EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Sterrenberg

Geschichte:

Oberhalb des schon im 10. Jh. nachweisbaren Ortes Kamp liegt Burg Sterrenberg, die ältere der beiden "Feindlichen Brüder", die zu den ältesten Burgen im Rheintal gehört. Als "castrum Sterrenberg" wird sie 1190 genannt, als Werner II. von Bolanden die Burg als eines seiner Reichslehen aufzählte. Jedoch deutet die älteste Bezeichnung für den Ort Bornhofen, nämlich "Burginhoven", bereits im Jahre 1110 darauf hin, dass im Tal die Burgsiedlung einer vielleicht schon vor 1100 bestehenden Reichsburg lag. Besonders im 13. Jh. war Bornhofen eine bedeutende Zollstelle. Im Jahre 1249 wurde Burg Sterrenberg durch den zum Gegenkönig gewählten Grafen Wilhelm von Holland teilweise zerstört. Bis um 1295 war sie weiterhin in der Hand der Reichsministerialenfamilie von Bolanden, dann kamen Teile als Reichspfandschaft an die Grafen von Katzenelnbogen bzw. von Sponheim-Dannenfels. Seit 1312/15 war sie teilweise, ab 1320 ganz als Bestandteil des Bopparder Reiches in der Hand von Erzbischof Balduin von Trier, während die Bolander nun die wenig höher gelegene Burg Liebenstein bewohnten. Sterrenberg war fortan mit Burgmannen besetzt; so ist 1322 die Zahl von 15 Burgmannen genannt. Zugleich war sie Sitz eines Burggrafen (so 1341-1352 Ritter Heinrich IV. Beyer von Boppard) und Verwaltungsmittelpunkt des kurtrierischen Amtes Sterrenberg/Hirzenach. Noch 1492 war sie kurtrierischer Amtssitz, wenngleich schon stark baulich vernachlässigt. 1568 wurde Sterrenberg als unbewohnt und verfallen bezeichnet. Die Ruine kam 1806 an Nassau, von dort 1866 an Preußen und 1946 an das Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Instandsetzungsarbeiten von 1968 bis 1978 veränderten das Bild der Anlage. (Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Der auf einem Felsklotz gelegene, von einer Mauer umgebene quadratische Hauptturm aus dem 12. Jh. zählt zu den ältesten noch erhaltenen Teilen der Burg. Er wurde 1974 zu seiner vermuteten Höhe aufgemauert, mit einem Zinnenkranz versehen und erhielt einen weißen Außenputz. Größere Teile der mittelalterlichen, wohl romanischen Putzflächen mit weißem Kalkanstrich ließen sich noch nachweisen. Zum romanischen Baubestand der Burg zählt ferner die innere der beiden Schildmauern, die den Bering gegen die Angriffsseite abriegelt. Die mittlerweile instandgesetzte und mit Zinnen versehene äußere Schildmauer entstand erst zu Beginn des 14. Jhs. vermutlich als Reaktion des Übergangs der gegenüberliegenden Burg Liebenstein in fremde Hände 1294/95. Zu den jüngsten Bauten innerhalb der Burgruine zählen die beiden - vermutlich im 15. Jh. errichteten -, sich an die Ringmauer anlehnenden Wohngebäude. Sie wurden 1968-71 und 1991-93 neu aufgebaut und dienen als Pächterwohnung bzw. als Gastronomiebetrieb. Auf der Felsspitze nordwestlich der Gaststätte entstand eine aussichtsreiche Gartenterrasse. 1568 wird die Burg Sterrenberg anläßlich einer Verschreibung an Philipp von Nassau für 6000 Gulden als "ein alt verfallen, unbewohnt Haus" bezeichnet. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Der älteste erhaltene Teil und Kern der Anlage ist ein quadratischer, bergfriedartiger Turm (8,30 m Seitenlänge), der auf dem höchsten Punkt des Sporns, einem ca. 10 m hohen, außen fast senkrecht abgearbeiteten Felssockel, aufragt. Außer dem 7 m hoch gelegenen Eingang weist der Turm als weitere Öffnungen Schieß- oder Lichtschlitze, den Ansatz eines hölzernen Wehrerkers sowie eine Abortanlage auf, die in einen Kanal an der Ostseite des Felsens führt. Der dreigeschossige Turm ist eng von einer eckigen, zwingerartigen Mauer umgeben, die sich ebenfalls noch auf dem Felssockel befindet. Dieser Teil der Burganlage stammt wohl aus dem späten 12. Jh. und vermittelt einen verhältnismäßig unverfälschten Eindruck einer stauferzeitlichen Burganlage am Rhein. Sollte hier bereits um 1100 oder vorher eine Burg bestanden haben, könnte man sie sich gut als Holzkonstruktion am gleichen Platz vorstellen. Bei der Restaurierung 1974 ist der Turm bis zu seiner anzunehmenden ursprünglichen Höhe (einschließlich Zinnenkranz) von 14,70 m aufgemauert worden. Gemäß der noch in Resten erhaltenen romanischen Putzfläche mit weißem Kalkanstrich wurde er außen verputzt und weiß angestrichen.
Den Felsklotz selbst umgibt ein verhältnismäßig weitläufiger mehreckiger Bering, der ehemals einen Wehrgang nebst Zinnen aufwies und dem meistenteils eine weitere Zwingermauer vorgelagert war. Der südlich gelegene, bergseitige Teil war als erste, innere, wohl stauferzeitliche Schildmauer (Länge 17 m, Höhe 12 m) ausgeführt (Hoher Mantel), von der nur der östliche Teil original erhalten ist. Sie war von ursprünglich 10 Zinnen bekrönt, die z. T. eine Schlitzschießscharte aufwiesen. Nach außen sicherten eine kleine, ehemals mit 8 Zinnen bewehrte Zwingermauer und ein noch erkennbarer Halsgraben die Burg. Innen lehnten sich Gebäude an die Mantelmauer an, die zudem durch Freilassungen einen Torturm andeuten. An der Nordostecke der Mantelmauer stand die Kapelle. Von der weiteren stauferzeitlichen Innenbebauung ist bis auf wenige Spuren, so ein Kamin, Wandnischen und Balkenlöcher in der Nordecke des Berings, nichts erhalten. Im Norden liegt ein Brunnen oder eine Zisterne. Die renovierten Öffnungen an der Westseite des Berings deuten einen weitgehend unhistorisch rekonstruierten Wohnbau (Palas ?) an, vielleicht waren es aber auch Zinnenöffnungen. Das an der Nordostseite des Berings gelegene, wohl auf einen älteren palasartigen Bau zurückgehende sogenannte "Frauenhaus", heute die Pächterwohnung, ist mit einem jüngeren, vorgesetzten runden Treppenturm ausgestattet. An der Nordwestecke der Rheinseite liegt ein in gotisierender Weise errichteter Neubau von 1973 (1995 erweitert). Beide Gebäude verwischen etwas den ansonsten beispielhaften Eindruck einer gut erhaltenen stauferzeitlichen Burganlage.
Vor der inneren, älteren Schildmauer liegt der Vorburgbereich (ca. 30 x 24 m). Dieser wird durch eine weitere, wohl aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammende Schildmauer abgeschlossen. Sie sicherte die seinerzeit zu Kurtrier gehörige Burg als weiteres Vorwerk ab, wobei sie zugleich gegen die nun "feindlich" besetzte, höher gelegene Burg Liebenstein drohte. Diese äußere, jüngere Schildmauer ("Streitmauer") ist selbst ein interessanter Baukörper und ein eigenes Befestigungswerk (Länge 21,70 m, Höhe 9,30 m). Die obere Wehrplattform war außen durch eine Zinnenreihe geschützt, eine besonders breite Zinne liegt über dem spitzbogigen Eingang. Dieser wird zusätzlich durch zwei Schießscharten gedeckt. Links oben findet man zwei Lichtschlitze sowie eine kleine Schießscharte, die hochgelegene Tür links außen könnte in einen hölzernen, vorkragenden Kampfstand geführt haben. Von innen sind zwei Zugänge erkennbar. Der südliche, rheinseitige Teil der Mauer zeigt an der Innenseite zudem drei Kamine, einen Wandschrank und Löcher zur Aufnahme von Deckenbalken, deutliche Merkmale, dass sich hier ein Wohngebäude der Besatzung befand (Burgmannenhaus ?). Als äußere Absicherung dienten ein vorgelagerter Zwinger sowie ein 6 m tiefer, rund 14 m breiter Halsgraben, über den man die Burg noch heute betritt. (Reinhard Friedrich)