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Berlepsch

Geschichte:

Bei Schloss Berlepsch handelt es sich um eine spätmittelalterliche Burggründung der niederadligen Herren von Berlepsch, die bereits Ende des 13. Jahrhunderts ihre Stammburg, Barlissen (Niedersachsen, Kreis Göttingen, Gemeinde Jühnde) verloren hatten. Daraufhin hielten sich die von Berlepsch zunächst auf der landgräflich-hessischen Lehnsburg Bischhoffshausen oberhalb von Bischhausen (Kreis Kassel, Gemeinde Witzenhausen) auf. Arnold aus der Sparrenlinie der Herren von Berlepsch (gest. 1372) ließ, unterstützt vom hessischen Landgrafen, Ende der 1360er Jahre die neue Burg zu Berlepsch errichten ("nuwe[s] Hus Berleybischin"). Die über dem inneren Burgtor befindliche Jahreszahl 1369 verweist vermutlich auf die Fertigstellung der Burg. In diesem Jahr erhielt Arnold von Berlepsch von seinem Lehnsherrn, Landgraf Heinrich II. von Hessen die Orte Hübenthal, Albshausen, Hermannrode und Grebenhain. Bereits in der nachfolgenden Generation erlosch die Sparren-Linie der von Berlepsch mit dem Tod von Arnolds Sohn Hans und Burg Berlepsch wurde 1391/92 von den Landgrafen von Hessen als heimgefallenes Lehen eingezogen. Thilo von Berlepsch aus der Sittich-Linie der Familie, der als Burgmann auf Burg Ziegenberg lebte, ergriff widerrechtlich Besitz von Burg Berlepsch, die Landgraf Hermann von Hessen um 1400 mit Waffengewalt wieder an sich brachte. Erst 1458 erhielt Sittich von Berlepsch das hessische Erbkämmereramt und 1461 im Tausch gegen die Burg Sensenstein (Kreis Kassel) die Burg Berlepsch. Seitdem befindet sich Berlepsch im Besitz der seit 1869 im Seniorat gräflichen Familie. Nach dem Ausbau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie der teilweisen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1631) wurde die Anlage Ende des 19. Jahrhundert als Stammsitz der Familie historistisch überformt. Hubertus von Berlepsch verwandelte das Schloss nach dem Zweiten Weltrkieg in ein Hotel mit Restaurant. 1980 wurde der Betrieb geschlossen Nach zeitweiser Nutzung als Sannyasinzentrum "Arvind" für die Anhänger der Bhagwan (1980-1982) wurde die Anlage schrittweise saniert und 2011 einer neuen Nutzung als Gastronomiebetrieb zugeführt. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Von der spätmittelalterlichen Gründungsanlage aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts haben sich im Wesentlichen die mit dem Westflügel identische Kemenate sowie Teile der Ringmauer mit dem Tor zur Kernburg erhalten. Wesentliche Erkenntnisse zur baulichen Entwicklung der bemerkenswerten Anlage können lediglich durch eine intensive Bauforschung sowie archivalische und archäologische Untersuchungen gewonnen werden. Weitere Teile der Burg gehen sehr wahrscheinlich auf den Ausbau um die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück, als die Burg erneut an die Sittich von Berlepsch gelangte. Hierzu zählt u. a. der dem Westflügel gegenüberliegende Ostflügel sowie die äußere Ringmauer mit mehreren halbrunden Rondellen und der Zwingeranlage zwischen dem ersten und dem zweiten Tor. Im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts erfolgten weitere bauliche Aktivitäten. Der polygonale Treppenturm im Binnenhof der dreiflügeligen Kernburg weist über dem Portal die Jahreszahl 1593 auf. Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ließ Hans Christoph von Berlepsch den Südflügel neu aufführen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage mehrfach von fremden Truppen besetzt und 1631 teilweise beschädigt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Park unterhalb des Schlosses angelegt. Graf Karl von Berlepsch ließ 1875 den Treppenturm erhöhen und die welsche Haube durch einen neugotischen Zinnenkranz ersetzen. 1885 entsteht der neue Ostflügel nach Plänen des Architekten Gustav Schönemark. Weitere Umbauten der Kernburg sowie im Vorburgbereich datieren in die Jahre 1893 bis 1896. Am westlichen Abhang des Schlosses wurde 1893 die einschiffige Backsteinkapelle errichtet. Hinter dem Chor der Kirche fanden die letzten fünf Generationen der Familie ihre Ruhestätte. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Das exponiert über dem Werratal gelegene Schloss Berlepsch nimmt eine steile vorgeschobene Bergkuppe ein. Vollständig verschwunden ist der an der Südseite befindliche Halsgraben. Man betritt die zweiteilige, aus Vor- und Hauptburg bestehende Anlage durch ein erstes Tor, an das sich ein schmaler Torzwinger anschließt. Das zweite Tor, flankiert durch einen runden und einen quadratischen Turm gewährt Zutritt zur Vorburg, an deren Nordseite sich ein historistisches Ökonomiegebäude befindet. Die dreiflügelige Hauptburg und die Vorburg werden durch eine äußere Ringmauer mit mehreren halbrunden Rondellen geschützt, die im Zuge des Um- und Ausbaus der Anlage um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden sind. Von der Gründungsanlage der späten 1360er Jahre blieb der mehrgeschossige Westflügel erhalten, der typologisch den Kemenaten zuzurechnen ist. Ein Bergfried fehlt. Der schmale Innenhof der Kernburg wird durch eine Mauer mit einfachem Tor geschlossen. Süd- und Ostflügel entstanden an der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert bzw. erst im Zuge der historistischen Überformung der Kernburg. Der polygonale Treppenturm datiert in das Jahr 1593 und erhielt 1875 einen neugotischen Abschluss mit Zinnen. Das Gesamtbild der Kernburg wird im Wesentlichen durch die historistische Umgestaltung bestimmt, die auch im Inneren des Schlosses ihre Spuren hinterlassen hat. Aufmerksamkeit verdient darüber hinaus die äußere Ringmauer mit den spätmittelalterlichen Rondellen. Zum Ensemble des Schlosses gehören der an der Westseite gelegene Landschaftspark aus dem beginnenden 19. Jahrhundert sowie die dort befindliche Kapelle von 1893. (Jens Friedhoff)