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Coraidelstein

Geschichte:

Der Name Coraidelstein für die über dem gleichnamigen Ort gelegene Burg Klotten taucht erst in den nachmittelalterlichen Schriftquellen auf. Die legendenhafte Überlieferung älterer Berichte zur Gründung der Burg im 10. Jh. beruhen auf einer Urkundenfälschung des 13. Jahrhunderts. Folgt man den Angaben der lokalen Tradition, so wurde Burg Klotten im 10. Jh. als Reichslehen an die lothringischen Pfalzgrafen vergeben. Das Bestehen der Burg zu dieser Zeit ist freilich nicht zu belegen. In den bislang bekannten Schriftquellen wird Burg Klotten erstmals 1294 anlässlich der Verpfändung der Burgen Cochem und Klotten an das Erzstift Trier explizit erwähnt. Ein Ministeriale der Pfalzgrafen, Franko von Klotten begegnet uns in den Urkunden erstmals 1238. Im Hochmittelalter zählte Burg Klotten zu den Reichsgütern. Zusammen mit Cochem überließ König Adolf von Nassau Burg Klotten 1294 dem Erzstift Trier, dass bis zur Säkularisation 1803 die Herrschaft über Burg und Ort ausübte. Nach der Burg Klotten benannte sich ein Adelsgeschlecht, das im Erzstift Trier zeitweise wichtige politische Positionen innehatte. Heinrich von Klotten lässt sich 1337/50 als kurtrierischer Amtmann auf der Burg Cochem nachweisen. Johann von Klotten, der als zweiter kurtrierischer Lehnsträger der Burg Klotten sowie den dazugehörenden Besitzungen in Erscheinung tritt, erhielt 1321 von Erzbischof Balduin von Luxemburg die Erlaubnis, nebem dem Bergfried ein Haus zu errichten. In der Folgezeit finden wir auf der Burg rasch wechselnde Lehnsträger aus verschiedenen Adelsgeschlechern. Von 1410 bis 1542 hatten die Herren von Winneburg Burg Klotten als Lehen inne. Für das zweite Viertel des 16. Jh. berichten die Quellen von einer Teilung der Burg. 1545 war Heinrich von Hagen mit einem Teil der Burg belehnt, während die Erben der Winneburger, die Haust von Ulmen, die Höin von Hrtenfels sowie Hugo und Gerlach Zandt von Merl ebenfalls Anteile an der Burg innehatten. Ab 1654 lässt sich Johann Eberhard von Kesselstatt als kurtrierischer Lehnsträger der Burg Klotten nachweisen. Bis 1917 verblieb Burg Klotten im Besitz der Reichsfreiherrn von Kesselstatt. Offenbar war die Anlage noch um 1800 bewohnt. Später wurde sie auf Abbruch versteigert. Auf der Lithographie von Clarksen Stanfield aus dem Jahre 1838 ist sie lediglich als Ruine abgebildet. 1917 erwarb der Ingenieur Heppner die Ruine und plante einen Wiederaufbau, der in den 1920er Jahren teilweise durchgeführt wurde. 1923 ging die Burg Klotten an den Konsul Harney über, dessen Tocher 1952 die Anlage als Wohnsitz nutzte und dort gemeinsam mit Wendelin Stahl ein Keramik-Atelier einrichtete. Seit dem Tode von Else Harney 1985 führt Wendelin Stahl die Keramikwerkstatt weiter. Die Anlage befindet sich in Privatbesitz und ist daher nicht zu besichtigen. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg konnte bislang noch nicht geklärt werden. In den Schrifquellen wird eher beiläufig von Baumaßnahmen berichtet. Aus einer 1321 ausgestellten Urkunde erfahren wir vom Bau eines Gebäudes in der Nähe des Turmes (Bergfried). In den Jahren 1543-47 ließ Heinrich von Hagen auf der "Veste" Klotten einen "neuen Bau" aufführen, der im Bereich der Vorburg zu lokalisieren ist. Im 16. Jh. differenzieren die Schriftquellen zwischen dem "alten Geheusse" zu Klotten - diesem Baubestand gehören der Hauptturm, umstehende Gebäude sowie eine Pforte an - und dem "andere[n] Haus", das "neuerlich" erbaut worden war. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um den Neubau des Heinrich von Hagen. Im 20. Jh. wurde die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bauteile der Burg überformt und zum Teil ergänzt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die über einem unregemäßigen, länglich-ovalen Grundriss von ca. 50 x 100 m errichtete Burg nimmt den Gipfel eines Berges oberhalb des Moselortes Klotten ein. An der höchsten Stelle des Burgareals erhebt sich die Ruine des noch etwa 20 m hohen rechteckigen Bergfrieds (Seitenmaße 8 x 8.5 m). Der Turm wurde 1917 durch Blitzschlag stark beschädigt und in Teilen abgebrochen. Westlich und östlich des Turmes sind Maurreste zu erkennen, die vermutlich älteren Wohngebäuden zuzuordnen sind. Eine Rekonstruktion der Bebauung des Hauptburggeländes ist bei derzeitigem Forschungsstand nicht möglich. Nach Nordosten schließt sich an die Hauptburg das etwas niedrigere Gelände der Vorburg an, auf dem die Reste der Bebauung des 16. Jhs. erkennbar sind. Die feldseitigen Mauern der Gebäude orientierten sich offensichtlich am Verlauf der mittelalterlichen Ringmauer. Vor die moselseitige Außenfassade treten drei Rundtürme. An der Südwestseite schließt sich an den Wohnbau die leicht geknickte Ringmauer an, deren Verlauf sich an der Geländetopographie orientiert. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Auf dem Schlossberg stieß man auf Münz- und Keramikfunde des dritten und vierten nachchristlichen Jahrhunderts. Im Bereich der Burg geborgene Werkstücke datieren zum Teil in die Zeit um 1200 (romanische Bauplastik) und in spätgotische Zeit. Ferner wurden Fragmente von Ofenkachel und frühneuzeitliche Ofenplatten aus Eisen geborgen. (J.F.)