EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Vöhrum

Geschichte:

Die Wasserburg ist erstmals 1675 auf dem Grenzabriss des Amtes Meinersen als aufgelassene Burgstelle in der Fuhse-Altarmschleife an der alten Grenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dem Stift Hildesheim verzeichnet und erscheint auf weiteren historischen Flurkarten, allerdings ohne bestimmte Grundrisstrukturen. Die Anlage wird nicht urkundlich erwähnt, lässt sich aber, nicht zuletzt aufgrund der chronologischen Übereinstimmung mit den Grabungserbnissen, wahrscheinlich mit dem Adelsgeschlecht von Vöhrum in Verbindung bringen. Von diesem erscheint 1204 und 1207 Tidericus de Vorden (Worden) sowie 1268 und 1291 Hermannus de Vorden in den Quellen. (Thomas Budde)

Bauentwicklung:

Die Burganlage ist nach den Grabungsergebnissen offenbar einphasig. (Thomas Budde)

Baubeschreibung:

Die Burgstelle liegt unweit östlich der heutigen Ortslage Vöhrums auf einer 100 x 50 m großen Moorwiese, die von einer westlichen Altarmschleife der 1933/34 begradigten Fuhse umflossen wird. Nachdem für die Zeit um 1900 überliefert ist, dass der damalige Besitzer das östliche Teilstück des umgebenden Burggrabens bzw. Altarms mit Erdmaterial des Burghügels verfüllt hat, erscheint die Anlage heute nur noch schwach erhöht. Bei Untersuchungen in der Zeit bis 1979 wurden 217 aus der Wiese ragende und zusätzlich ergrabene Pfostenköpfe eingemessen. Diese deuteten auf einen ovalen Grundriss der Anlage hin. Aufgrund dieser und weiterer innerhalb und außerhalb des Ovals festgestellter Pfostenköpfe fertigte F. Rehbein eine Rekonstruktion als zweiteilige Burganlage an, die aber nur teilweise Zustimmung fand. Insbesondere die Zuordnung zu Hausgrundrissen erschien fraglich. Die Anlage wurde als Niedermotte gedeutet. Das heutige Bild von der Vöhrumer Wasserburg beruht auf den neuen Untersuchungen durch M. Geschwinde. Nach mehreren geomagnetischen Prospektionen zeigte sich auf einem Magnetogramm im Südteil der Burgstelle eine im Grundriß trapezförmige Kernburg mit umgebendem Graben (insg. mit Grabenumfassung ca. 45 m x 45 m, Trapez ca. 22 x 22/12 m), in welcher ein zentraler, rechteckiger Gebäudegrundriss festzustellen war. Die Öffnung des Rechtecks zu einer U-Form dürfte durch das Fehlen von geomagnetisch erfassbarem Steinmaterial in diesem Bereich zu erklären sein. Durch ein Luftbild bei Schnee im selben Jahr konnte neben der Kernburg auch die im Norden gelegene Vorburg im Grundriss erfasst werden. Insgesamt ergibt sich ein unregelmäßig-ovaler Gesamtgrundriss von etwa 100 x 70 - 90 m Innenmaß, der sich bereits 1979 durch die Pfostenköpfe angedeutet hatte, mit eingefügter Kernburg, die im Süden einen Wehr- und/oder Wohnturm aufweist. Eine rechteckige, etwas verwinkelte Struktur an der nach Vöhrum gerichteten Westseite der Kernburg ist als möglicher Hinweis auf eine Toranlage gewertet worden. Auf dieser Grundlage wurde im Herbst 2005 eine gezielte Sondagegrabung durchgeführt. Es zeigte sich, dass von dem Gebäude nur noch geringe Fundamentspuren in Form von Gesteinsresten vorhanden waren. Diese ließen auf einen rechteckigen Steinturm mit meterstarken Mauern schließen. Darunter wurde flächendeckend eine aufwendige Substruktion festgestellt, die angelegt worden ist, um der Bebauung Standfestigkeit auf dem moorigen Untergrund zu verleihen. Es handelt sich um ein System mächtiger, waagerecht verlegter und miteinander verzimmerter Eichenstämme, die eine feste Holzplattform ergaben, auf der mehrere Tonschichten aufgebracht und festgestampft worden waren, auch um eine Abdichtung gegen das Grundwasser zu erzielen. (Thomas Budde)

Arch-Untersuchung/Funde:

Nachdem sich im trockenen Sommer 1976 Pfostenköpfe in der Moorwiese im Bereich der Wasserburg zeigten, wurden diese durch F. Rehbein eingemessen. Bis 1979 wurden weitere Pfostenköpfe durch Suchschachtungen ermittelt, die zu einem vorläufigen ersten Gesamtbild führten. 2001, 2002 und 2005 wurden, nachdem Zweifel an dem Rekonstruktionsvorschlag F. Rehbeins aufgekommen waren, unter Leitung von M. Geschwinde eine neue Prospektionsmaßnahme mit Einsatz von Geomagnetik und Luftbildern sowie ein kleiner Grabungssuchschnitt durchgeführt. Als Ergebnis konnte eine zweiteilige Burganlage mit Haupt- und Kernburg ermittelt werden. Den Abschluss bildete eine gezielte Grabungssondage im Bereich der Kernburg, durch welche Aussagen über den Grundriss des Wehr-/Wohturms und die Substruktion der Burg getätigt werden konnten. Bei den Untersuchungen Ende der 1970er Jahre, in dem 2002 angelegten Suchschnitt sowie bei den Grabungen von 2005 wurden Keramik und einige Metall-Kleinfunde geborgen, die übereinstimmend in die Zeit um 1200 bis in das 13 Jh.datieren. Mittels dendrochronologischer Untersuchungen konnte die Errichtung der Wasserburg auf die die Zeit um 1180 festgelegt werden. Die Funde deuten an, dass die Burganlage wohl nur wenige Jahrzehnte bestanden hat. (Thomas Budde)