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Lahneck

Geschichte:

Burg Lahneck wurde vor 1244, nach neueren Erkenntnissen wahrscheinlich ab 1233, als nördlichste Burg des Mainzer Erzstiftes erbaut. Sie diente zur Sicherung des umfangreichen Mainzer Besitzes im Raum Lahnstein, darunter ein Silberbergwerk, das die Erzbischöfe seit Siegfried von Eppstein ab 1220 von Kaiser Friedrich II. zu Lehen trugen. Seit 1244 ist ein Burggraf Embricho von Lahneck nachweisbar, der die örtliche Amtsführung übernahm. 1292 wird auch die Mainzer Zollstelle von Boppard nach Lahnstein verlegt. Nach 1295 sind führende Adelsgeschlechter der Region (u. a. die Grafen von Sayn, Katzenelnbogen, Virneburg) unter den Burgmannen zu finden. 1334 ist ein Burgkaplan erwähnt. Die Kapelle wurde 1245 errichtet. Nach 1436 oder 1464 wurde die Burg stärker befestigt und der äußere Bering errichtet. 1546 war die Burgmannschaft bereits deutlich reduziert. Im 30-jährigen Krieg 1635 und nochmals 1662 verwüstet, diente die Burg fortan als Steinbruch. Im Zuge der Romantik wurde die Ruine, nachdem sie 1854 der englische Eisenbahnunternehmer Edward Morartry von der Familie Lassaulx erworben hatte, im Stile der englischen Neugotik wieder aufgebaut. Nach verschiedenen Besitzerwechseln kaufte Admiral Mischke 1907 die Burg, seit 1946 befindet sie sich in der Hand der Erbengemeinschaft Mischke/von Preuschen. (Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die nahezu rechteckige Kernburg mit der im Süden gelegenen Schildmauer stammt ebenso wie der in der Mitte der Schildmauer gelegene fünfeckige Bergfried aus dem 13. Jh., während die mit Rundtürmen bewehrte Zwingeranlage im Süden und Osten der Burg nach der Einnahme von Lahneck 1462 errichtet wurden. 1633 und 1662 verwüstet, 1688 von den Franzosen in Brand gesteckt, wurden die Ruinen ab 1854 im Stil der englischen Neugotik wiederhergestellt. An die Stelle des neugotischen Zinnenkranzes traten 1937 steile Dächer. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die ungefähr rechteckige, weitgehend symmetrische Kernburg umschließt mit ihren vier Flügeln den Innenhof. An der gefährdeten südlichen Angriffsseite wurde eine ca. 3,5 m starke Schildmauer mit runden Ecktürmen errichtet. In ihrer Mitte erhebt sich der fünfeckige, mit der Spitze durch die Schildmauer stoßende Bergfried mit Verlies und vier gewölbten Geschossen, die durch eine in der Mauer liegende Wendeltreppe miteinander verbunden sind. Ihn krönte einstmals eine zinnenbesetzte Wehrplattform mit Walmdach und Eckwarten, die Merian 1646 abbildete. Dem Bergfried gegenüber, an der zum Tal gewandten Nordseite des Burghofes, steht der in gotischer Zeit gewölbte Palas, der ab 1854 auf altem Grundriss größtenteils neu errichtet wurde. Westlich schließt den Burghof ein von Türmchen flankierter Torbau mit Brücke ab. Ihm gegenüber erhebt sich an der Ostseite die 1245 errichtete, 1332 erwähnte, und bis 1862 wiederaufgebaute Burgkapelle (15 m lang, 8,16 m breit). Der mit 5 Maßwerkfenstern ausgestattete Chorbereich springt nach Osten aus der Mauer vor. Die Kernburg war von einem inneren, ca. 8 m breiten Trockengraben umschlossen.
Wohl im 15. Jh., zur Zeit der Feuerwaffen, dürfte der äußere Bering an der Süd- und Westseite entstanden sein. Er besaß vier Rundtürme sowie einen Torturm und wies im Süden eine schildmauerartige Verstärkung mit abgeböschtem Unterbau auf, der ein 15 m breiter Halsgraben vorgelagert war. Im Westen deckte den Zugang ein weiterer, äußerer Zwinger. Während die Burg Mitte des 19. Jhs. im Stil der Neugotik mit Flachdächern ausgestattet worden war, wurden 1937 wieder hohe Dächer auf die Gebäude gesetzt.(Reinhard Friedrich)