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Ahrenthal

Geschichte:

In der urkundlichen Überlieferung begegnet die Wasserburg Schloss Ahrenthal erstmals im Jahre 1331 unter dem Namen Bovendorf. Seit etwa 1350 findet sich in den Schriftquellen die Bezeichnung "Ahrenthal". Als Gründer der Burg Bovendorf (Ahrenthal) gilt der Ritter Rolman von Sinzig, ein Ministeriale des Erzstifts Köln. Als Gefolgsmann der Kölner Kirche erhielt Rolman von Sinzig als Lehen die Burg Dattenberg bei Linz. Mit kaiserlicher Genehmigung hatte Heinrich von Sinzig 1336 die Burg Bovendorf um eine Vorburg erweitert, die er dem Reichsoberhaupt zu Lehen auftrug. Als Mitbesitzer der Burg begegnet Heinrichs Bruder Salentin. Heinrichs Tochter brachte den Anteil ihres Vaters als Heiratsgut in ihre Ehe mit Otto Heinrich von Wiltberg, Herrn zu Arras ein, der 1427 mit seinem angeheirateten Verwandten Salentin und dessen Sohn Rolmann einen Burgfrieden schloss. Die Urkunde enthält wichtige Informationen zur Baugestalt der ursprünglich als fünfgeschossiger Wohnturm konzipierten Burganlage. Die Reichslehnrechte über die Vorburg gelangten mit der Pfandschaft über die Stadt Sinzig an den Erzbischof von Trier, der 1428 einen Lehnsbrief für Heinich von Ahrenthal ausstellte. Im 16. Jh. beanspruchte schließlich auch der Herzog von Jülich als Herr zu Sinzig Lehnsrechte über Ahrenthal. Nach dem Aussterben der Familie von Ahrenthal gelangt deren Anteil 1512 an die Herren von Wiltberg, die sich bis 1621 auf Ahrenthal nachweisen lassen. 1631 finden wir die Freiherren von Efferen als Herren zu Ahrenthal. Durch die Aufhebung der Lehnsbindung an Jülich wird Ahrenthal 1702 unmittelbares Reichslehen und gelangt schließlich an die 1712 in den Reichsgrafenstand erhobenen Freiherren von Meerscheidt genannt Hillesheim, die den Besitz bis 1785 innehatten. Durch Erbfolge gelangt der in der frühen Neuzeit umgestaltete Rittersitz Ahrenthal schließlich an die Grafen von Spee. Die ehrgeizigen Pläne des Reichsgrafen Wilhelm von Hillesheim, an der Stelle einer wohl renaissancezeitlichen Kastellanlage ein barockes dreiflügeliges Schloss zu errichten, wurden - mit Ausnahme der barocken Vorburg - nicht umgesetzt. Erst unter den Grafen von Sppe entstand 1890 ein neues historistisches Herrenhaus. Heute befindet sich das Schloss im Besitz des Grafen Domnik von Spee, der die Anlage einer kulturellen und gastronomischen Nutzung zugeführt hat. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zur Baugeschichte der mittelalterlichen Burg liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Als besonders aufschlussreich hinsichtlich der Bausgestalt der spätmittelalterlichen Wasserburg erweist sich ein 1427 geschlossener Burgfriedensvertrag, in dem von einem fünfgeschossigen Wohnturm die Rede ist. Die Vorburg war - wie die Hauptburg - von einem eigenen Wassergraben umgeben. Aus den Jahren 1436 sowie 1474-1481 liegen Nachrichten von baulichen Aktivitäten vor. An die Stelle des spätmittelalterlichen Wohnturms trat im 16. Jh. offenbar eine regelmäßige kastellartige Anlage mit vier runden Ecktürmen, die z. T. in die barocken Planungen zu Beginn des 18. Jh. miteinbezogen werden sollte. Über Grundriss und Baugestalt des Barockbaus sind wir aufgrund eines Planes und einer Zeichnung aus dem Jahr 1722 informiert. Als Architekt der barocken Anlage kommt der kurpfälzische Hofbaumeister Johann Adam Breunig (+1727) in Betracht. Von der großzügigen Schloss- und Gartenanlage wurde lediglich der Neubau der dreiflügeligen Vorburg ausgeführt. Erst 1890 trat das in historistischen Formen erbaute Hauptgebäude mit seinen zwei Ecktürmen hinzu. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Wertvolle Informationen zum Erscheindungsbild der spätmittelalterlichen Wasserburg bietet ein 1427 vereinbarter Burgfrieden. Die so genannte Oberburg bestand aus einem fünfgeschossigen Gebäude (Wohnturm) über einem Kellergeschoss. In den beiden obersten Stockwerken befand sich das Quartier der Burgwächter und der Kornspeicher. Ferner werden in der Urkunde der Gefangenenturm, ein Backhaus mit einem davor stehenden Türmchen sowie die Wassergräben erwähnt. Im 16. Jh. bestand die Hauptburg aus einer Dreiflügelanlage mit vier runden Ecktürmen. Zur Vorburg hin lag eine Maue. Die achsensymmetrisch konzpierte barocke Planung sah eine sich zur Vorburg hin öffnende dreiflügelige Anlage mit achteckigen Eckpavillons vor. Zur Ausführung gelangte nur die weitläufige Vorburg und quadratische Pavillons, die die barocke Gartenanlage begrenzen sollten. (Jens Friedhoff)