EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Uda

Geschichte:

Die Burg Uda mit dazugehöriger Herrschaft entstand vielleicht aus einer Vogtei der Grafen von Kessel, über Güter und Rechte des Kloster Gladbach, die in der Folgezeit an eine Seitenlinie der Grafen von Kleve gelangten. Dietrich Luf II. von Kleve, Graf von Hülchrath (1285-1308), war mit der Witwe des letzten Grafen von Kessel verheiratet. Möglichkeiten und Ambitionen zum Aufbau eines eigenen Territoriums verspielte er mit der Schlacht von Worringen (1288). Als Verbündeter des Erzbischofs von Köln zählte er mit zu den Verlierern dieser Schlacht. Er musste ein hohes Lösegeld zum Freikauf aus der Gefangenschaft aufbringen. Dieser Umstand sowie eine sicherlich aufwendige Lebensführung zwangen Dietrich und später seinen Sohn, den Hauptanteil aus dem Erbe der Grafen von Kessel zu verkaufen. Seit dem Anfang des 14. Jhs. konzentrierte sich die Familie verstärkt auf ihre Güter und Rechte in Oedt und Kervenheim. 1313 (Ersterwähnung) trug Dietrich Luf III. seine Burg Uda dem Erzbischof von Köln zu Lehen auf. Zur Herrschaft Oedt gehörten neben der Burg und Vorburg das Dorf, die hohe und niedere Gerichtsbarkeit sowie diverse Einkünfte und Rechte. 1332 starb Dietrich Luf III. Kurz hintereinander wechselte Uda durch Vererbung den Besitzer, ging zuerst an Gottfried von Bergheim und danach an Graf Emicho von Leiningen. Dieser verkaufte 1348 Burg und Herrschaft Oedt an den Grafen von Jülich, der den Besitz sogleich an den Kölner Erzbischof weiterverkaufte. Dieser machte die Herrschaft Oedt zu einem kölnischen Amt und die Burg somit zu einer Landesburg. Obwohl die stets von Geldknappheit geplagten Erzbischöfe das Amt wiederholt verpfändeten, legten sie wegen der Lage und Bedeutung der Landesburg Uda in den Pfandverträgen Wert auf die bauliche Unterhaltung und die ausreichende Bemannung der Burg durch die Pfandinhaber.
1416, 1477 und 1582/83 war Burg Uda wiederholt Schauplatz kriegerischer Handlungen, die das Gebäude ohne größere Beeinträchtigungen überstand. Im Dreißigjährigen Krieg jedoch wurde die Burg 1643 durch kaiserliche Truppen eingenommen und gesprengt. 1757 riss man Mauern der Ruine ab, um sie zu Straßenschotter zu verarbeiten. Lediglich einer von ehemals vier Türmen sowie einige rudimentäre Mauerreste waren noch erhalten, als angeregt durch den Heimatverein Oedt 1959 das Rheinische Landesmuseum in Bonn archäologische Untersuchungen durchführte. 1988 war der Burggraben Gegenstand einer letzten Ausgrabung. Der ausgegrabene Burggrundriss wurde mittels Aufmauerungen wieder kenntlich gemacht.
Eine erneute Sicherung von Turm und Mauerstumpf begann im Jahr 2009, deren Endziel die Besuchererschließung des Turmes mit einer Treppe bis zur Aussichtsplattform sein soll. Die Fertigstellung ist 2013 zur 700 Jahr Feier geplant. (Jens Wroblweski)

Bauentwicklung:

Die Burgruine Uda, im Grefrather Ortsteil Oedt gelegen, ist eine der wenigen Burganlagen am Niederrhein, die umfassend archäologisch untersucht wurden (1959, 1988).
Dendrochronologische Datierungen ergaben für die im Grundriss quadratische Hauptburg (30 m Seitenlänge) mit vier Ecktürmen eine Bauzeit von etwa 1308 bis 1311, ein Umstand, der sich auch mit der urkundlichen Ersterwähnung von 1313 gut deckt. Als Baumaterial wurde Backstein verwendet. Die beiden Rund- und die zwei Vierecktürme waren jeweils diagonal zueinander auf den Außenecken platziert. Erhalten blieb der südöstliche, 23 m hohe Rundturm, dessen ursprünglicher Eingang im dritten Geschoss, auf der zum Burghof hin liegenden Westseite, lag. Der heute ebenerdige Eingang ist sekundärer Natur. Im vierten Geschoss zeugen Reste eines aufwändigen Kamins mit profilierter Wange aus Trachyt Spuren eines Aborterkers sowie Sitzbänke in den Fensternischen für einen gehobenen Wohnkomfort in dem Turm. Nach einer Zeichnung von 1623 war dieser Turm höher als die anderen und kann somit als Bergfried angesprochen werden. Mit seiner Wohnausstattung ähnelt er dem Moyländer Bergfried.
Die umlaufende Ringmauer hatte einen auf Bogenstellungen ruhenden Wehrgang. In einigen Mauerpfeilern waren Brunnenschächte integriert, über die man vom Wehrgang aus Wasser schöpfen konnte. Das Burgtor lag im Osten, dessen zwei vorspringende Torflankenmauern zeitgenössische Parallelen in Rheydt und Moyland haben. Nord- und Westseite des Burghofes waren mit Wohnflügeln besetzt. Außen lag um die Burg herum eine 5-6 m breite Berme, an deren Übergang zum 9-11 m breiten Wassergraben eine Holzpalisade als Annäherungshindernis stand.
Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass man beim Bau der Burg mit Grundwasser- und Gründungsproblemen in der sumpfigen Niederung der Niers zu kämpfen hatte. Unterschiedliche Fundamentierungstechniken kamen zur Anwendung bzw. wurden miteinander kombiniert. Die Vorburg im Osten konnte bis heute nicht näher archäologisch untersucht werden. Über ihre Baugestalt ist fast nichts bekannt.
Die Burg Uda steht typologisch den Kastellburgen wie Brüggen und Moyland nahe, deren Bauprinzip mit runden Ecktürmen hier leicht abgewandelt wurde. Dietrich Luf III. wollte mit Uda zu aller erst Macht, Wohlstand und Einfluss zum Ausdruck bringen. Ihre Wehrhaftigkeit war funktional nachgeordneter Natur. (Jens Wroblewski)

Baubeschreibung:

Ein ehemals fünfgeschossiger Rundturm aus Backstein mit Rundbogenfries auf Trachykragsteinen steht nahe der ehemaligen Wehrplattform. Der heutige ebenerdige Eingang ist sekundär durch das 2 m mächtige Sockelgeschoss gebrochen. Dieses war mit einem Kuppelgewölbe geschlossen und selbst wiederum von einer Holzdecke in zwei Ebenen unterteilt. Der Eingang befand sich im dritten Geschoss, dem zum Hof hin ein Podestvorbau, sehr wahrscheinlich in Fachwerk, angefügt war. Das vierte Geschoss war mit einem Wandkamin aus profilierten Trachytststein sowie einem außen liegenden Aborterker, dessen Zugang mit zwei Türen verschließbar war, sowie Fenstersitznischen komfortabel ausgestattet. Das fünfte Geschoss vermittelte den Zugang zur Wehrplattform. Bis auf das Kuppelgewölbe im Turmsockel waren insämtliche Ebenen Holzdecken eingezogen. Die Zugänglichkeit wird früher über Leitern oder Treppen gelöst gewesen sein. Bei der Ausgrabung 1988 wurde am Außenfuß des Turmes zum Graben hin eine Auslassöffnung freigelegt, die auf eine zweite, im Mauerwerk integrierte Toilettenanlage hinweist.
Auf der Westseite ist noch ein kurzes Stück des Ringmaueransatzes erhalten. Ein weiterer im Gelände aufragender Mauerblock ist Teil des Westfügels.
Die übrigen Konturen der Kastellburg sind durch leichte Aufmauerungen nachgezeichnet.
Mit der 2009 durchgeführten Sanierung des Turmes, der oben mit einer Betonplatte abschließt, wurde auch eine Erschließung des Turmes mittels einer Metalltreppe bis 2013 realisiert, die einen Aufstieg bis zur Aussichtspalttform ermöglicht. Infotafeln entlang des Treppeaufganges informieren über die Burggeschichte.
Funde aus den Ausgrabungen sind im ehemaligen Oedter Rathaus, Johannes-Girmes-Str. 21, ausgestellt. (Jens Wroblweski)

Arch-Untersuchung/Funde:

1959 Landesmuseum Bonn, 1988 Außenstelle Xanten, LVR - Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Bonn.