EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Polle

Geschichte:

Die Burg Polle ist eine Gründung der Grafen von Everstein. Sie wird erstmals im Jahr 1285 in den Quellen erwähnt. Allerdings findet sich ein "Johannes de collibus" (= von Polle) schon unter den Livlandkreuzfahrern des Jahres 1254. Zudem weist die älteste Keramik aus den Jahren 1220/30 auf eine deutlich frühere Gründung hin. Nachdem die Grafen 1284 ihre Stammburg an die Welfen verloren hatten, wählten sie die Poller Burg zu ihrem neuen Wohnsitz. Während der Eversteiner Fehde nahm der Herzog von Braunschweig-Lüneburg 1407 die Burg ein. Im Jahr darauf traten die Eversteiner ihre Grafschaft an die Welfen ab, auch die Burg wechselte damit ihren Besitzer. Im Erbteilungsvertrag von 1495 wurde die Burg dem Fürstentum Calenberg zugesprochen.
Im 30jährigen Krieg wechselte die Burg mehrfach den Besitzer und wurde dabei zerstört. 1623 brannte die Unterburg nach der Einnahme durch Tilly ab. 1625 eroberte Piccolomini die Burg erneut, 1633 nahmen die Welfen wieder von ihr Besitz. 1641 wurde die Oberburg in Folge einer Beschießung durch schwedische Truppen durch Feuer zerstört. Die Oberburg blieb nach dem Krieg ruinös, während die Unterburg ab 1656 wiederaufgebaut wurde. Dort entstand ein Amtshaus im Stil der Weserrenaissance. Dieses brannte zusammen mit den anderen Bauten auf der Vorburg in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs ab, nur das Portal steht heute noch. 1934 schenkt der Preußische Staat die Ruine dem Flecken Polle, 1956 werden Amtshaus und Burgpark dem Land Niedersachsen abgekauft. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Über die mittelalterliche Baugeschichte existieren bisher keine Aufschlüsse. 1613 wurde das Renaissanceportal errichtet, das 1656 in das Amtshaus der damals neu aufgebauten Unterburg integriert wurde.
1984 bis 1988 wurde die Burg renoviert und die Mauern zum Teil ergänzt. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg Polle steht auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felsvorsprung unmittelbar an der Weser.
Die mit Ringmauern befestigte Anlage besteht aus einer Vor- und einer Hauptburg. Auf der Oberburg werden beide Längsseiten von Gebäuden gesäumt, die nördliche wurde zum Teil vom Palas eingenommen. Der Bergfried befindet sich in der Mauer eingebunden westlich des Torbaues. Sein rundes, aufgehendes Mauerwerk steht auf einem polygonalen Unterbau.
Von den ehemaligen Vorburggebäuden ist seit den Zerstörungen 1945 außer dem Renaissanceportal von 1613 nichts mehr vorhanden. Dieses wurde 1656 in ein großes Amtshaus integriert, einem traufständigen Gebäude mit steinernem Untergeschoss und zwei vorkragenden Fachwerkgeschossen.
Bei kleineren Ausgrabungen auf dem Burggelände wurden mehrere Keller und eine Herdstelle freigelegt. (Stefan Eismann).

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1937, 1986, 2007-2011.
Begehung 1984.