EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Schmida

Geschichte:

Am Unterlauf der Schmida bestand seit dem 9. Jh. Besitz der Klöster Niederaltaich und Kremsmünster, später - bis 1716 - der Klöster Göttweig und Passau. Die Verwaltung verschiedener Güter ist temporär dem Landesfürsten und an Gefolgsleute vergeben. Um 1140 erscheinen "Guntherus" und "Hartmut de Smida". 1259 ist mit "Chunradus de Smida" der erste Genannte urk. belegt, der gesichert der rittermäßigen Familie dieses Namens zugeordnet werden kann. 1289 erscheint Ulrich v. Schmida, der in den 90er Jahren wiederholt mit seinem Vater Hartmut in Urkunden auftritt. 1298-1320 sind die Brüder Heinrich und Dietmar, Söhne des Dietrich v. S. urk. belegt. Im frühen 14. Jh. kommt es in der Familie zu einer Namensänderung auf Schmidacher/Smidacharius, so im Urbar der Pfarre Hausleite-St. Agatha. In diesem Zusammenhang wird erstmals eine Burgkapelle zu Schmida erwähnt, für deren Betreuung durch die Pfarre Seelgerätstiftungen getätigt werden. Aus diesen Aufzeichnungen lässt sich auch ein mutmaßlicher Besitzwechsel erschließen, denn für 1327 ist eine Messstiftung für die Burgkapelle eines "Leo de Smida" aus dem Geschlecht der verwandten Grafenwörther belegt, der sich dabei auf Stiftungen von Vorfahren beruft. Seine Söhne Nikolaus und Heinrich tragen wieder typische Namen der Schmidacher, was die engen Beziehungen der beiden Familien unterstreicht. Die im Laufe des 14. Jhs. genannten Schmidacher treten in weiterer Folge herrschaftsbildend in der näheren Umgebung, aber auch im nördlichen Weinviertel auf. Noch 1399 erscheint ein "Jacobus Smidacher de Sancta Agatha" in den Matrikeln der Wiener Universität. Besitznachfolger der örtlichen Herrschaft sind noch im 14. Jh. die Stockhorner, später die Kling und Ro(h)r. Bis 1480 sind die Dossen hier nachweisbar. Ab 1483 folgen die Gfn. v. Hardegg, die schließlich 1716 in den Eigenbesitz der Herrschaft gelangen. Der Bau wird 1485 von den Ungarn, 1529 von den Türken zerstört. Um 1548 wird der ältere, zumindest seit dem 14. Jh. nachweisbare Bau, umgebaut. Weitere Ausgestaltungen sind 1595-1600 sowie 1709-1719 nachweisbar. Für die barocke Kapelle ist ein Weihedatum von 1724 überliefert. 1945 wird das Schloss von den Besatzungstruppen geplündert. Seit 1983 im Eigentum von Georg Stradiot, ist der Bau Sitz der Forst- und Gutsverwaltung.
(G.R., T.K..)

Bauentwicklung:

Der überkommene Bau präsentiert sich als reizvolles Barockschloss, dessen Erscheinungsbild dem Umbau unter Johann Julius Gf. v. Hardegg ab 1709 entstammt. Bereits für 1548 sind Renaissanceumbauten durch den kaisl. Baumeister Francesco de Pozzo nachweisbar, 1595/1600 fanden weitere Erneuerungen statt. Durch diese Bautätigkeiten ist die mittelalterliche Burg, deren Kapelle 1313 urk. erstmals genannt wurde, zur Gänze verschwunden.

Baubeschreibung:

Durch die mglw. schrittweise Erneuerung und die integrierten Bauteile des 16. Jhs. lässt der 2-gesch. 4-Flügelbau eine durchgängige Regelmäßigkeit vermissen, ein Umstand, der auf der Planaufnahme von Klaar deutlich erkennbar ist. Die äußere O-Front erreicht eine Länge von 38 m, die W-Front dagegen nur 34 m, von 26 m im N verbreitert sich die Anlage südl. auf 33 m, ein Resultat der Schrägstellung des W- und S-Traktes. Der verlängerte O-Trakt springt gegenüber der S-Front risalitartig vor. Nach Dehio geht der N-Trakt mit der (späteren) Toreinfahrt auf das 16. Jh. zurück, wobei eine im SO des Traktes angelegte Spindeltreppe naheliegend mit den Bautätigkeiten von 1548 in Verbindung zu bringen ist.
Der ehem. Graben wurde nach Dehio 1975 zugeschüttet, eine Aussage, die durch ältere Fotografien bestätigt erscheint, die bemerkenswerterweise aber nicht mehr den heutigen Tatsachen entspricht. Der heutige Bau wird mit Ausnahme der N- bzw. Zugangsseite von einem breiten Graben umgeben, das Schloss selbst sitzt auf schwach geböschten, mit einem Kordongesims abgeschlossenen Substruktionen, welche bis zur Sohle des Grabens reichen. Eine gleichartige Substruktion ist an der im W des Schlosses vorgelagerten Terrasse festzustellen. Das verputzlose, unrestaurierte Mauerwerk des Sockels zeigt Ansätze mehrerer ablaufender Stützpfeiler (oder Quermauern?) und schließt wie im O mit einem Kordongesims. Die Situation ließe an eine ehem. größere, mglw. auch nur geplante Ausdehnung des Baues Richtung W denken, was u. U. auch einen weiteren Risalit an der SW-Ecke mit symmetrischer Ausführung der S-Seite beinhalten würde. Ein weiteres Indiz ist vielleicht mit der geringeren Tiefe des W-Traktes vorhanden.
Die barocke Umgestaltung hinterließ eine durchgehend einheitliche Fassadendekoration, die sich hauptsächlich auf die regelmäßig angelegten Fensterachsen bezieht. Der mglw. weitgehend dieser Bauphase zuzuweisende O-Trakt ist zentral durch einen 2-achsigen Mittelrisalit gegliedert, im N des Traktes liegt die wohl 1719 begonnene und 1724 dem Hl. Nikolaus geweihte, 2-gesch. Kapelle. Der in seiner Form den äußeren Fronten folgende Innenhof besitzt im Obergeschoß einen umlaufenden, schmiedeeisernen Laufgang, der als Basis profilierte Steinkonsolen (einer älteren Anlage?) nutzt. Als Schutz des Ganges dient die stark vorgezogene, gekehlte Traufzone der Trakte.
Der offenbar wiederhergestellte Graben ist Teil einer gepflegten Gartenanlage. Die Grabenanlagen gehen wohl auf die mittelalterliche Situation zurück und sind mit Sicherheit als wasserführend zu rekonstruieren. Zur Speisung konnte vermutl. der Stranzendorfer Bach herangezogen werden, der von N kommend in den westl. Graben eintritt und die Anlagen im SO verlässt. Von SW läuft eine Allee auf das Schloss zu, nach Dehio ist sie – offensichtlich der Rest – von ehem. 3 sternförmig angelegten Anlagen und somit auch eines größeren Parkgeländes. Ein ausgedehntes Meierhofareal mit Bebauungen des 18./19. Jhs. liegt gegenüber der Straße im NW des Schlosses.
(G.R.)