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Aerzen

Geschichte:

Das Schloss Aerzen wird erstmals 1293 als "borch Artelsen" erwähnt, als die Grafen von Everstein Aerzen an die Kölner Erzbischöfe übertrugen und die Hälfte wieder als Lehen zurückerhielten. In Verträgen mit dem Bistum Paderborn 1399 und der Grafschaft Lippe 1403 wurde Aertzen von Graf Hermann VIII. von Everstein zur Leibzucht seiner Frau bestimmt. Bis 1408 blieb die Burg im Besitz der Grafen von Everstein und ging dann in der Folge des Eversteinschen Erbfolgekrieges als Mitgift der Tochter des Grafen an Herzog Bernhard zu Braunschweig und Lüneburg über. 1433 wurde sie an die Hildesheimer Bischöfe verpfändet, die sie wiederum verschiedentlich weiterverpfändeten, u. a. an die Grafen von Lippe, Herren von Zerssen und die Herren von Münchhausen. 1530 kam Aerzen wieder in welfischen Besitz und wurde Amtssitz. Die Herzöge verpfändeten das Schloss aber wieder an die Familie von Münchhausen. 1642 fallen Teile der Burg einem verheerenden Brand zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau wurde der Pfandbesitz der Herren von Münchhausen widerrufen und das Schloss kam als Amtssitz und später als Domäne in landesherrliche Verwaltung. Nach 1966 befand sich in ihm zunächst eine Schule, heute wird es als Kulturzentrum genutzt. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Über die Baugeschichte der mittelalterlichen Burg ist nichts bekannt. Den Kern des heutigen Schlosses bildet der 1533 vollendete Nordflügel. Der Südflügel geht in seinem Kernbestand ebenfalls in die erste Hälfte des 16. Jhs. zurück, in Folge des Brandes wurde er aber um 1660 neu errichtet. Nachdem ein Merianstich von 1654 noch einen eingeschossigen Westflügel aus Fachwerk zeigt, wurde um 1740 der heutige zweigeschossige Westflügel errichtet. Ein um 1600 errichtetes Pforthaus aus Bruchstein wurde 1936 abgerissen. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Über die Gestalt der mittelalterlichen Burg sind keine Aussagen möglich. 1587 werden in einer Urkunde ein „Altes Haus“, ein „Neues Haus mit Kemenade“, ein Pferdestall, ein kleines Backhaus, ein Weinkeller nebst anderen Kellern, ein großes Back- und Brauhaus und ein Garten erwähnt.
Beim „Alten Haus" dürfte es sich um den heutigen zweigeschossigen Südflügel handeln, der in seinen Bruchsteinmauern noch gotische Fensterformen zeigt und zwei kleine Keller mit Tonnengewölben aufweist. Die Nordwand und die Giebel sind um 1660 aus Fachwerk errichtet worden.
Der Nordflügel wurde 1533 als Amtshaus in Form eines dreigeschossigen Bruchsteinbaus auf hohem Untergeschoss errichtet. Der Westflügel aus dem 18. Jh. hat die Form eines zweigeschossigen Fachwerkbaus, der die Tordurchfahrt zum Innenhof beherbergt. Der Ostflügel ist erst in jüngerer Zeit errichtet worden und schließt heute den ursprünglich auf dieser Seite nur mit einer Mauer begrenzten Innenhof ab.
Vom Wirtschaftshof stehen noch zwei Ställe aus dem 18. Jh. Die Zehntscheune von 1561 steht seit 1980 in dem Freilichtmuseum Cloppenburg. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Sondage im Keller des Nordflügels im Jahr 2000: Steinzeug des 15.-17. Jhs. (Stefan Eismann)