EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Dagsberg

Geschichte:

Auf Basis von erheiratetem Besitz konnten die aus dem Spessart stammenden Herren von Jossa um 1300 eine sehr kleine Herrschaft an der nördlichen Bergstraße begründen, deren Mittelpunkt die 1312 ersterwähnte Burg Dagsberg war. Die Burg wird heute gewöhnlich nach ihren Besitzern "Jossa" genannt. Bereits in den folgenden Jahrzehnten verkauften die Nachkommen der Burggründer nach und nach ihre Anteile an Burg und Herrschaft an Schenk Konrad von Erbach. Möglicherweise war die Familie durch den Burgbau in Schulden geraten. Beim Erwerb des letzten Anteiles (1353 oder 1356) wird die Burg bereits als Burgstadel bezeichnet. Das ungewöhnliche Schadensbild der Trümmer des Bergfrieds beweist, dass dieser in südwestlicher Richtung umgestürzt ist, möglicherweise infolge eines Erdbebens. 1848 ordnete Grossherzog Ludwig III. von Hessen (Regierungszeit 1848-1877) nach der erfolgreichen Grabung auf dem Tannenberg auch in der benachbarten Ruine "Jossa" eine Grabung an, die aber nur vergleichsweise unerhebliche Funde erbrachte. In der Folgezeit ist die Ruine wieder in Vergessenheim geraten und verfällt seither weiter. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Während der Ausgrabung von 1848 wurde der Grundriss der Burg vollständig freigelegt und dokumentiert. Es handelt sich um einen Grundriss, der aufgrund der kurzzeitigen Existenz der Burg vermutlich niemals verändert wurde und deshalb für die Burgenforschung von besonderer Bedeutung ist. Die etwa quadratische Anlage hatte im Süden und Norden Zwinger, von denen der im Norden offenbar das Tor aufnahm. Neben einem gerundeten Bergfried mit Spitze gegen die Angriffsseite befanden sich innerhalb der Anlage drei Gebäude, von denen eines unterkellert war. Deren konkrete Funktionen konnten im Zuge der Ausgrabung nicht festgestellt werden. Ob östlich der Burg eine Vorburg, vielleicht aus Holz und Fachwerk vorhanden war, wurde 1848 nicht untersucht. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die kaum bekannte Burgruine wird heute durch mehrere voluminöse Steinbrocken aus festem Mörtel dominiert, bei denen es sich um Bruchstücke des Bergfrieds handelt. Der Turm ist nach Südwesten umgekippt, wodurch die Burg weitgehend zerstört worden sein muss. Die Ursache für dieses sehr ungewöhnliche Schadensbild ist vorzugsweise in einem Erdbeben zu suchen, da von einer Belagerung der Burg und Sprengung ihres Turmes nichts überliefert ist.
Weiterhin sind an einigen Stellen Reste der Fundamente der Burg sichtbar, auch der an drei Seiten umlaufende Graben ist noch gut erhalten. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Augrabung von 1848 stand im Schatten jener von Burg Tannenberg und wurde nicht publiziert. Die Funde kamen ins Hessische Landesmuseum nach Darmstadt und fielen teilweise dem Luftangriff auf die Stadt im Jahre 1944 zum Opfer. Aus dem späten 20. Jahrhundert stammen inige Streufunde.Eine Bearbeitung der Funde ist erst durch Astrid Schmitt (Literaturvezeichnis) erfolgt. (Thomas Steinmetz)