EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Arras

Geschichte:

Eine Sage bringt die Entstehung der Burg Arras mit der Normannen- und Ungarnabwehr des Reiches seit dem Ende des 9. Jhs. in Verbindung. Ob die Anlage von einem Trierer Erzbischof oder den Pfalzgrafen gegründet wurde, ist nach bisherigem Kenntnisstand unklar. Eine in das Jahr 1120 datierende Handschrift aus dem Kloster Springiersbach nennt den Pfalzgrafen Hermann als Initiator der Burggründung, der Arras 938 zum Schutz vor den einfallenden Magyaren erbaut haben soll. Wie archäologische Funde bestätigen, war die Bergkuppe, auf der sich die hochmittelalterliche Burg erhebt, bereits in spätrömischer Zeit besiedelt. Vermutlich befand sich dort ein Wachtturm. In der oben erwähnten Quelle wird Burg Arras erstmals anlässlich der Weihe einer Burgkapelle genannt. Während des Pontfikats des Trierer Erzbischofs Albero (reg. 1131-1151) wurde Burg Arras während eines Italienfeldzuges, zu dem Albero den Kaiser begleitete, von den Herren von Nantersburg (Entersburg) erobert. Ob im Zusammenhang der Kampfhandlungen um die Burg Arras die noch in wenigen Mauerresten erkennbare, als "Heideburg" bezeichnete Anlage auf einem Bergsporn unterhalb von Burg Arras als Gegenburg entstand, ist unklar. Im Zuge der Rückeroberung der Burg Arras wurde vom Trierer Metropoliten die Entersburg bei Bad Bertrich zerstört. Der Erzbischof ließ die vermutlich während der Kämpfe beschädigte Burg wiederherstellen. Sehr wahrscheinlich ließ er auch den 1146 explizit erwähnten Turm neu errichten. Als Lehnsträger auf der Burg Arras wurden 1147 und 1148 Heinrich von Namur und Graf Friedrich von Vianden eingesetzt. Eine sich nach der Burg benennende niederadelige Famiilie von Arras lässt sich in den Schriftquellen vom letzten Viertel des 12. Jhs. bis um 1400 nachweisen. Im Spätmittelalter wurde Arras teilweise als kurtrierisches, teilweise als Reichslehen an verschiedene Familien als Lehen ausgegeben. Der Verfall der Burg scheint bereits vor 1600 eingesetzt zu haben, da die Quellen bereits 1518 von eiem "verfallenen" bzw. "wüsten" Schloss berichten. Im 19. Jh. ging Arras in das Eigentum des Hüttenbesitzers W. Remy über. 1895 erwarb der Bergwerksdirektor Traugott Wilhelm Dyckerhoff die Ruine und ließ Ausgrabungen vornehmen. 1907-1910 erfolgte schließlich der Ausbau der Burg für Wohnzwecke nach Plänen des Architekten Peter Marx (1871-1958) aus Trier. Seit 1983 gehört die Burg dem Ehepaar Keuthen, das auf der Burg ein Restaurant-Hotel unterhält. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zu baulichen Entwicklung der Burg Arras liegen bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Als problematisch erweist sich bereits die zeitliche Einordnung der Burg, deren Anfänge vermutlich in das erste Viertel des 12. Jhs. zurückreichen. Die Einnahme von Arras durch die Herren von Nantersburg und die Rückeroberung mögen zu Zerstörungen geführt haben, die einen vollständigen (?) Neubau bedingten. Ebenso umstritten wie die Gründung ist das Ende der Burg als Wehranlage. Sie wird bereits im 16. Jh. als verfallen bezeichnet. Eine 1679 angefertigte Zeichnung zeigt die Gebäude der Burg noch unter Dach. Zu Beginn des 20. Jhs. erfolgte der späthistoristische Ausbau der Burg. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die exponiert auf einem Berggipfel über dem Zusammenfluss von Alf und Ueßbach gelegene Burg weist einen annähernd rechteckigen Grundriss auf. Von der Südwestseite her war die langgestreckte Hauptburg durch zwei Tore zugänglich. Der Hauptburg war ursprünglich eine Vorburg vorgelagert, auf deren Areals sich Gebäude des frühen 20. Jh. befinden. In den inneren Burghof gelangt man durch ein einfaches rundbogiges Tor in der schildmauerartigen Ringmauer, die noch eine Höhe von 8 m aufweist. An der Südostseite des Burggeländes befindet sich der 1907 bis 1910 unter Wahrung des mittelalterlichen Baubestandes wiederaufgebaute Palas über eine Grundfläche von 19 x 11 m. An diesen schließt sich feldseitig der rechteckige, noch etwa 18 m hohe Bergfried an, der in seinen unteren Partien eine Mauerstärke von 3,50 m aufweist. Große behauene Sandsteinquader akzentuieren die Ecken des Turmes. Ob die 1120 genannte Kapelle mit der ind en Schriftquellen noch 1582 genannten identisch ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. (Jens Friedhoff)