EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Kalkofen

Geschichte:

Die geschichtlichen Anfänge des im Osten der Stadt Aachen gelegenen Adelssitzes reichen bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Sehr wahrscheinlich leitet sich der Name des Gutes von dem ehemals in der Nähe gelegenen Kalkofen ab. Das Anwesen wird 1437 in dem Ehevertrag zwischen Adam von Hairen und Agnes von dem Weser erstmals urkundlich genannt. Von der Familie von Hairen gelangt Kalkofen an Fetschin Colyn, der 1472 ohne männliche Nachkommen stirbt. Eine seiner Töchter bringt Kalkofen ihrem Gatten, Werner von Merode-Houffalize zu. In dieser Adelsfamilie verbleibt Kalkofen bis 1584. Zwei Jahre bevor Johann Reichsfreiherr von Merode-Houffalize Kalkofen an den Kaufmann Bartholomäus Schopfinger veräußert, wurde der Adelssitz in Kampfhandlungen einbezogen. Ein Aufgebot der protestantischen Stadt Aachen stürmte 1582 Kalkofen, da sich dort spanische Truppen einquartiert hatten. Durch Heirat gelangte Kalkofen 1666 an Johann Konrad Freiherr von Bauhausen, der den Besitz 1671 an den Aachener Kupfermeister Gotthard Schardinel veräußerte. 1749 erwarb der Aachener Tuchfabrikant Johann von Wespien das Rittergut Kalkofen und ließ es ab 1750 durch den Architekten Johann Joseph Couven im Stil des Spätbarock umgestalten und einen großzügigen barocken Garten anlegen. 1768 erbte Johann Kaspar Strauch, ein Kaufmann und Nadelfabrikant aus Aachen, Gut Kalkofen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarb 1834 die Familie des Kommerzienrates Wilhelm Zurhelle Kalkofen. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1944 wiederhergestellt beherbergt die Anlage heute mehrere Wohnungen. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die baulichen Anfänge des als Wasserburg anzusprechenden Adelssitzes reichen bis in das 15. bzw. 16. Jahrhundert zurück. In welchem Umfang die Anlage bei der Eroberung durch ein Aufgebot der Stadt Aachen 1582 in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt sich nicht sagen. Wesentliche bauliche Veränderungen erfolgten Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Auftrag des Johann von Wespien gestaltete der Architekt Johann Joseph Couven Kalkofen zwischen 1750 und 1753 um. Es entstand ein großzügiger barocker Landsitz mit einem Gartenparterre. Im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstört, wurde Gut Kalkofen ab 1947 wiederaufgebaut und einer neuen Nutzung zu Wohnzwecken zugeführt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Das östlich von Aachen gelegene Gut Kalkofen ist aus einem spätmittelalterlichen Adelssitz hervorgegangen. Heute wird das Erscheinungsbild der nach Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederhergestellten Anlage im Wesentlichen durch den spätbarocken Umbau geprägt. Ungeachtet dessen ist die im Kern spätmittelalterliche Anlage des 15. und 16. Jahrhunderts noch nachvollziehbar. Die Gebäude umgeben einen rechteckigen Hof. Im Südwesten befindet sich das von J. J. Couven 1750-1753 baulich stark veränderte Herrenhaus, ein zweigeschossiger Backsteinbau mit stichbogigen Fenstern und hohem Mansarddach. An den Baukörper schließt sich ein etwas niedrigerer ebenfalls zweigeschossiger Seitenflügel an. An den äußeren Ecken des Herrenhauses bzw. des Seitenflügels befindet sich je ein noch spätmittelalterlicher Rundturm. Die Mittelachse des Seitenflügels wird durch einen mehrgeschossigen Torturm mit geschweifter Haube und Laterne akzenturiert, der nach Kriegszerstörung in vereinfachten Formen wiederhergestellt wurde. An die Stelle der barocken Kuppelhaube mit Uhrengiebel und offener Laterne trat ein schlichtes Zeltdach. (Jens Friedhoff)