EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Cochem

Geschichte:

Die auf einem steil zum Mosel abfallenden Bergkegel über der Stadt Cochem gelegene Burg wurde nicht - wie in der Literatur häufig zu lesen um 1020 von dem Pfalzgrafen Ehrenfried (+1034) gegründet. Tatsächlich reichen die ersten Belege, die auf die Existenz der Burg hinweisen nicht vor die erste Hälfte des 12. Jh. zurück. Burg Cochem wird erstmals in einer von Pfalzgraf Wilhelm ausgestellten Urkunde vom 17. März 1130 erwähnt. Zieht man zudem die um 1105 verfasste Lebensbeschreibung des Kölner Erzbischofs Anno II. (reg. 1056-1075) heran, in der sich die Episode um den Mord des wahnsinningen Pfalzgrafen Heinrichs II. an seiner Ehefrau auf Burg Cochem findet, so darf man die Existenz der Burg für die Zeit nach 1100 voraussetzen. 1140 wurde Burg Cochem von König Konrad III. als heimgefallenes Reichsgut eingezogen. Ende des 13. Jh. ist die Burg abermals Schauplatz kriegerischer Ereignisse, als 1282 König Rudolf von Habsburg Cochem belagert und den auf der Burg amtierenden Burggrafen Kuno von Schönburg absetzt. Wenige Jahre später, 1294 wird der Reichsgutskomplex Cochem und Klotten von König Adolf von Nassau an Erzbischof Boemund von Trier versetzt. König Albrecht setzt den Trierer Erzbischof 1298 zum erblichen Reichsburggrafen ein, und bestätigt damit den endgültigen Übergang von Cochem und Klotten an das Erzstift. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 verbleibt Cochem als wichtige Landesburg und Verwaltungsmittelpunkt bei Kurtrier. Der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg verpfändete die Burg 1328 an die Gräfin Loretta von Sponheim, konnte die Anlage jedoch bereits ein Jahr später, 1329, wieder einlösen. Die vom 14. bis zum 16. Jh. mehrfach baulich umgestaltet Burg wurde schließlich 1689 durch die Franzosen ruiniert und verfiel. 1868 erwarb der Geheime Kommerzienrat und Industrielle Loius Ravene (1823-79) aus Berlin für 300 Taler vom preußischen Domänenfiskus die Burg, um sie als Landsitz wieder herzustellen. Mit den Entwürfen beauftragte er den königlichen Baurat J. C. Raschdorf, der die Burg unter Verwendung von Teilen der mittelalterlichen Bausubstand bis 1877 wiederherstellte und ergänzte. Die Weihe der Burgkapelle erfolgte erst 1879. Bis zur Veräußerung an das Deutsche Reich 1942, diente Burg Cochem der Familie Ravenes gelegentlich als Wohnsitz. 1949 ging der Besitz an die Bundesrepublik über, und seit 1978 befindet sich die Burg im Eigentum der Stadt Cochem. Die Anlage ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die recht differenzierte bauliche Entwicklung der Burg is bislang erst unzureichend untersucht worden. Insbesondere bezüglich des Erscheinungsbildes der Anlage im Hoch- und Spätmittelalter herrscht unklarheit. Zum Kernbestand der Anlage gehört sehr wahrscheinlich der zentrale Bergfried, bei dem es sich ursprünglich wohl um einen viereckigen Turm handelte, der in spätmittelalterlicher Zeit ummantelt wurde und dessen Obergeschoss man mit vier markanten Eckwarten versah. Für die in der Literatur immer wieder konstatierte Bautätigkeit des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg in Cochem finden sich in den Schriftquellen keinerlei sichere Hinweise. Eine Rekonstruktion der mittelalterlichen Burg ist erst im Zuge einer systematischen Aufnahme der noch vorhandenen mittelalterlichen Baureste zu gewinnen. Der Kupferstich von Braun/Hogenberg aus dem Jahr 1576 zeigt bereits eine Anlage, an der seit mehr als 500 Jahren bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind. Nach dem Übergang der 1689 durch die französischen Truppen ruinierten Burg Cochem an Louis Ravene erfolgte in den 1870er Jahren eine späthistoristische Überformung der gesamten Anlage. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die imposante Burg liegt auf einem steil zur Mosel hin abfallenden Berggekel über der Stadt Cochem. Im Zentrum der Anlage befindet sich der achteckige Bergfried, dessen Baubestand bis zu den Rundbogenfriesen vorkragenden runden Eckwarten mittelalterliche ist. Den Kern des Bauwerks bildet ein rechteckiger Turm, dessen Anfänge sehr wahrscheinlich bis in die Gründungszeit der Anlage um 1100 zurückreichen. Um den Bergfried gruppieren sich verschiedene Gebäude, die ihr heutiges Erscheinungsiblld im wesentlichen der tiefgreifenden späthistoristischen Umgestaltung Ende des 19. Jh. verdanken. Den Zugang zur Burg sicherten drei Toranlagen. Mittelalterlichen Ursprungs ist auch der im Volksmund als "Hexenbur" bezeichnete Rundturm an der Nordostecke der Kernburg, der geringe Spuren einer Bemalung aufweist. (Jens Friedhoff)