EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Lage bei Neuenhaus

Geschichte:

1183 erfolgte die erste Erwähnung der Burg Lage im Besitz des Bistums Utrecht, das die geistliche Oberhoheit über die Niedergrafschaft der Grafschaft Bentheim und dort auch umfangreichen Besitz innehatte. Erbkastellane auf Lage waren die Herren von Saterslo, die ab dem beginnenden 14. Jh. Herren von Lage genannt wurden. 1270 wurde Hermann von Saterslo zugleich mit seiner Ernennung zum Kastellan auferlegt, dass er in Abwesenheit des Bischofs "in superiore domo", wohl dem Burgturm, zu verweilen hätte. Außerdem wird in der selben Urkunde eine Mühle innerhalb der Burg erwähnt. Während der Jahre 1324 bis 1326 wurde die Burg während der Geldernschen Fehde durch Bischof Ludwig von Münster zerstört. 1329/30 baute der Utrechter Bischof Johann IV. von Arkel die Burg wieder auf und übergab sie seinem Verbündeten Hermann von Lage. Dieser verkaufte sie 1346 an Bischof Johann IV. Da dieser die Kaufsumme nicht aufbringen konnte, blieben die von Lage jedoch weiterhin auf der Burg wohnen. 1380 zerstörte daraufhin Bischof Florenz von Wevelinghoven die Burg. Zudem wurde die Burg 1377 an Reinhold von Coevorden verpfändet, das Pfand wurde erst 1445 wieder eingelöst. Danach musste die stark vernachlässigte Anlage durch Bischof Rudolf von Diepholz bis 1447 wieder hergestellt werden. Lage war bischöflicher Amtssitz und mit einem Drosten besetzt. Als Bischof Heinrich von Bayern 1526 seine weltliche Macht an Kaiser Karl V. abtreten musste, wechselte auch die Burg Lage ihren Besitzer. 1531 versprach Karl, die Burg zu reparieren und mit hinreichender Mannschaft zu besetzen. 1576 verpfändete Philipp II. als neuer Eigentümer die Burg an Dietrich von Ketteler und belehnte diesen gleichzeitig damit. 1591/92 entstand ein Neubau in Kastellform, der 1626 im Spanisch-Niederländischen Krieg von den Niederländern zerstört worden ist. 1634 ist der Pfandbesitz von Lage auf Johann von Raesfeld zu Twickel bei Denden übergegangen und in ein Erblehen verwandelt worden. Die Burgruine und das nahe gelegene Herrenhaus von 1686 verblieben in dem Besitz der jeweiligen Eigentümer von Haus Twickel, bis 1953 die Besitztümer der dort ansässigen Familie van Heeckeren van Wassenaer in eine Stiftung eingebracht worden sind. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die erste Burg aus dem 12. Jh. ist 1324/26 zerstört worden. Die kurz darauf errichtete Burg wurde 1380 zerstört. Die nächste Burg aus den Jahren 1445-1447 musste 1576 dem Kastell weichen. Dieses wurde 1626 gesprengt und blieb seitdem als Ruine erhalten. Nördlich davon wurde 1686 ein kleines Herrenhaus errichtet, das 1762 mit Seitenflügeln ergänzt wurde. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Über die Gestalt der ersten beiden Burganlagen aus dem 12.-14. Jh. sind wir nicht unterrichtet. Von der Burg aus der Mitte des 15. Jhs. wissen wir zumindest so viel, dass für sie mehr als 665.000 Backsteine verbaut worden sind und für die Fensterumrahmungen und Schießscharten Bentheimer Sandstein verwendet wurde. Laut einem Ölbild des 16. Jhs. war die Burg mit einer Ringmauer umgeben, die an den Ecken flache Rundtürme aufwies. Mehrere Gebäude mit Satteldächern lassen sich nicht genauer ansprechen. Wohl zentral steht ein großer runder Bergfried mit Wehrgang und Kegeldach.
Die Ruine des 1626 gesprengten Kastells liegt inmitten eines rechteckigen Areals, das an einer Seite von der Dinkel, an den anderen Seiten von einem daraus gespeisten Graben begrenzt wird. Vermutlich war es ursprünglich von einem weiteren Wassergraben umgeben. Die Backsteinbefestigung besaß eine Seitenlänge von ca. 30 m. Ein Zugangstor hat sich im Norden befunden. Östlich davon hat sich eine Kasematte mit Schießscharten erhalten, westlich dürfte eine weitere gelegen haben, in die ein jüngerer Backofen eingebaut worden ist. In der noch hoch erhaltenen Westseite sind drei Schießscharten für Geschütze samt Kammern zu erkennen. Weitere drei Scharten befanden sich in der Ostseite, die ebenso wie die Südseite stark zerstört ist. In der Mitte der Ruine steht ein im Erdgeschoss viereckiger, darüber achteckiger Turm.
Das ebenfalls im Burgbezirk gelegene Haus Lage besitzt keinen Zusammenhang mit der Burg Lage. Es wurde 1686 von Amadea von Flodroff , Witwe von Adolf Heinrich von Raesfeld, Herr in Lage, als Witwensitz in klassizistisch-niederländischem Stil erbaut. 1762 wurden an das einstöckige Ziegelgebäude zwei Seitenflügel angefügt. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine