EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Pöhlde, Pfalz

Geschichte:

Der damals "Palithi" genannte Hof Pöhlde war wahrscheinlich alter Besitz der Liudolfinger, der mit dem Erwerb des Königstitels durch Heinrich I. Reichsgut wurde. Die Pfalz wurde erstmals 929 erwähnt, als. Heinrich I. den Hof seiner zweiten Frau Mathilde als Leibgedinge schenkte. Heinrich I. baute den Königshof zudem zur Pfalz aus. Zwischen 946 und 950 gründete seine Gemahlin Mathilde ein Chorherrenstift, das vor 983 in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Pöhlde gehörte somit zu den Orten, die in der Herrschaftskonzeption der Ottonen eine besondere Rolle als Memorialort spielten. Pöhlde war dazu eine der Lieblingspfalzen der Ottonen. Zwischen 957 und 1059 sind 27 oder 28 Königsaufenthalte bezeugt, davon 15 oder 16 zur Weihnachtszeit. 978 wurde der Kaiserin Theophanu, Gemahlin Ottos II., die Pfalz als Eigenbesitz übertragen. Nach einer Angabe von Thietmar von Merseburg ist die Pfalz 1017 durch Brand zerstört worden, aber offenbar wurde sie sofort wiederaufgebaut. 1059 endeten dann die Königsbesuche. Mit der zunehmenden Größe des Klosters schwindet die Bedeutung der Pfalz.
Die Pfalz war auch Schauplatz des Mordes an Ekkehard I. von Meißen durch Siegfried und Bernhard von Northeim sowie Heinrich und Udo von Katlenburg am 30. April 1002. Ein weiteres markantes Ereignis bildete der Tod des Grafen Thietmar aus dem Geschlecht der Billunger in einem gottesgerichtlichen Zweikampf 1048. Zudem wurde hier 1047 Bischof Poppo von Brixen zum Papst Damasius II. ernannt.
Friedrich Barbarossa tauschte Pöhlde 1158 zusammen mit den Burgen von Herzberg und Scharzfels bei Heinrich dem Löwen gegen Güter in Süddeutschland ein. Das 1129/30 in eine Prämonstratenserprobstei umgewandelte Kloster wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört. Der Konvent wurde nach Duderstadt verlegt, das Kloster 1533 bzw. vor 1575 säkularisiert und 1629 wurde der Konvent endgültig aufgelöst. Mit der Zerstörung der Klosteranlage im 30jährigen Krieg sind die letzten Reste der Pfalz verschwunden. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Der Ausbau des Königshofes zur Pfalz erfolgte unter Heinrich I. (919-936). Bei der Ausgrabung des Pfalzkomplexes konnten vier Ausbauphasen festgestellt werden. In die erste Phase gehören zwei kleinere Gebäude aus Trockenmauern in opus spicatum-Bauweise. Es folgten der große Saalbau und ein kleineres Gebäude, das einen möglicherweise schon in der ersten Phase errichteten Keller nutzte. Die dritte Phase bildet ein mehrfach unterteiltes, größeres Haus, der Saalbau bestand aber weiter. Die vierte Phase besteht aus einer Mauer, die vermutlich die Umfassungsmauer des Klosters war. Diese überlagert den Begrenzungsgraben der Pfalz, der laut der Keramik im 13./14. Jh. verfüllt wurde.
1223 brannten die Stiftsgebäude samt Kirche fast vollständig ab, ein Neubau wurde 1240 geweiht. Dabei wurde offenbar auch ein Verbindungsgang zwischen Pfalz und Kirche zugunsten eines Kreuzgangs aufgegeben. Die heutige Kirche wurde 1668 geweiht, der Turm 1768 erneuert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Der Gebäudekomplex der Pfalz ist im heutigen Pfarrgarten ergraben worden.
Bei den Ausgrabungen wurden die Fundamente von fünf Gebäuden vollständig und von einem weiteren teilweise erfasst. Nicht aufgefunden bei der Grabung, da wohl außerhalb des erforschten Areals, wurde der Vorburgbereich. Das herausragende Gebäude war ein 22 x 9,50 m großer Hallenbau aus 1,0 m starkem, vermörtelten Zweischalenmauerwerk mit einem kleinen Anbau im Südosten. Dabei könnte es sich um das Hauptgebäude der Pfalz handeln, das von den Zeitgenossen als palatium oder aula regia bezeichnet wurde. Älter als dieses ist die Nordostecke eines aus Trockenmauern in opus spicatum-Technik ausgeführten Gebäudes und ein weiterer Bau, der wie der Saalbau eine Ofenanlage aufweist. Ein weiteres, 7 x 11,50 m großes Gebäude ist wahrscheinlich zur selben Zeit wie der Saalbau errichtet worden. Ein letztes, 20 x 9,50 m großes Haus stößt wiederum an den Hallenbau an. Als Begrenzung des Pfalzbezirks diente wahrscheinlich ein Sohlgraben, der mit 4,50 m Breite und 2,75 m Tiefe nicht mächtig genug für eine Befestigung im eigentlichen Sinne war.
Die heutige Kirche steht mit ihren Grundmauern auf dem Mittelschiff der Klosterkirche. Die Seitenschiffe und der nördlich anschließende Kreuzgang sind ergraben worden. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

1964-74 Ausgrabung durch Martin Claus mit Keramik des 10.-16. Jhs.
2003 und 2005 geophysikalische Prospektionen.