EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Dannenberg

Geschichte:

Die Burg Dannenberg war ursprünglich eine slawische Anlage, deren erster Wall zu Beginn des 9. Jhs. errichtet und im Laufe der Zeit immer wieder erneuert wurde. Historische Quellen zu dieser Zeit existieren nicht.
Im Jahre 1150 endete die slawische Besiedlung und die Anlage ging in den Besitz der Dannenberger Grafen über. Die erste urkundliche Ersterwähnung findet unter Graf Volrad von Dannenberg im Jahre 1153 statt.
Im Auftrag des Grafen Heinrich I. von Dannenberg wurde die Burg später erneut ausgebaut. Zu diesen Um- und Ausbauten gehörte auch der noch heute stehende Bergfried. Diesen nutzte Heinrich, um seinen Widersacher, König Waldemar II. von Dänemark, und dessen Sohn gefangen zu halten. Waldemar II. verbrachte die Jahre 1223 bis 1225 in den mächtigen Mauern des nach ihm "Waldemarturm" genannten Bergfrieds.
1303 ging der Besitz an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Nikolaus von Dannenberg hatte seine Rechte an der Burg für eine Leibrente an Herzog Otto abgetreten.
Im Jahre 1337 wurde die Burg von den Askaniern geschliffen, aber wieder erneuert.
Von den Welfen wurde die Burg in der Folgezeit häufig verpfändet. Aufgrund häufiger Raubzüge der Herren von Salder als damalige Pfandinhaber wurde die Burg 1377 vom Kaiser und den Herzögen von Sachsen und Lüneburg belagert und erobert. Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte war die Burg meist an die Stadt Lüneburg verpfändet und wurde baufällig. 1569 nahm Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg hier seine Residenz, nachdem er zu Gunsten seines Bruders Wilhelm auf die Regierung verzichtet hatte. Die Rolle Dannenbergs als Sitz einer welfischen Nebenlinie endete 1652 mit dem Tode von Sybille, der Witwe des Herzogs Ernst.
Nach 1671 wurde das Schloss zum Amtssitz. Man begann, den Turm wieder als Gefängnis zu nutzen.
Abermals baufällig wurden fast alle Gebäude abgerissen und innerhalb kurzer Zeit bekam der Amtsberg sein heutiges Aussehen. In den folgenden Jahrhunderten diente der nun allein als Rest der mittelalterlichen Bausubstanz stehende Bergfried unter anderem als Aktenlager und Magazin. Seit 1995 befindet sich im Waldemarturm das Heimatmuseum Dannenbergs.
Um den Turm errichtete man im 18. und 19. Jahrhundert Fachwerkbauten, die lange Zeit als Sitz für Gerichte dienten und heute noch auf dem Amtsberg stehen.
(S. Bieler)

Bauentwicklung:

Die archäologischen Untersuchungen aus dem Jahr 1991 ergaben unter anderem, dass die ehemalige slawische Burg sechs Wallphasen aufwies. Es konnten teilweise Dendrodaten für eine genaue Datierung der Phasen gemacht werden. Der älteste Wall ist in das 9. Jahrhundert zu datieren, der jüngste Ausbau in das 12. Jahrhundert. Die Wälle der slawischen Periode sind alle als Holz-Erde-Konstruktion errichtet. Der erste Wall bestand aus einer nicht genauer definierbaren Holz-Erde-Konstruktion. Es folgte ein Wall aus Erde und Holz mit einer Lehmdeckschicht und schützender Doppelpalisade. Der dritte Wall wurde mit Holzkästen in Blockbauweise errichtet und war von einer Palisade zusätzlich geschützt. Alle folgenden Wälle sind ebenfalls als Holz-Erde-Konstruktionen errichtet worden.
Es folgt die deutsche Nutzungsperiode ab dem Jahr 1150. Nach einigen Ausbauten folgte die drastische Umgestaltung unter Heinrich I. von Dannenberg. Er ließ um 1200 den Bergfried errichten, welcher heute noch steht. Seine Umgestaltung sollte lange Zeit das Aussehen der Burg bestimmen, bis sie, völlig baufällig geworden, fast vollständig abgerissen werden musste.
Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg ließ 1569 die Burg als Residenz ausbauen. So wurden ältere Bauten saniert und neue Gebäude im Stil der Renaissance errichtet. Der Begfried erhielt einen Fachwerkaufbau. Dieser ist im Laufe der Zeit verkommen und wurde 1672 bei einem Brand nach einem Blitzeinschlag endgültig zerstört. 1720 wurde der Waldemarturm renoviert und erhielt durch Umbauten sein heutiges Aussehen.
Von Juli bis November 1991 wurden bei einer umfangreichen Stadtsanierung Teile des Amtsberges und des Schlossgrabens umgestaltet. Daneben entdeckte man eine Uferbefestigung im Schlossgraben, welche aus Bohlen und Pfählen bestand. Es konnte auch festgestellt werden, dass die Brückenbauten aus den Jahren 1440 und 1570 stammen.
(S. Bieler)

Baubeschreibung:

Der Burghügel besitzt heute etwa 100 m im Durchmesser und ist ungefähr 5 m hoch. Auf diesem Plateau steht heutzutage noch der Waldemarturm als einziger Rest der einstigen Burg. Daneben findet sich nur neuzeitliche Bebauung.
Aus Ziegelmauerwerk errichtet, erreicht der Rundturm eine Höhe von 33 m und besitzt einen Durchmesser von 12 m bei einer Mauerstärke von 2,30 bis 3,53 m. Innen befinden sich fünf Etagen, die über 113 Stufen miteinander verbunden sind. Den Hocheingang im 2. Stock erreicht man heute über einen Treppenturm, der im 18. Jh. anstelle eines damals abgerissenen Gebäudes errichtet wurde.
Die Burg war einst komplett von einem Wassergraben umgeben. Teilweise ist der Graben verlandet oder sogar überbaut worden. Vor der Anlage kann man noch Reste des im Westen bis zu 12 m breiten Burggrabens erkennen. (S. Bieler)

Arch-Untersuchung/Funde:

1962 und 1991 fanden Erdarbeiten an der Burgstelle statt. Die baubegleitenden archäologischen Untersuchungen konnten die ursprünglich slawische Burg in das 9. Jahrhundert datieren. Es folgten fünf Erneuerungen des Walles, welche mit der letzten Wallschicht im 12. Jahrhundert endet. Als Funde konnten vorwiegend Keramik und Knochen geborgen werden. (S. Bieler)