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Haddenhausen bei Rothenuffeln

Geschichte:

Das Gut soll nach Dehio bereits 1033 bezeugt sein. Es handelt sich um den Stammsitz der ritteradeligen Familie von Haddenhausen. Die als Mindener Ministerialengeschlecht belegte Familie erscheint mit Ritter Hermann de Haddenhusen 1214 erstmals in den Quellen. 1254 erwarb Bischof Wedekind von Minden Gut Haddenhausen von den Grafen Johann und Gerhard von Holstein. 1320 kam der Burgsitz an die Familie von der Horst, 1441 möglicherweise an die Grafen von Hoya. Ihnen gehörte damals die "curia Haddenhausen".
Vermutlich in der Fehde zwischen Minden und Osnabrück1456-61 wurde Haddenhausen zerstört. Vor 1457 kam das Gut an die so genannte schwarze Linie der Familie von Münchhausen, 1492 erhielt Borries aus der weißen Linie der von Münchhausen die Belehnung. Sein Enkel Johann nannte sich von 1525-1540 "to haddenhusen". Nach Einführung der Reformation blieb Johann katholisch und wandte sich gegen die Stadt Minden, beraubte und zerstörte etwa den vor Minden gelegenen Hof Rodenbeck. 1530 belagerte Minden im Gegenzug Haddenhausen und eroberte die Burg nach viertägiger Belagerung und Trockenlegung der Gräben am 28. Oktober. 1540 scheint die Anlage teilweise wiedererrichtet zu sein (Jahreszahl im Molkenkeller). Bis 1553 stritten die von Münchhausen mit Minden um den Besitz Haddenhausens, das bis dahin zumindest in Teilbesitz der Mindener Bischöfe war. 1596 verkaufte Heinrich von Münchhausen das Gut an die schwarze, auf Schwöbber ansässige Linie derer von Münchhausen. Nach anderer Mitteilung fand der Verkauf erst 1602 statt.
Johann von dem Bussche-Lohe heiratete die Tochter des Mündels der vier Erben des völlig heruntergekommenen und seinerzeit unbewohnten Gutsbetriebs, Lucia von Münchhausen. Das Ehepaar baute die Burg 1613-1616 in der Form auf, wie sie noch heute besteht.
Als die Familie 1706 Konkurs ging, erwarb 1708 das von dem Bussche-Hpünnefeld`sche Stammlegat den Besitz der vor Ort lebenden Familie von dem Bussche-Haddenhausen. Ende des 20. Jhs. diente der Saal ("Rittersaal") als Kornspeicher. Um 1693, 1764 und 1984 war das Gut verpachtet und das Schloss 1984 auch Wohnsitz des Pächters. Im Jahr 2012 erwerben Boris Freiherr und Dr. Susanne Freifrau vn dem Sussche-Haddenhausen als nachfahren der Erbauer Hof und Burg. Es folgt eine Sanierung der Burg, wobei insbesondere die statische Sicherungsarbeiten im Molkekeller und der 1990 durch Grundwasserabsenung gefährdete Südgiebel im Fokus stehen. (Jens Friedhoff und Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Die quadratische Gräfte von Haddenhausen lässt darauf schließen, dass die Anlage erst im Spätmittelalter in dieser Form befestigt wurde, vermutlich in der 2. H. 15. Jhs.. nach der Fehde zwischen Minden und Osnabrück.
Die ältesten Teile der Anlage im Norden gehen anscheinend auf den Neubau nach der Zerstörung 1530 durch Mindener Bürger zurück und stammen von 1540. Aus diesem Jahr stammt der Kamin im Keller des Nordflügels, ehemals bezeichnet 1540 (der bei von der Horst genannte "Molkenkeller"?). 1610 war das Wohnhaus "ganz nicht gebaut, sondern gar verfallen", also in schlechtem Zustand. Johann von dem Bussche ließ in dieser Zeit das Schloss in der im Wesentlichen noch bestehenden Form ausbauen. Die Toranlage ist um 1610 zu datieren. Die grundlegenden Baumaßnahmen von 1613-1616 gehen auf das Ehepaar Johann von dem Bussche und Lucia von Münchhausen zurück. Nach Dehio entstand der Ostflügel vermutlich in zwei Bauabschnitten. Der Renaissanceerker des Wohntraktes geht auf das Jahr 1616 (i) zurück. Die Kapelle, in der 1. H. 17. Jh. errichtet, zeigt eine reiche, bauzeitlich erhaltene Ausstattung. Ende des 17. Jhs. fand ein Umbau oder eine Erweiterung statt, ein Kamin im Saal trägt die Jahreszahl 1677. Das Verwalterhaus kam 1753 hinzu. Im 18./19. Jh. entstanden die südwestlich platzierten Wirtschaftsgebäude aus Fachwerk. In der 2.H.19. Jh. Umbau- und Wiederherstellungsmaßnahmen im Innern und Erneuerung der Dächer in Schiefer. Die evangelische Kapelle, die im 18. Jh. ein eigener Prediger betreute, wurde 1959 grundlegend restauriert.
(Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Umgräftete quadratische Burginsel mit breiten Wassergräben mit Zugang von Westen her. Zweiflügelanlage aus z.T. verputztem Bruchstein mit polygonalem Treppenturm im Hofwinkel. Der Außenbau ist durch ein umlaufendes Stockwerkgesims und zweibahnige Kreuzstockfenster gegliedert. Außer den Resten geschweifter Schornsteinaufsätze haben sich an der Nordwand Reste von Aborterkern erhalten. Die gewählten Einzelformen sind verwandt mit denen des von Wilkening für denselben Bauherren errichteten Wasserschlosses in Dürentrup-Wendlinghausen (siehe Wendlinghausen): Schweifgiebel mit horizontalen Schlagwerkbändern und Zahnschnittgesimsen, an den Ecken vorkragende Köpfe. Die Auslucht vor der Südwand zeigt Kerbschnittbossen, Beschlagwerk, Halbsäulen, der Giebelaufbau reiches, teils figürliches Knorpelwerk (bezeichnet 1616). Das Turmportal ist gerade geschlossen, sein Gewände zeigt Eier- und Perlenstäbe sowie eine Zahnschnittleiste, darüber ein erneuertes Wappen. Dem rundbogigen Hauptportal mit Kerbschnittbossen und Rosettenquadern ist eine zweiarmige Freitreppe vorgelagert.
Im Keller des Nordflügels Kamin, ehemals bezeichnet 1540. Im Obergeschoss des Ostflügels liegt der ehemalige Saal mit Kamin, dessen Sturz mit Allianzwappen. Westlich steht die Toranlage aus einer rundbogigen Durchfahrt mit gerade geschlossener Fußgängerpforte, ebenfalls mit Kerbschnittbossen und Rosettenquadern besetzt. Die Wirtschaftsgebäude im Südwesten bestehen aus Fachwerk, das Verwalterhaus ist ein kleiner Fachwerkbau mit Krüppelwalmgiebeln (1753). Die Kapelle, im Süden platziert, zeigt sich als verputzter Saal mit polygonal geschlossenem Chor. Im Innern weist sie eine Stuckbalkendecke mit Rosetten auf. Altar, Kanzel, Emporen und Orgelprospekt sind bauzeitlich und reich geschnitzt. Zum infrastrukturellen Umfeld der Anlage gehörte eine Wassermühle. (Andreas Kamm)