mit einer Wand im Innern - eine ehemalige Hausecke vermutet. Der ursprüngliche Baukörper wäre 12,2 x 9 m groß gewesen.
Eine archäologische Untersuchung an der Ostseite erbrachte vor dem Umbau 1978 einen Balkenrost mit dünnen Holzpfählen zur Fundamentierung. Das Mauerwerk war durchaus unterschiedlich, nicht einheitlich. Eine von Martin Strotz im Nachhinein vermutete "Baunaht" ließ sich zunächst nicht erklären. Eine weitere Unregelmäßigkeit weiter nördlich deutet m.E. insgesamt einen vermauerten Mauerdurchbruch (alte Öffnung) an. Bei der etwa 1,70 m breiten Öffnung dürfte es sich um das erste Haupttor handeln, da sich im ersten Bauzustand hier die Längsseite des Baus befand. Zusätzlich weist die Seite in Richtung Umkirch, von dem aus das Gebäude durch eine Stichstraße erschlossen wird; die Ostseite könnte also die ursprüngliche Hauptfassade/Schauseite gewesen sein. Durch die Verlängerung des Baus nach Westen wird die Achse des Hauses noch im Mittelalter um 90 Grad gedreht. Die Nordseite des Hauses wird nun zur Schauseite.
Bei der Umnutzung zur Mühle im 18. Jh. wurden ein Walmdach aufgesetzt und im Innern größere Veränderungen vorgenommen. Vielleicht entstand damals auch der aufwändige, inzwischen trockengefallene Mühlgraben, der in Richtung Osten noch zu erkennen ist.
Die meisten zugehörigen Wirtschaftsgebäude sind seit dem 18. Jh. abgegangen. Das Gelände wird heute als landwirtschaftlicher Betrieb mit Hofladen und Wohnbereich genutzt. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ältere Lesefunde von Afred Erhardt, nicht genau lokalisiert. - Neuere Begehungen. - In den 1970er Jahren einige Sondagen, besonders am Fundament der Ostseite. (H.W.)