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Colynshof

Geschichte:

Der am Stadtrand von Aachen gelegene Colynshof zählt zu der Gruppe der spätmittelalterlichen Adelssitze im Umfeld der Reichsstadt. Zur Besitzgeschichte sind nur wenige Daten bekannt, die zudem keine konkreten Informationen zur Datierung der Anlage bieten. Im Kontext einer bauhistorischen Untersuchung konnte eine erste vor das Jahr 1400 reichende Bauphase nachgewiesen werden. Wer die Anlage errichtet hat, ist unbekannt. Spätestens seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts gelangte das Anwesen an die Aachener Ratsfamile Colyn. Wilhelm Colyn lässt sich 1521 als Bürgermeister zu Aachen nachweisen. Später gelang der Patrizierfamilie durch Heirat der Aufstieg in den niederen Adel. Zwischen 1632 und 1672 veräußerte der letzte Hofbesitzer aus dem Hause Colyn den befestigten Wohnsitz an das Ehepaar Heinrich und Petronella a Campo. 1672 ergriffen die Ursulinen Besitz vom Colynshof und 1768 folgte dem Orden als Eigentümer die Gattin des Bürgermeisters von Broich. Im 19. Jahrhundert wechselten häufig die Besitzer. Das gepflegte Objekt befindet sich in privater Hand und ist daher nicht zu besichtigen. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Wesentliche Informationen zur baulichen Entwicklung des Hauses konnten im Zuge einer bauhistorischen Untersuchung gewonnen werden. Eine erste Bauphase datiert in die Zeit vor 1400. Der Befund zeigt kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk, das sich einer exakten Datierung entzieht. Schriftquellen, die mit den Befunden in Verbindung zu bringen sind, liegen bislang nicht vor. Die zweite Bauphase datiert ins 15. Jh: Der Ursprungsbau wurde durch ein Fachwerkgebäude über einem Gewölbebruchsteinkeller ersetzt. Es handelte sich um ein eineinhalbgeschossiges Gebäude mit einer Firststellung in Nord-Süd-Richtung, das mit der heutigen Ostachse des Herrenhauses identisch ist. Weitere bauliche Veränderungen erfolgten im 16. Jh. (3. u. 4. Bauphase): An das intakte Fachwerkhaus wurde im rechten Winkel zur Firstrichtung ein Erweiterungsbau in westliche Richtung angefügt. Es handelte sich um einen Bruchsteinbau mit großformatigen Kreuzstockfenstern. Nachweisbar sind Reste der Innenausstattung des 16. Jhs. (Kamine, Bodenfliesen). Schwierigkeiten bereitet die zeitliche Einordnung einer weiteren, fünften Bauphase, die am Einbau einer Ziegelinnenwand ablesbar ist. Die sechste Bauphase, die in die zweite Hälfte des 18. Jhs. datiert, erfolgte sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Besitzerwechsel 1768. Das Gebäude wurde aufgestockt und erhielt ein einheitliches Walmdach. Die Fenster im Erdgeschoss wurden nachträglich verändert. 1984 wurde der Colynshof als Baudenkmal unter Schutz gestellt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Bei dem am Rand der Stadt Aachen gelegenen Colynshof handelt es sich um eine im Kern spätmittelalterliche Hofanlage, die als befestigter Wohnsitz einer Patrizierfamilie diente. Ursprünglich wurde das Anwesen durch Gräben gesichert, die Wasser von dem vorbeiführenden Paulbach erhielten. Erhalten blieben das bauhistorisch untersuchte mehrphasige längsrechteckige Herrenhaus, Teile der Umfassungsmauer mit dem Portal in der Südmauer (datiert 1675) sowie der mit einem Zinnenkranz versehene Südwestturm. Ursprünglich existierte ein weiterer Flankenturm an der Nordwestecke, der 1820 noch erkennbar, jedoch 1924 verschwunden war. (Jens Friedhoff)