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Meetschow, Motte

Geschichte:

In Meetschow existieren mehrere Befestigungsanlagen, deren Zusammenhänge noch nicht vollstänfig geklärt sind. Vor der Errichtung des slawischen Ringwalls Meetschow I existierte in seinem Bereich eine Siedlung, deren Funde eher sächsischen Charakter tragen und auf Handelstätigkeiten hindeuten. Diese ist wohl zu Beginn des 9. Jhs. befestigt und noch in der 1. Hälfte des 9. Jhs. aufgegeben worden. Sie wird nach den neuesten Forschungen mit dem im Dietenhofener Kapitular von 805 genannten Handelsort "Schezla" identifiziert. Der Ringwall Meetschow II liegt etwa 100 m südöstlich von Meetschow I. Das zeitliche Verhältnis beider Burgen konnte nicht sicher geklärt werden, da sich in Meetschow II keine für eine dendrochronologische Datierung geeigneten Hölzer erhalten haben. Beim Stand der Forschung besteht sowohl die Möglichkeit, dass beide Anlagen im 10. Jh. eine Zeitlang nebeneinander bestanden haben, als auch die Option, dass Meetschow II in der 2. Hälfte des 10. Jhs. Meetschow I ablöste. Im letzteren Fall wäre die Errichtung von Meetschow II aus Hochwasserschutzgründen erfolgt, da ihr Fundament auch durch eine künstliche Aufschüttung von 0,6 m ca. 1,6 m über dem von Meetschow I gründet.
(S. Bieler, S. Eismann)

Bauentwicklung:

Der Burgwall Meetschow II ist wohl zu Beginn des 10. Jhs. möglicherweise aber auch schon am Ende des 9. Jhs. erbaut worden. Der vorgelagerte Graben ist zweiphasig. Seine Verfüllung beinhaltet größere Mengen Schutt einer Brandzerstörung, die laut Ausweis der Keramik noch im 10. Jh. stattgefunden hat. Die Anlage ist nicht wieder aufgebaut worden und wurde mit der Zeit durch die Seege zur Hälfte abgetragen. Das Gelände wurde zudem wahrscheinlich im 19. Jh. planiert, sodass die letzten Wallreste verschwanden.
(S. Bieler, S. Eismann)

Baubeschreibung:

Die beiden Ringwälle Meetschow I und Meetschow II befinden sich in direkter Nachbarschaft. Meetschow II liegt am Südostende der beiden Wälle, die zuvor die Siedlung einfassten, die wahrscheinlich mit "Schezla" identifiziert werden kann.
Der Ringwall Meetschow II besaß einen Innendurchmesser von ca. 45 m, der Wallfuß ist etwa 7,5 m breit und es konnte eine Besiedlung mit Grubenhäusern im Inneren nachgewiesen werden. Vor dem Bau des Walls ist der Burgbereich und seine Umgebung um etwa 0,6 m aufgehöht worden. Der Wall erreichte eine Breite von etwa 7,5 m. Der Ringwall Meetschow II verfällt nach kurzer slawischer Besiedlung. Mittlerweile ist seine östliche Hälfte durch die Seege abgeschwemmt worden.
(S. Bieler)

Arch-Untersuchung/Funde:

Erste Einmessungen fanden 1962 statt. Danach gab es mehrere Begehungen des Geländes. Unter der Leitung von H. Steuer wurde erstmals 1972 und 1973 an dieser Stelle gegraben. Von 2005 bis 2007 wurd die Burgstelle und die in der Nähe befindlichen slawischen Siedlungen von der Universität Göttingen ergraben. Es konnten, neben zahlreichen Scherben und Knochenfragmenten und einigen Kleinfunden, auch mehrere Sporen und eine kleine Bernsteinperle geborgen werden. (S. Bieler)