EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Gudensberg, Obernburg

Geschichte:

Die Burg in Gudensberg war Sitz der Grafen von Maden, die sich aber nach ihrem Wohnort "von Gudensberg" nannten. Der erste bekannte Inhaber des Titels war Giso IV., der 1121 den Titel eines "comes de Udenesberc" führte, aber schon im Folgejahr starb. Seine Tochter Hedwig heiratete den späteren thüringischen Landgrafen Heinrich Raspe II., der ab 1131 neben seinem Thüringer Landgrafentitel auch den eines Grafen von Gudensberg führte. Nach 1180 fungierte ein Vicecomes Giso als Statthalter Ludwigs III. in Hessen, 1227 wird er - oder ein anderer seines Namens - Vicecomes von Gudensberg genannt. Nach dem Aussterben des thüringischen Landgrafenhauses ging die Burg 1247 an Sophie von Brabant und danach an ihren Sohn Heinrich, den ersten Landgrafen von Hessen. Zeitweilig war sie an die Herzöge von Brauschweig-Lüneburg verpfändet. In dem andauernden Konflikt zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz wurde die Burg 1312 durch den mit Mainz verbündeten Grafen Heinrich von Waldeck erobert, kam aber wieder zurück an Hessen. 1387 wird in einem erneuten Mainzer Kriegszug die Obernburg durch Ekkebrecht von Grifte erfolgreich verteidigt, während die Stadt und die Wenigenburg in Flammen aufgingen. 1489 belehnt Landgraf Wilhelm Thimo von Wildungen mit zwei Burglehen. 1575/85 haben die von Grifte und von Wehren Burgsitze inne. Ab dem Beginn des 17. Jhs. verfällt die Burg. Trotz ihres ruinösen Zustands verschanzten sich im Siebenjährigen Krieg 1761 französische Soldaten auf der Burg und wurden von englischen Truppen beschossen. 1778 bestanden noch mehrere Gebäude, das endgültige Ende bildete erst die Zerstörung durch napoleonische Truppen 1806 und der Steinraub im 19. Jh. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Kettlitz nimmt eine dreiphasige Baugeschichte für die Burg an. Die erste Burganlage stammt nach ihm aus dem Beginn des 12. Jhs. Ein Vorgängerbau ist bislang archäologisch nicht nachgewiesen, einzelne Keramikscherben des 9./10. Jhs. deuten aber eine Besiedlung des Platzes an. Der hochmittelalterliche Gründungsbau bestand aus dem mit einer engen Ringmauer umgebenen Bergfried. Diese erste Befestigung ist möglicherweise noch in Teilen des Burgmannen- und des Amtssitzes enthalten. Um 1138 wurde die Burg erweitert und mit Palas, Torhaus und dem ersten Burgmannensitz ausgebaut. Wohl unter Landgraf Ludwig II. wurde der Burgmannensitz neu errichtet und eventuell auch die Ringmauer nach Westen erweitert.
Nach den Ausgrabungsergebnissen besaß der Burgmannensitz einen Vorgängerbau. Der Palas entstand demnach sehr wahrscheinlich später als das Torhaus. Im 15. und 16. Jh. fanden diverse Umbauten und Reparaturen statt, u. a. bekam der Palas einen neuen Giebel.
1850 wurde das Tor wiederaufgemauert und ergänzt. Zwischen 1950 und 1952 entstand der Turm neu und von 1985 bis 2005 wurden die Ring- und Zwingermauer wiederaufgebaut. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die langovale Burg von ca. 90 x 50 m Größe liegt auf einem steilen Basaltkegel. Die mehreckige Ringmauer folgt noch dem ursprünglichen Verlauf, ebenso entspricht die Lage des Tores aus dem 15./16. Jh. noch der originalen. In der Mitte steht der teilweise wiederaufgemauerte Stumpf des fast quadratischen Bergfrieds von 10,30 x 10,60 m Größe. Außerdem sind die Mauerreste von weiteren Gebäuden erkennbar. Ergraben wurde ein Torhaus beim Zugang im Norden und ein unmittelbar westlich anschließender Burgmannensitz. Im Nordwesten lehnte sich der Sitz des Amtmanns an die Ringmauer an. Die Kapelle ist durch Schriftquellen im Obergeschoss des Torhauses überliefert.
Eine Zeichnung der Burg durch Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1591 zeigt neben dem Bergfried den ca. 10,50 x 13,50 m großen Palas mit Treppengiebel und ein weiteres Gebäude in der Nordostecke, beide in der Art einer Randhausanlage. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bauarchäologische Untersuchungen und kleine Ausgrabung 2013/14.
Lesefunde von Keramik ab dem 9. Jh,. aber vor allem ab dem 12. Jh.