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Andernach

Geschichte:

Die Auftragung eines Anteils eines Andernacher Hofes als kurkölnisches Burglehen zu Andernach durch Robin von Kobern setzt die Existenz einer landesherrlichen Burg der Kölner Erzbischöfe voraus. 1298 berichten die Quellen von einem "castrum" zu Andernach. 1331 wird die Burg zu Andernach abermals erwähnt, als die Stadt Andernach sich mit dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg verbündet. Die landesherrliche Burg in Stadtrandlage, die dem Schutz der durch Andernach führenden Straße nach Koblenz dient, wird während der Erhebungen der Bürgerschaft Andernachs 1349, 1357 und 1365 von den Aufständischen eingenommen und beschädigt. Burg und Stadt Andernach verbleiben bis 1803 beim Erzstift Köln und bilden den Mittelpunkt eines eigenen Amtsbezirkes. Im Spätmittelalter zählt Andernach zu einer der "Hauptstädte" (Verwaltungszentren) des Kölner Kurstaates. 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört, geht die Burg 1815 an Preußen über. Heute befindet sich die Anlage in Landesbesitz (Burgen-Schlösser Altertümer; Rheinland-Pfalz). (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zum ältesten, noch erhaltenen Baubestand der Anlage zählt vermutlich das Mauerwerk des Wohnturms an der Nordwestecke der Burg, der in das späte 13. Jh. datiert wird. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die Anlage im Wesentlichen dem Wiederaufbau nach einer Revolte der Bürgerschaft um 1367 durch den Kölner Erzbischof Engelbert von der Mark. Aus dieser Zeit stammen die noch erhaltene stadtseitige Fassade des Wohngebäudes sowie die teilweise erhaltenen Ringmauern. Bei dem zweigeschossigen Wohnbau werden zwei Bauphasen (Nordteil 1. Drittel 14. Jh., Südteil Ende 14. Jh.) unterschieden. Etwa zur gleichen Zeit wird die an der Ostseite der Burg gelegene Doppeltoranlage der Burgpforte (später Koblenzer Tor) entstanden sein. Die Schriftquellen berichten 1466 und 1496 von baulichen Veränderungen, die sich vornehmlich auf die Brücke über den Graben zwischen Burg und Stadt beziehen. In der zweiten Hälfte des 15. Jhs. erhielt der Wohnturm ein auf einem Dreipassfries vorkragendes Obergeschoss mit polygonalen Eckwarten und Wurferkern. Das Sterngewölbe im ersten Obergeschoss des Turmes trägt im Schlussstein das Wappen des Kölner Erzbischofs Philipp II. von Daun (1508-1516). Unter dem Pontifikat seines Amtsnachfolgers, Hermann V. von Wied (1515-46) entstand an der Südwestecke der Hauptburg der mächtige runde Batterieturm. Nach der Zerstörung 1689 diente der noch erhaltene Wohnturm 1836 als Gefängnis und 1911 als Jugendherberge. An die Stelle der barocken Haube trat 1836 ein flaches Zeltdach. Der Batterieturm erhielt 1979-1981 ein Dach. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Von der über längsrechteckigem Grundriss errichteten kurkölnischen Stadtburg blieben im wWesentlichen der fünfgeschossige quadratische Wohnturm an der Nordwestecke, die stadtseitige Fassade des zweistöckigen Wohnbaus (Nordteil 1. Drittel 14. Jh., Südteil Ende 14. Jh.), die vormals als Zugbrücke konzipierte Brücke über den Graben zur Stadt, der viergeschossige Batterieturm (Pulverturm; Höhe 18 m) sowie Teile der Ringmauer und das östlich angrenzende Doppeltor (Burgtor; Koblenzer Tor) erhalten. Stadt und Burg werden durch einen 7 m breiten und 5 m tiefen Graben getrennt. Der zweimal vorkragende runde Batterieturm (1518-23) weist querrechteckige Schießscharten mit dahinterliegenden Geschützkammern auf. Ein Höchstmaß an Repräsentation bietet der mit spätgotischen Gewölben und aufwendigem Maßwerkfries versehene fünfgeschossige Wohnturm, dessen Obergeschoss durch Eckwarten und Wurferker betont wird. (Jens Friedhoff)