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Hornberg, Untere Burg

Geschichte:

Burg Hornberg wird erstmals im Jahre 1184 urkundlich erwähnt, als sie sich im Besitz zweier Brüder aus dem Geschlecht der Grafen von Lauffen befand. Demnach muss der Burggründer mindestens der Vater der Brüder gewesen sein, weshalb von einer Gründung der Burg spätestens Mitte des 12. Jahrhunderts auszugehen ist. In noch älteren Quellen nach Hornberg benannte Adlige lassen sich nicht zweifelsfrei dieser Burg Hornberg zuordnen. Historischer Ausgangspunkt der Burggründung war vermutlich ein Herrenhof im nahegelegenen Neckarelz, in dem um 1300 die dortige Johanniterburg erbaut wurde. Auch in Haßmersheim auf dem linken Rheinufer scheint ein früher Vorort der Grafen von Lauffen vorhanden gewesen zu sein. In der Erstnennungsurkunde von 1184 werden bereits die zur Burg gehörenden Weinberge erwähnt, die noch heute in Ertrag stehen. Rein legendär ist dagegen der Zusammenhang der Burg mit der heiligen Notburga von Hochhausen, den die spätmittelalterliche Heiligenlegende überliefert. Der letzte Graf von Lauffen starb zwischen 1216 und 1219, sein Erbe wurde zersplittert und kam teilweise an das Reich. Burg Hornberg sicherte sich neben anderen Teilen des Erbes der mit Mechthild von Lauffen verheiratete Konrad von Dürn (=Walldürn), dessen Nachkommen später sogar den Grafentitel der Lauffener weiterführen sollten.
1259 und 1263 erwarb das Hochstift Speyer in Anteilen die Burg von den Erben Konrad von Dürns und den nicht näher bekannten Herren von Hornberg, vermutlichen Burgmannen. Es ist gegenwärtig noch nicht geklärt, inwieweit der Verkauf der Burg durch den vorherigen Bau der erst viel später urkundlich genannten oberen Burg durch den Speyrer Bischof erzwungen worden war. In der Folgezeit war Hornberg die östlichste Burg des Hochstiftes Speyer. Nähere Details über die Herrschaftsausübung des Hochstiftes am Neckar sind jedoch nicht überliefert. 1341 erhielt Bischof Gerhard von Speyer von Kaiser Ludwig dem Bayer das Recht, das unterhalb der Burg liegende Dorf Steinbach zur Stadt auszubauen, was jedoch nicht realisiert werden konnte. Aus dem 15. Jahrhundert wird zunehmend von der Bautätigkeit des Hochstiftes auf dem Hornberg berichtet (siehe Bauentwicklung), mehrfach wurde die Burg in dieser Zeit zur kurzfristigen Geldbeschaffung durch das Hochstift Speyer verpfändet
Eine neue Zeit begann, als vor 1467 der Ritter Lutz Schott (von Schottenstein) die Burg als speyrisches Lehen erwerben konnte. Obwohl Schott später durch Kurfürst Friedrich den Siegreichen von der Pfalz aus der Burg vertrieben wurde und erst sein Sohn Konrad Schott diese 1504 zurück erobern konnte, sollte Hornberg von da an als speyrisches Lehen stets eine Adelsburg sein. 1517 verkaufte Konrad Schott den Hornberg mit Zubehör an Götz von Berlichingen von Jagsthausen "mit der eisernen Hand". Aufgrund seiner Beteiligung am Bauernkrieg musste Götz nach 1525 sich verpflichten, den engeren Burgbereich auf Lebenszeit nie mehr zu verlassen, wovon er jedoch 1540 für den Kampf gegen die Türken gelöst wurde. 1562 starb Götz von Berlichingen mit über 80 Jahren auf Burg Hornberg, nachdem er zuvor seine Autobiographie per Diktat hatte niederschreiben lassen. Sein Grab fand er im Kloster Schöntal an der Jagst. Götzens Nachfolge trat auf dem Hornberg sein Sohn Hans Jakob an. 1612 veräußerte Philipp Ernst von Berlichingen die in schlechtem baulichem Zustand befindliche Burg an Herrn Reinhard "den Gelehrten" von Gemmingen, der in der Talsiedlung Neckarzimmern ein kleines Schloss erbauen ließ. Der alsbald ausbrechende Dreißigjährige Krieg machte die Burg auch ohne unmittelbare Kampfhandlungen endgültig zur Ruine. Die Gebäude der Unterburg wurden jedoch im 18. Jahrhundert wieder hergerichtet und werden bis heute genutzt. Burg Hornberg ist nach wie vor Eigentum der Freiherrn von Gemmingen-Hornberg, die dort ein Hotel-Restaurant sowie das seit 1184 bezeugte Weingut betreiben. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der Burg ist in vielen Punkten noch nicht befriedigend geklärt. Als gesichert dürften folgende Phasen der baulichen Entwicklung gelten: Die etwa 170 Meter lange Burg ist aus zwei getrennten Burgen entstanden, die erst im Nachhinein (nach heutigem Kenntnisstand in der Ära von Lutz und Konrad Schott) zu einer Burg zusammengewachsen sind. Entgegen bis heute verbreiteter Darstellungen ist der Ausgangspunkt der Burg nicht die heutige Kernburg mit dem charakteristischen Bergfried, sondern der die Südspitze einnehmende "Mantelbau". Die Freilegung eines romanischen Fensters im Jahre 1956 bewies nämlich , dass allein der Mantelbau in die Zeit der Erstnennung der Burg um 1184 zurückgeht. Nach 1956 wurden zwei weitere, aber teilweise durch jüngere Fenster zerstörte romanische Doppelfenster freigelegt und restauriert. Alle drei erinnern stilistisch an zwei Fenster im Untergeschoss des Palas der Burg Wildenberg im Odenwald. Alle drei Fenster sind mit Weinlaub-Motiven verziert und spielen damit auf den zur Burg gehörenden Weinbau an. Sicherlich hatte der rechteckige Mantelbau (25,5 x 12 m) ursprünglich eine größere Höhe als heute und ist somit als Wohnturm zu rekonstruieren. Der Name Mantelbau dürfte auf die Funktion seiner Nordmauer als Schildmauer zurückzuführen sein. Inwieweit er von Nebengebäuden umgeben war, oder sogar eine Vorburg besaß, ist noch ungeklärt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfen wir von der Existenz eines Halsgrabens nördlich des Mantelbaues ausgehen, der die Burg gegen den ansteigenden Hang sicherte. Gut 100 m nördlich des Mantelbaues wurde die Obere Burg (siehe eigener Artikel) erbaut, von der zwar erst 1366 die Rede ist, deren Fensterformen jedoch eher ins 13. Jahrhundert gehören. Die Verschmelzung beider Burgen durch eine gemeinsame Ringmauer wird gegenwärtig erst in die Ära Schott (um 1500) datiert. Weitere Neubauten unter Lutz Schott und später den Herren von Berlichingen konzentrierten sich auch die Obere Burg, deren ursprüngliches Aussehen dadurch stark verändert wurde. Die Untere Burg wurde durch diese Entwicklung zur Vorburg degradiert, in der die Nachkommen des Götz von Berlichingen im ausgehenden 16. Jahrhundert eine umfangreiche Bautätigkeit entfalteten. Ihre Bauten lösten dort sicherlich vormalige mittelalterliche Wirtschaftsgebäude ab. An der Verteidigungsfähigkeit der Burg wurde von den Berlichingen unbeirrbar festgehalten. Von einer Entfestigung des Hornbergs kann nicht die Rede sein. Es ist davon auszugehen, dass die extrem ausgedehnten Mauermassen der Burg bereits um 1600 nur mit Schwierigkeiten finanziell zu tragen waren; so kann es nicht verwundern, dass der Hornberg bereits im Jahre 1611 in schlechtem Zustand war. Der Mantelbau war im besagten Jahr bis auf seine Außenmauern zerstört, im Inneren existierten nur noch zwei überwölbte Räume. Nach den Verheerungen und dem Bevölkerungsrückgang des Dreißigjährigen Krieges war die Kernburg (die ehemalige Obere Burg) endgültig zur Ruine geworden. Aus heute nicht mehr ersichtlichen Gründen wurde die Untere Burg zu Ende des 18. Jahrhunderts wieder nutzbar gemacht, der ruinöse alte "Mantelbau" erniedrigt und mit einem neuen Dach versehen. 1932 wurde derselbe wieder als Wohnung hergerichtet, nach 1945 auch Gastronomie im Gebäude etabliert. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die sehr weitläufige Gesamtanlage der Burg Hornberg wird von einer relativ jungen Ringmauer umfaßt, die vermutlich erst ins Ende des 15. Jahrhunderts gehört. Die Baulichkeiten der ehemaligen Unteren Burg wirken heute im Vergleich zur ehemaligen Oberen Burg etwas unscheinbar, sind aber der historische Ausgangspunkt der Gesamtanlage der Burg und befinden sich zudem bis heute unter Dach.
Dominierendes Bauwerk ist der sogenannte "Mantelbau" unter einem modernen Walmdach, der noch drei Geschosse hoch aufragt. Von der vormaligen Existenz mindestens eines weiteren Geschosses ist auszugehen. Das 25,5 x 12 m große Gebäude mit seiner 2,70 m dicken Nordmauer gehört im Kern ins 12. Jahrhundert und ist das älteste Gebäude der gesamten Burg. Die heutigen Fenster sind jedoch neuzeitlich. Mit seinen gewaltigen Abmessungen kommt dem Mantelbau architekturgeschichtliche Bedeutung weit über das Neckartal hinaus zu. Bedingt durch die moderne Nutzung des Inneren (Wohnung sowie Hotel-Restaurant) ist seine mittelalterliche innere Raumaufteilung nicht mehr zu rekonstruieren. Ein Saal ist in einem der oberen Geschosse unbedenklich anzunehmen. Die übrigen Gebäude im Bereich der Unteren Burg sind nachmittelalterlich, dominierend ist der unter Hans Jakob von Berlichingen erbaute große Pferdestall neben dem Südwesttor. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Funde von der Burgruine sind bisher nicht bekannt.I