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Holzhausen bei Porta Westfalica

Geschichte:

Der Burgsitz Holzhausen bei Porta Westfalica ist von einer gleichnamigen Anlage bei Preußisch Oldendorf (siehe Holzhausen bei Preußisch Oldendorf) zu unterscheiden.
Die Ursprünge des gut einen Kilometer südlich der Weser gelegenen Adelssitzes liegen von der Horst zufolge in einem 1099 genannten Hof zu Holzhausen am Schalksberge, den die Edle Reinhildis Bischof Witelo von Minden (reg. 1097-1120) übergab und als Lehen zurückerhielt.
Vermutlich um 1300 wurde das Gut als Wohnsitz der Ministerialität von Minden angehörigen Familie von Schlon befestigt. 1310 besaß Ritter Justazius von Schlon fünf Häuser, sein Sohn Franko ein Haus und fünf Kotten in Holzhausen. Franko von Schlon anders genannt Wecke erhielt 1320 die Belehnung auf eine curia in Skalkebergeholthusen. 1339 und 1344 ist die edelfreie Familie von Schlon als Besitzer des Gutes belegt. Besitznachrichten für die kommenden 300 Jahre fehlen, erst 1620 ist Joachim von Grone als Besitzer genannt. 1763 betrug der Taxwert 30.000 Reichstaler. Johann Friedrich von Grone starb 1772 ohne männliche Nachkommen. Eine seiner Töchter, Charlotte Lucie (geb. 1733), heiratete den schaumburg-lippischen Oberst von Oheimb. Dieser bekundete 1774, Holzhausen durch Kauf erworben zu haben. 1899 war der Wirkliche Geheime Rat Alexander von Oheimb Besitzer. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges diente das Herrenhaus als Lazarett, in den ersten Nachkriegsjahren als chirurgische Privatklinik 1952 erwarb das Deutsche Rote Kreuz die Anlage und betrieb sie bis in die 1980er Jahre zunächst als Mütter-, später als Mutter-Kind-Kurheim. Später als Erholungsheim für Senioren und Unterkunft für Aussiedler genutzt, steht das Gebäude seit Ende des 20. Jhs. leer. Derzeitige Eigentümerin ist die Habitat Seniorenwohnheim GmbH. Sie beabsichtigt, das Herrenhaus abzureißen und reichte gegen die Denkmalschutzbehörde zwei Klagen vor dem Mindener Verwaltungsgericht ein. (Stand 2010). Den Park hält die Stadt Porta Westfalcia in Pacht. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Das Herrenhaus, in seiner heutigen Baugestalt anscheinend aus dem 18. Jh., wurde in der 2. H. des 20. Jhs. als Klinik und Kurheim aus- und umgebaut. Auf dem Gelände befinden sich alte Wirtschaftsgebäude, am Westrand des Parks liegt das Erbbegräbnis der Familie von Schellersheim zu Eisbergen (siehe Eisbergen).
Die Preußische Landesaufnahme zeigt südlich des Herrenhauses einen kleinen Landschaftspark, daran angrenzend Wiesenflächen. Nach der Übernahme durch das Deutsche Rote Kreuz 1952 wurde der Park instandgesetzt und um Spiel- und Liegewiesen sowie einen Teich erweitert, die westlichen Teilflächen der ehemaligen Wiesen wurden aufgeforstet. Einige Altbäume sind erhalten, der Park ansonsten verwildert und die alten Parkstrukturen damit kaum noch zu erkennen. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Zu ursprünglichem Grundriss und Baugestalt Holzhausens liegen keine Mitteilungen vor, ebensowenig wie Angaben zur näheren Klassifizierung der Niederungsburg. Das bestehende Herrenhaus ist eine Zweiflügelanlage mit gaubenbesetztem Walmdach. Portal mit Freitreppe im Winkel des zweigeschossig angelegten Ostflügels, hofseitig vierachsig, die Portalachse mit größerem Abstand von den drei Fensterachsen näher an den Hofwinkel gerückt. Die Portalachse durch Freitreppe, Wappen und etwas größeres Fenster hervorgehoben.
Die nördliche Schmalseite des Ostflügels mit zwei Fensterachsen, die Feldseite fünf- oder sechsachsig, eine Achse aborterkerartig gebildet (möglicherweise Umgestaltung des Erkers zum Risalit?).
Westflügel dreigeschossig mit gleicher Traufhöhe wie am Ostflügel, hofseitig mit fünf, an der nördlichen Schmalseite mit drei Fensterachsen besetzt. Eine Ansicht aus der Mitte des 19. Jh.s zeigt die Durchfensterung der Feldseite, westseitig mit drei Fensterachsen, ostseitig zwei Achsen mit größeren Fenstern, vom sonstigen Schema abweichend). Die drei westlichen Achsen erneuert. Ein moderner Anbau vor der westlichen der beiden östlichen Fensterachsen inzwischen abgerissen und verbrettert. (Andreas Kamm)