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Hardegsen

Geschichte:

Die geschichtlichen Anfänge der bis heute das Stadtbild von Hardegsen beherrschenden Burg liegen im Dunkeln. Eine sichere Aussage, dass die Burg bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts bestanden hat, lässt sich nicht machen. Der Ort Hardegsen selbst wird in den Schriftquellen bereits 1020 genannt, während die urkundliche Überlieferung zur Burg erst 1266 einsetzt. Unklar ist auch, wer als Initiator der Burggründung vor 1200 in Frage kommen könnte. Waren es die Erzbischöfe von Mainz oder gegebenenfalls die Grafen von Northeim, die in dieser Region territorialpolitsche Ambitionen hatten? Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte Burg Hardegsen zu den Besitzungen der Herren von Rosdorf, die u. a. in Moringen begütert waren. Sie entwickelten sich in der Folgezeit zu einem aufstrebenden Adelsgeschlecht der Region, wurden jedoch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in das territoriale Gefüge der Braunschweiger Herzöge eingebunden bzw. büßten ihre herausragende Stellung ein und verloren ihre Burgen an den Landesherren. 1383 erlangte Herzog Ernst von Göttingen das Öffnungsrecht an den Burgen Moringen und Hardegsen und 1379 gelang es Otto dem Quaden Burg Hardegsen durch Kauf in seinen Besitz zu bringen. Für die im Vorfeld der Burg gelegene Talsiedlung erwirkte er 1383 Stadtrechte. Ferner hielt er sich in der Folgezeit bevorzugt auf der Burg Hardegsen auf, die sich zu einer wichtigen Residenzburg entwickelte. 1394 starb Otto der Quade auf Burg Hardegsen, die seiner Gattin Margarethe als Witwensitz zufiel. Ottos Sohn Otto der Einäugige bevorzugte als Herrschaftsmittelpunkt hingegen Uslar. Ungeachtet dessen wurde Burg Hardegsen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts mehrfach von Mitgliedern des herzoglichen Hauses aufgesucht. Ab der Mitte des 16. Jahrhundert diente Hardegsten ausschließlich als Amtsmittelpunkt. Die Burg, bereits 1653 in dem Kupferstich von Matthäus Merian in Teilen ruinös dargestellt, wurde 1780 bis auf den noch erhaltenen mächtigen 1324 errichteten Wohnturm, das Mos- oder Muthaus, abgebrochen. Das Steinmaterial verwendete man zum Neubau der Amts- und Nebengebäude. Bis zur Zusammenlegung der Ämter Hardegsen und Moringen 1820 diente Burg Hardegsen als Verwaltungszentrum. Heute beherbergt die weitläufige Anlage der Burg die Kommunalverwaltung, Anwaltskanzleien, Wohnungen, Kindergarten, eine Burgschänke und ein Regionalmuseum.
Zum infrastrukturellen Umfeld der Burg gehören ferner verschiedene Burgmannensitze, von denen sich in der Stadt noch zwei erhalten haben. Das unterhalb der Burg in der Burgstraße gelegene zweite Burgmannenhaus entstand vermutlich bereits im 13. Jahrhundert und wurde 1559/60 im Stil der Renaissance aus- und umgebaut. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg Hardegsen bedarf noch einer eingehenden Untersuchung. Dies betrifft vor allem die frühe Gründungsphase der Burg, die gegebenenfalls bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstand. Der noch gut erhaltene Wohnturm, das Mos- oder Muthaus ist aufgrund einer Bauinschrift recht präzise in das Jahr 1324 zu datieren: "no Godes bort dzsent unde drehundert jar in dem verundzwvintegsten is dat hus gebuwet". Der repräsentative Bau gehört folglich noch der Zeit an, als die Herren von Rosdorf Hardegsen besaßen. Wann der auf dem Merianstich von 1653 noch erkennbare viereckige Bergfried entstand, ist unklar. Merian zeigt das eigentliche Wohngebäude bereits als Ruine. Ab 1780 wurde die Hauptburg niedergelegt und das gewonnene Steinmaterial zum Bau neuer barocker Bauten verwendet. An der Südseite des Wohnturms entstand das schlichte barocke Amtshaus. Weitere Gebäude der als Domäne genutzten Burganlage datieren in die Jahre 1726 und 1728. Jens Friedhoff

Baubeschreibung:

Die bis heute die Stadtansicht von Hardegsen prägende Burg liegt auf dem höchsten Punkt des Buntsandsteinberges, auf dem sich die Altstadt erhebt. Von Bedeutung für die Gründung von Ort und Burg waren sicherlich die hier verlaufenden Handelswege. Durch Hardegsen führte eine stark frequentierte Handelsstraße von der Weser durch den Solling bis ins Leinetal in west-östlicher Richtung. Das gesamte Burgareal nimmt eine Fläche von etwa 140 x 110 m ein. Folgt man der Argumentation von Kühlhorn (1976), so wurde die Burg zur Stadt hin durch einen in den Felsen geschlagenen Graben geschützt, von dem lediglich ein kleines Teilstück im Nordostbereich erkennbar ist. Die Kernburg, von der sich lediglich niedrige Reste von Ring- und Stützmauern erhalten haben, nahm einen Buntsandsteinfelsen ein. Von dem Bergfried, der auf dem Kupferstich von Merian Mitte des 17. Jahrhunderts noch als viereckiger Turm erkennbar ist, blieben lediglich Mauerreste von 2 m Höhe erhalten, der Innenraum wurde mit Erde verfüllt.
Gut erhalten ist hingegen ein spätmittelalterlicher Wohnturm, der inschriftlich in das Jahr 1324 datiert. Der aus sorgfältig bearbeiteten Sandsteinquadern aufgeführte Turm weist bei einer Grundfläche von 25,5 x 14 m eine stattliche Höhe von 35 m auf. Typologisch vergleichbare Bauten finden sich u. a. in Westfalen Beverungen und Lichtenau (Kreis Paderborn) sowie in Jühnde (Kreis Göttingen). Der Turm diente vermutlich unterschiedlichen Nutzungen. Er beherbergte Wohn- und Vorratsräume. Das Kellergeschoss verfügt über ein gotisches Gewölbe. Darüber erhebt sich ein Saal mit hohen Fenstern, die Sitznischen aufweisen.
Südlich schließt sich an den als Mos- oder Muthaus bezeichneten spätmittelalterlichen Turm das spätbarocke Amtshaus, ein schlichter zweigeschossiger Bau mit Walmdach, an.
Unmittelbar vor der Burg verdient u. a. ein Burgmannenhaus (Burgstraße 4) Beachtung, das unter Verwendung mittelalterlicher Baureste Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance umgestaltet wurde.
Der sich an die Burg anschließende Ort verfügte über Stadtrechte und eine eigene Stadtbefestigung, die sich im Osten unmittelbar an die Burg anschließt. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

1976 wurde eine Grabungsgenehmigung beantragt und auch genehmigt. Über den Verbleib etwaiger Funde liegen keine gesicherten Ergebnisse vor.