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Wensburg

Geschichte:

Über den Zeitpunkt der Gründung der Burg und die Initiatoren des Burgenbaus liegen keine Schriftquellen vor. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Wensburg als der Ritter Dietrich von Gymnich 1401 die Burg dem Erzstifts Köln zu Lehen aufträgt und sie zum Offenhaus des Erzstifts macht. Durch die Ehschließung der Katharina von Gymnich fiel die Wensburg an Johann von Helfenstein, der 1484 einen Lehensrevers über die Burg ausstellte. Durch Pfandschaft oder Kauf brachten schließlich die Herren von Orsbeck die Anlage in ihren Besitz. Ende des 17. Jhs. ist die Familie von Bourscheidt als Besitzer der offenbar bereits 1633 durch spanische Truppen verwüsteten Burg bezeugt. Auf dem Erbweg gelangte die Wensburg 1760 an Friedrich von Lützerath. Nach mehrfachem Besitzerwechsel fiel sie 1831 schließlich an den Weinhändler und Eisenfabrikanten Carl Theoderich Risch aus Reiferscheid, der die Anlage 1832 größtenteils abbrechen ließ. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden wir die Rittergutsbesitzerin Louise Scheib als Eigentümerin der Burg. Sie ließ den Wohnturm zu Wohnzwecken ausbauen und einige Mauerabschnitte sichern. Heute befindet sich das Objekt im Besitz der Familie Cramer aus Düsseldorf. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der hochinteressanten spätmittelalterlichen Anlage ist bislang noch nicht erforscht worden. Anlagegestalt und Detailformen (abgerundete Ecke der Ringmauer; spätgotische Tordurchfahrten) sprechen für eine Gründung der zweiten Hälfte des 13. oder des beginnenden 14. Jhs. Vermutlich erfolgte die Gründung der Wensburg im Zuge der Sicherung des Ahrgebietes durch das Erzstifts Köln. Spätestens in der ersten Hälfte des 17. Jhs. setzte der allmähliche Verfall der Burg ein, die auf einer um 1725 entstandenen Bleistiftzeichnung des Wallonen Renier Roidkin als eine noch unter Dach befindliche Anlage dargestellt wird. Die systematische Zerstörung erfolgte 1832 durch den Abbruch der Wohnbauten und der Ringmauer. Erst in den 1920er Jahren wurde der Hauptturm instandgesetzt und wieder als Wohnung hergerichtet. Heute befindet sich die Anlage in rasch fortschreitendem Verfall und bedarf dringend umfangreicher Sicherungsmaßnahmen. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die am Rand des Lierstales gelegene Spornanlage gliedert sich in eine Vor- und Hauptburg. Auf der höchsten Erhebung des Burgareals befindet sich die über annähernd rechteckigem Grundriss aufgeführte Hauptburg mit einer abgerundeten Ecke an der Nordseite. Vor die nordöstliche Ringmauer tritt als Frontturm der rechteckige Hauptturm (9,5 x 10,7 m), der sich in voller Höhe erhalten hat. Der hofseitige ebenerdige Eingang entstand erst im Zuge des Ausbaus des Turmes in den 1920er Jahren. In diese Zeit datieren auch die großen Fenster zum Innenhof sowie ein Teil der Binnengliederung des noch unter Dach befindlichen Turmes. An der gegenüberliegenden Seite des Hofes lagen offenbar das Hauptgebäude der Burg. Den Zugang zur Hauptburg ermöglicht ein ehemals spitzbogiges Tor, von dem sich nur noch geringe Reste erhalten haben. Die Wirtschaftsgebäude der Vorburg gruppierten sich vermutlich an der die gesamte Hauptburg umgebende Vorburg, deren Ringmauer zum Teil im 20. Jh. ergänzt wurde. An der Nordseite und an der Südseite haben sich zwei spitzbogige Toranlagen erhalten. Der Hauptzugang von Norden war zusätzlich durch einen Halsgraben gesichert. (Jens Friedhoff)