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Jühnde

Geschichte:

Die geschichtlichen Anfänge der Burg in Jühnde reichen bis in das ausgehende 13. Jahrhundert zurück. Der Ort selbst wird 960 erstmals in einer Stiftungsurkunde des Klosters Hilwartshausen als "curtis in iunium" genannt, während die Burg der Herren von Jühnde 1290 im Kopialbuch des Klosters Mariengarten erwähnt wird. Offenbar teilten sich die Herren von Jühnde die Besitzrechte an der Burg mit den Herren von Bovenden. 1355 gelangte Burg Jühnde an das Erzstift Mainz. Zehn Jahre später hatte der Braunschweiger Herzog Otto der Quade die Lehnshoheit über Jühnde inne. In einer Auseinandersetzung mit den Städten wurde Burg Jühnde 1486/87 durch ein Aufgebot der Stadt Göttingen unter der Führung des Stadthauptmanns Detmar von Adelebsen zerstört, jedoch 1489 von Bodo von Adelebsen auf gemeinsame Kosten mit der Stadt Göttingen wiederaufgebaut. Bis 1663 befand sich Schloss Jühnde im Besitz der Herren von Adelebsen, dann ging es an die Freiherren von Grote über, die es bis heute besitzen und dort einen landwirtschaftlichen Betrieb unterhalten. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zu den ältesten noch erkennbaren Bauteilen der spätmittelalterlichen Burg gehören die unteren Partien des auch als "Moshus" bezeichneten beeindruckenden Wohnturms sowie die Reste der sich an diesen anschließenden ovalen Ringmauer. 1486/87 wurde Burg Jühnde durch ein Aufgebot der Stadt Göttingen zerstört. Es folgte 1489 ein Neubau der Anlage, dem wohl auch der obere Teil des Wohnturms angehört, der im Detail Parallelen zum Wohnturm der Burg Adelebsen aufweist. Die mittelalterliche Ringmauer der 1623 abermals zerstörten Burg wurde 1668 bis 1671 in den grundlegenden Um- und Ausbau der Wohngebäude miteinbezogen. Weitere bauliche Veränderungen erfuhr Schloss Jühnde im frühen 19. Jahrhundert (1806/07). Während dieser Bauphase wurde auch der an der Nordseite gelegene Burggraben weitgehend eingeebnet. Um 1800 wurde Schloss Jühnde durch einen weitläufigen Landschaftspark ergänzt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Bis heute bestimmt das auf einem kaum wahrnehmbaren Bergsporn gelegene Schloss Jühnde die Silhouette des gleichnamigen Ortes. Zum ältesten Baubestand der spätmittelalterlichen Burg gehört der die Anlage dominierende Wohnturm, das "moshus". Es handelt sich um einen über rechteckigem Grundriss von 10 x 12 m in Bruchstein mit Eckquadern aufgeführten 29 m hohen Turm, der vermutlich in zwei bzw. drei Bauphasen entstand, Während der untere Teil noch in die Gründungszeit der Burg zu setzen ist, entstanden die Obergeschosse sehr wahrscheinlich in der Phase der Wiederherstellung der Burg nach ihrer Zerstörung durch die Stadt Göttingen 1486/67. In nachmittelalterlicher Zeit erhielt der Turm einen neuen Dachstuhl mit einer Fachwerkkonstruktion an den Giebelseiten. Das unterste Geschoss weist Kreuzgratgewölbe auf. Unmittelbar an den Turm schließt sich die annähernd runde Ringmauer der Hauptburg an, die in ihren unteren Teilen noch deutlich in Erscheinung tritt und beim barocken Neubau des Schlosses 1668-1671 integriert wurde. Die Außenwände des Schlosses passen sich der Ringmauerführung der mittelalterlichen Burg an. Bei Schloss Jühnde handelt es sich um eine zweiteilige Anlage, die im Vorfeld der Hauptburg über eine Vorburg, den so genannten Amtshof verfügt. Folgt man der Legende einer Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, so waren im Bereich der Vorburg neben dem Torhaus das Brauhaus, Deputathaus sowie Scheune und Stallungen untergebracht. Erhalten haben sich die Reste des Torhauses, das ehemalige Brauhaus sowie die Ruinen eines abgebrannten Wirtschaftsgebäudes. Zum Ensemble des Schlosses Jühnde gehört ein weitläufiger Landschaftspark, der in die Zeit um 1800 datiert. (Jens Friedhoff)