EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Kerpen i.d. Hohen Eifel

Geschichte:

Wenig ist über die Adelsfamilie von Kerpen bisher bekannt; ihre vermutete Abstammung von den Sigibodonen bleibt unbewiesen. Sie stand im Laufe der Zeit in Abhängigkeit größerer Adelsfamilien. Zu klären bleibt das Verhältnis der Herren von Kerpen zu den Herren (später Grafen) von Manderscheid. Peter Neu (1972) meinte, dass sie Geschlechter im 13. Jh. zeitweise einen Stamm bildeten, der sich später in zwei Äste verzweigte.
1136 nennt eine Urkunde des Klosters Prüm "Sigibertus de Kerpene", er oder sein Sohn Heinrich I. gelten als mögliche Erbauer der Burg, doch bleibt offen, ob das 1148 genannte "castrum in Kerpene" die Burg Kerpen, die Alte Burg oder die Burg auf dem Weinberg war, da 1173 eine neue Burg ("novum castrum de Cherpene") Erwähnung fand. Um 1175 stifteten (nach einer Kölner Urkunde 1197) Theoderich/Dietrich I., Albero und Alexander, Söhne Heinrichs I. von Kerpen, das adelige Nonnenkloster im nahegelegenen Niederehe. Die Klosterkirche diente anscheinend zeitweise als Grablege der Familie v. Kerpen. 1265 trug Theoderich II. dem Erzstift Köln die Burg zu Lehen auf. Theoderich III., Herr von "Karpena in Eyflia", wird 1299 als Lehensmann der Kölner Kirche genannt; seine drei Söhne wurden die Stammväter von drei Linien des Hauses Kerpen (Linster, Mörsdorf, Illingen), die anteilig Eigner der Stammburg blieben. Im 14. Jh. geriet das Haus Kerpen unter Einfluss des Erzbistums Trier; der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg erlangte das Öffnungsrecht an einem Teil der Burg, doch anfangs der 1340er Jahre gehörten die Herren von Kerpen wieder fest zur Anhängerschaft des Kölner Erzbischofs, dem die Burg Kerpen als Offenhaus dienen sollte (1342) bekannt gab. Vertreter der anderen Kerpener Linien unterzeichneten 1342/43 ähnliche Verträge.
1451 erwarb der belgische Adelige Wilhelm v. Sombreff, verheiratet mit Margarete, einer Tochter Johanns d.A. von Kerpen, das letzte Drittel Kerpens erwerben, nachdem er 1/3 ererbt und ein weiteres gekauft hatte. Sein Sohn Wilhelm II. vergrößerte die Besitzungen durch die Heirat mit Gertrud v. Saffenburg, durch die ihm um 1450 Teile der Herrschaften Tomburg und Landskron zufielen. Sein Sohn, Friedrich I. v. Sombreff, war in langwierige Streitigkeiten und Fehden wegen jener Herrschaften verwickelt. Er starb 1483/84; die Herrschaft über Kerpen ging auf seinen gleichnamigen Sohn über. Nach dessen kinderlosem Tod 1504 erbte seine Schwester Margarete, die letzte des Geschlechts v. Sombreff-Kerpen die Herrschaft. Durch Margaretes Heirat mit Graf Dietrich IV. v. Manderscheid-Schleiden 1506 gelangte die Herrschaft Kerpen an Manderscheid-Schleiden. Nach dem Tod Dietrichs IV. folgten lange Erbstreitigkeiten. 1560 fiel Kerpen an Dietrich VI. von Manderscheid-Schleiden, "Wegbereiter des Protestantismus in der Eifel" (reg. Bis 1593). In seiner Zeit war Kerpen von größeren kriegerischen Ereignissen betroffen. Er starb 1593, ohne einen Erben bestimmt zu haben. Der Mann seiner Schwester Katharina, Philipp von der Marck (+1613), besetzte darauf am 6.2.1593 die Burg. Nachdem Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hatten, rüstete der Graf v. Manderscheid-Gerolstein im Winter 1607/08; ein Sturm auf die Burg mit ca. 300 Mann mißlang. Nach dem Vertrag von 1611 blieb Kerpen mit Schleiden, Saffenburg und einigen Brabanter Besitzungen beim Grafen v. d. Marck, der die Burg baulich in guten Zustand versetzen ließ.
Nach dem Tod des Grafen Ernst von der Marck 1653 war Kerpen erneut Gegenstand eines Erbstreites; Graf Ferdinand Karl von Löwenstein-Wertheim besetzte die Burg. 1674 gab das Reichskammergericht den Ansprüchen der Herzogin von Arenberg statt. Bis zur Französischen Revolution 1794 verblieb die Herrschaft Kerpen bei den Arenbergern.
Zerstört wurde die Burg durch französisches Militär 1683 und 1689. Ein im 18. Jh. geplanter Schlossbau unterblieb.
Im 19. Jh. diente die Burg - 1803 von der französischen Besatzung enteignet und verkauft - zeitweise als Steinbruch. Ab 1893 kam es zur Entschuttung und Neubauten. 1911 erwarb der Eifelmaler Fritz v. Wille (1860-1941) die Burg, der den Atelierbau errichten ließ und weitgehende Sicherungsarbeiten veranlaßte. Nach dem Tod des Malers 1941 erwarb die Firma DEMAG die Burg, um sie als Schulungsheim zu nutzen; sie ließ in den 1950er Jahren Sicherungs-, Um- und Neubaumaßnahmen folgen. 1968 erwarb der Kr. Grevenbroich die Burg als Landschulheim und erweiterte die modernen Ausbauten nochmals. Die Burg, an der in den letzten Jahrzehnten immer wieder kleinere Sanierungsarbeiten durchgeführt wurden, gehört dann dem Rhein-Kreis Neuss, Rechtsnachfolger des Kr. Grevenbroich. Jüngst wurde die Burg an privat veräußert. (Michael Losse)

Bauentwicklung:

Bislang wird vermutet, die Spornburg auf dem ins Tal vorspringenden Höhenberg sei im 12. Jh. als Nachfolgebau der etwas höher gelegenen Alten Burg von den Herren von Kerpen erbaut worden (um 1173?). 1299 stand die Burg in Verbindung mit einer "suburbium" genannten ummauerten Siedlung. Um 1300 wurde Kerpen eine Ganerbenburg. Nachdem die Burg 1342 Offenhaus des Kölner Erzbischofs geworden war, gab der Erzbischof dem Dietrich v. Kerpen 300 kölnische Mark zur baulichen Verbesserung der Burg.
1560 kam Kerpen an Dietrich VI. von Manderscheid-Schleiden (reg. Bis 1593). Während seiner Regierung wurde Kerpen von größeren kriegerischen Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen. Inwieweit die Burg beschädigt wurde, bleibt unklar. Der Graf von der Marck ließ die Burg 1611 in baulich in guten Zustand versetzen. Im Visitationsprotokoll vom 27.11.1612 ist zu lesen, dass er "gutter nottuendiger baw an pforden und auswendigem Mauerwerk gemacht hat welche diesem Hauss nutzlich und notuendich geuessen sind". 1682 besetzte französisches Militär Kerpen. Als sie es 1683 räumten, hatten sie "am Matthiastage die Vorwercker durch Maurer und Schreiner abbrechen lassen, nachher das schöne Schloß sambt Toren aus der Erde herraus gebrochen und gesprengt und die ganze Burg verdorben" (zit. nach Textor 1937, 144). 1689 wurde die Burg durch französische Truppen des Generals Bouffleurs erneut schwer beschädigt. Zwar erging an die Bewohner der Herrschaft Kerpen 1696 die Aufforderung, sich am Neuaufbau der Burg zu beteiligen, doch blieb dieser anscheinend unvollendet. Als es im späten 18. Jh. Planungen gab, die Burg zum Schloss auszubauen, bezeichnete der Architekt Gaine die Burg 1780 als teils ruinös. Die Schlossbaupläne wurden nicht umgesetzt, und die fürstlich-arenbergische Verwaltung erwog, Teile der Ruinen zu sprengen, da sie einsturzgefährdet für den unterhalb gelegenen Ort gefährlich waren. Letztlich kam es nur zu einigen Sicherungsarbeiten. Im 19. Jh. war die Burg, die 1803 von der französischen Besatzungsregierung enteignet und verkauft war, als Steinbruch. Nach dem Erwerb der Ruine durch Johann Heinrich Dhün 1893 ließ dieser sie entschutten. Der Bergfried wurde mit einem neuen Zinnenkranz versehen und südlich neben ihm ein Wohnhaus erbaut. 1905 wurden bis dahin noch stehende Teile des Schlosses am Südende der 2. Terrasse niedergelegt und anschließend die neuen "Ruinenmauern", teils unter Verwendung ortsfremder Spolien, aufgeführt. Nachdem dann der vormalige Besitzer Manstein die Burg zurückgekauft und die Futtermauer an der Südspitze, zwischen 2. und 3. Terrasse, erbaut hatte, veräußerte er Burg Kerpen 1911 an den "Eifelmaler" Fritz v. Wille (1860-1941), der den südwestlich des Bergfrieds gelegenen Atelierbau errichten ließ. Teils sehr weitgehend waren die Sicherungsarbeiten, die v. Wille 1912-14 veranlaßte: Mauern des Palas und des Bergfrieds wurden "ausgebessert", die ausgebrochene Nordostecke des Bergfrieds wurde ausgemauert, ebenso der Riß am gesprengten nordwestlichen Geschützturm und eine "Mauerlücke" neben dem westlichen Geschützturm. Weiter folgten Sicherungen weiterer Bereiche und Aufmauerungen, wie am "Halbturm auf der Südspitze, der durch Aufmauern ausgeglichen wurde" (zit. nach Wagener). Stark griffen auch die "Sicherungsarbeiten" von 1927 in die historische Bausubstanz ein, denn nun wurden "zur Sicherung der Substanz Teile des Mauerwerks ausgebrochen und neugemauert mit nachfolgendem steinsichtigen Fugenbewurf aus Traßkalkmörtel" (ebd.).
Nach dem Tod v. Willes 1941 erwarb die Firma DEMAG die Burg als Schulungsheim; sie ließ in den 50er Jahren Sicherungs-, Um- und Neubaumaßnahmen folgen. 1968 erwarb der Kreis Grevenbroich die Burg als Landschulheim und erweiterte die modernen Ausbauten nochmals. Insgesamt führten die vielfach undokumentierten Baumaßnahmen des 19./20. Jh. dazu, eine Baubefundung in weiten Bereichen der Burg fast unmöglich wurde. (Michael Losse)

Baubeschreibung:

Die auf einem Sporn des Höhenberges, östlich des Ortes stehende Burg weist eine maximale Nordsüdausdehnung von ca. 130 m und eine Ostwestausdehnung von ca. 90 m auf und erstreckt sich über 3 Terrassen. Sie wird im Norden durch einen ca. 15 m breiten Halsgraben vom Berg getrennt, auf dem die Alte Burg nach Norden anschließt. An der höchsten Stelle der Burg, direkt über dem Halsgraben, erhebt sich der aus Bruchsteinmauerwerk aufgeführte, wahrscheinlich romanische Bergfried über nahezu quadratischem Grundriss (ca. 9 m Seitenlänge, 3 m Mauerstärke). Er ist 23 m hoch, doch wurde der obere Teil mit Zinnen und Gesims erst 1896 aufgesetzt. Im Inneren ist die urspr. Einteilung nur noch schwer erkennbar, nachdem Betondecken eingezogen wurden; lediglich die Ansätze eines Tonnengewölbes unter der obersten Plattform zeugt noch von einem vermutlich originalen Raumabschluß. Selbst die Treppe in der Mauerstärke wurde erst 1896 angelegt (Wagener).
Auf der obersten Terrasse, die den Bergfried umgibt, ist von mittelalterlicher Bebauung kaum noch etwas sicher auszumachen, es handelt sich hier um Neubauten des 19./20. Jh. Nach Süden schloß sich an den Bergfried vielleicht ein Wohnbau oder Palas an (25 x 9 m), der teils noch aus romanischer Zeit stammen könnte, aber später umgebaut wurde. Sein Inneres stellt heute die Frei- und Beetfläche vor den modernen Hausbauten dar. Von der Nordostecke dieses Gebäudes zog sich ein weiterer Mauerbering um die oberste Terrasse. Von diesem sind kaum Reste überkommen; eine nach Osten gerichtete „Ausbuchtung“ mit auf den Burgweg gerichteten Scharten ist jedoch erhalten.
Die 2. Terrasse stellt sich hauptsächlich als Hoffläche mit Garagenneubau und einigen Mauerresten dar. Im Nordosten der Hoffläche schließt sich an die Ecke des Wohnbaues bzw. Palas ein Geschützturm oder Rondell an (Ø 11,5 m, Mauerstärke im EG 4,5 m), welches zu den gerundeten bis (halb)ovalen Werken einer Verstärkung der Burg gehört, die wohl im Zeitraum Ende 15./Anfang 16. Jh. stattfand. Innerhalb des Rondells befand sich ein angeblich 35 m tiefer Brunnen. Vom Rondell erstreckt sich eine Zwingermauer nach Norden zu einem weiteren Rondell (ca. 9 m Ø) an der Nordwestecke der Burg, oberhalb der Kapelle und der daran anschließenden Mühle. Hier setzte die Ortsbefestigung an.
Südlich des großen Rondells sind auf der heutigen Hoffläche noch einzelne Reste des „neuen Schloßgebäudes“ (11 x 19 m) zu erkennen. Vom anschließenden Treppenturm sind keine sichtbaren Reste vorhanden. An der Südostecke des Hofes finden sich stattliche Reste eines ehemals in das Schlossgebäude integrierten Turmes. Hieran schließt eine Doppelgarage an, in die Mauerreste des Schlosses integriert sind, und für deren Fenster teils alte, hier gefundene Fenstergewände wiederverwendet wurden.
Im Osten des heutigen Burghofes befindet sich die 24 m lange Torhausanlage, welche sich als ein beiderseits von Mauerwerk begrenzter Weg zwischen den beiden in einer geraden Linie zueinander stehenden Torbögen darstellt, die in abgerundeter Spitzbogenform aufgeführt sind. Südlich befindet sich ein teils verschüttetes Gewölbe, das zu dem von der Außenseite erkennbaren, urspr. rundbogigen Tor der Burg führt. Es handelt sich hier um einen Bauteil mit einer sehr komplexen Baugeschichte.
Die 3. Terrasse, größtenteils als Parkplatz genutzt, weist kaum noch mittelalterliche Bausubstanz auf. Ein weiteres Tor zur 3. Terrasse befindet sich im Osten, etwa 5 m unterhalb des alten Tores, in einer z.T. erhaltenen „Schildmauer“.
Die durch eine Trockenmauer gesicherte Aufschüttung, welche die 3. von der 2. Burgterrasse abtrennt, ist Anfang des 20. Jh. angelegt worden.
Nordöstlich der Burg steht die 2-schiffige, kurz nach 1500 auf Veranlassung Dietrichs IV. v. Manderscheid-Schleiden erbaute spätgotische Kapelle. Sie kann nicht eindeutig als Burgkapelle bezeichnet werden; vielmehr stellte sie ein Bindeglied zwischen der Burg und der ihr zugeordneten Siedlung dar, deren Bewohnern sie ebenfalls nutzten. Urkunden belegen, dass die Kapelle einen Vorgängerbau an bislang unbekannter Stelle hatte: 1234 wird ein Kaplan („Walterus capellanus“) genannt und 1486 sowie 1496 eine St. Johannes d.T. geweihte bzw. eine Vorburgkapelle erwähnt, die ein Burgkaplan betreute.
Die Kapelle hat einen annähernd rechteckigen Grundriss. Sie setzt sich aus dem 2-schiffigen, über Mittelstütze gewölbten Langhaus (10,12 x 7,08 bis 7,58 m) und dem gleichhohen, nicht eingezogenen Kastenchor (7,08 x 4,30 m) zusammen, die ein durchgehendes Satteldach deckt; über dem Chor sitzt ein Dachreiter. Die Nordseite des Langhauses war vor der Anfügung des Erweiterungsbaues 1975/76 weitgehend ungegliedert; ihr war ein breiter (späterer?) Strebepfeiler vorgesetzt. Auch vor der Westseite sitzt ein Strebepfeiler, den 2 zweibahnige Maßwerkfenster rahmen. Ebenfalls 2 zweibahnige Maßwerkfenster öffnen sich in der Südseite – eines im Ostjoch des Langhauses und eines im Chor. Durch die sie jeweils überfangenden Quergiebel ergibt sich optisch der Eindruck, es handele sich hier um Querhäuser. Links unterhalb des östlichen der beiden Fenster befindet sich ein vermauerter, vielleicht urspr. der Burgherrschaft vorbehaltener Zugang. Langhaus und Chor trennt ein schmaler, spitzbogiger Triumphbogen. Während das Langhaus ein einfaches Kreuzrippengewölbe überdeckt, weist der Chor ein aufwendigeres, 3-teiliges Sterngewölbe auf. Für eine Nutzung der Seitenräume als mögliche Herrschaftsloge spricht das Gewölbe: Der mittlere Schlußstein über dem Altarraum zeigt die Madonna mit dem Kind, der Schlußstein rechts das Wappen v. Kerpen-Sombreff und der links das Wappen v. Manderscheid-Blankenheim. (Michael Losse)

Arch-Untersuchung/Funde:

Unbekannt.