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Sauerburg

Geschichte:

Als Gründer der spätmittelalterlichen Sauerburg, die sich gegen die im Einflussbereich des erzbischöflich mainzischen Territoriums gelegene Ganerbenburg Waldeck richtet, gelten die Pfalzgrafen. Im Jahr 1355 erteilte der Mainzer Erzbischof den Pfalzgrafen die Genehmigung zum Bau der Landesburg nahe der Grenze zum kurmainzischen Rheingau. Insbesonderer richtete sie sich gegen die nur wenig entfernt jenseits der Grenze gelegenen, unter kurmainzischen Einfluss geratenen Burg Waldeck. Pfalzgraf Philipp verkaufte 1505 die Burg und den Ort an die Herren von Kronberg. Als kurpfälzisches Erblehen wechselte die kleine Herrschaft mehrfach den Besitzer; sie kam 1618 an die Brömser von Rüdesheim, 1668 an die von Metternich-Winneburg und schon 1672 an die Freiherrn von Sickingen. 1689 wurde die bereits im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigte Burg schließlich von den Franzosen zerstört. 1904 erwarb der Legationsrat Dr. J. v. Loehr die Burg und ließ sie 1909-1912 durch den Architekturprofessor von Loehr zu Wohnzwecken teilweise ausbauen. 2004 ging die Sauerburg in den Besitz von Kurt Steinhausen über, der gemeinsam mit der Schweizer Investorengruppe der Vieso AG, Zürich die sanierte Anlage zu einem Hotelbetrieb umgestaltete. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Untersuchungen zur Baugeschichte der Sauerburg stehen noch aus. Dem Gründungsbau aus der Mitte des 14. Jhs. dürften sehr wahrscheinlich der an die Angriffsseite gestellte quadratische Bergfried (Frontturm), Ringmauer und Wohngebäude in der Kernburg angehören. Die Datierung der die beiden Vorhöfe umgebenden, mit Schießscharten versehenen Mauern des Zwingers ist unsicher. Denkbar wären das 14. und 15. Jh.. Das dem Bergfried vorgelegte hufeisenförmige Rondell entstammt sehr wahrscheinlich dem nachmittelalterlichen Ausbau der Burg im 16. Jh., während die Bastion an der Südecke der Burg in das 17. Jh. datiert. Im Bereich der Kernburg entstand 1909-1912 ein Wohnhaus. Erneuert wurden ferner die beiden runden Eckwarten an der Südostseite der Ringmauer. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die Kernburg ist von einem trapezförmigem Bering umschlossen. In seine nördliche Angriffsseite ist der 32 m hohe, beherrschende, quadratischen Hauptturm eingestellt. Der heute geborstene, 2004 sanierte Turm (Grundfläche 10 x 10,5 m) hatte über einem Verlies sechs Stockwerke bis zur Wehrplatte, weist an der SW-Seite in Wehrganghöhe einen Eingang auf und ist innen mit Kaminen ausgestattet. An der Nordostseite der Kernburg stand an der Stelle des heutigen Wohnbaus der ehemalige, dreistöckige Palas. An der W-Seite befand sich ein zweites, heute verschwundenes Wohngebäude. Die Südostseite wird durch eine hohe, schildmauerartige Ringmauer mit zwei runden, auf Rundbogenfries vorkragenden Ecktürmchen gegen die Unterburg gesichert. Innen verlief ein Wehrgang, das mittige Tor war durch einen Wehrerker gesichert.
Der Kernburg südlich vorgelagert ist die ungefähr rechteckige Unterburg (erste Vorburg), die ebenfalls von einer gut erhaltenen Ringmauer umgeben ist. Die talseitige Mauer weist neun Rundbogenblenden mit je einer Schießscharte auf, neben dem Tordurchlass befindet sich der Eingang zu der an der Ostecke gelegenen Kapelle. Die östlich vorgelagerte zweite Vorburg hat eine dreieckige Form und ist wohl jünger. In ihrer Westecke erhob sich das "Haus des Pfaffen", im übrigen Teil standen wohl Wirtschaftsgebäude. Ihr vorgelagert ist ein Zwinger. Im 16. und 17. Jh. wurde das Vorgelände der Burg durch eine Bastion im Südwesten und ein Geschützrondell im Norden verstärkt. Als Besonderheit ist die Burg ganz von einem teils gemauerten, teils aus dem Felsen geschroteten Graben umgeben. Zahlreiche architektonische Bruchstücke aus Sandstein stammen wahrscheinlich von dem 1687 begonnenen und im nächsten Jahr eingestellten Bau des Querflügels am Mainzer Schloss und dürften um 1750 hierher verbracht worden sein. (Reinhard Friedrich)