EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Györ (Raab)

Geschichte:

König Stefan der Heilige (997-1038), der Begründer des mittelalterlichen ungarischen Staates ließ auf dem heutigen Kapitelhügel - innerhalb der auf den Ruinen der antiken Arrabona erbauten, näher unbekannten, zeitgleichen Komitatsburg - im ersten Jahrzehnt seiner Regierung einen Bischofssitz errichten. Hier entstand die Kathedrale und daneben der Bischofspalast, umgeben mit einem gemeinsamen Befestugungsgürtel. Dieses Ensamble besaß bis zum 16. Jh. immer der jewieilige Bischhof von Györ. Die Burg wurde mehrmals belagert, einerseits von den miteinander rivalisierenden Parteien während der inneren Kämpfe, anderseit von den in das Land eingedrungenen deutschen Herrschern. Auch die Mongolen haben sie 1241 eingenommen. Nach der Schlacht bei Mohács (1526) stellte die Habsburgische Militärführung einen Kapitän an die Spitze der als Vorbefestigung von Wien zur Festung ausgbaute Anlage, der zugleich der Oberhauptmann des Györer (Raaber) Grenzgebietes war. Theoretisch blieb zwar weiterhin der Bischof der Besitzer der Burg bzw. Festung, aber ohne die Möglichkeit, hier seine Macht wirklich ausüben zu können. Zwischen 1594 und 1598 stand Györ unter osmanischer Oberhoheit, dann wurde die Fesatung von den christlichen Heeren zurückerobert. Ende des 17. Jhs, nach der Befreiung des Landes verließ die Militär die Anlage. 1809 nahm Napoleon die Festung ein, ihre Basteien wurden gesprengt und abgetragen, Györ verlier ihre militärische Bedeutung. Nach den Türkenkriegen kam der Bischofspalast wieder in kirchlichen Besitz und dient auch heute als Sitz des Györer Bischofs. (G.T.)

Bauentwicklung:

Man rechnet damit, dass unter Stefan dem Heiligen (997-1038) auf dem Kapitelhügel nicht nur die erste Kathedrale, sondern auch ein bischöflicher Wohnbau sowie vielleicht noch eine dazu gehörende Befestigung entstand. Im Wiinter 1241/42 wurde so die Síedlung, wie auch die Burg durch die Mongolen zerstört. Früher nahm man an, dass Bischof Omode um 1250-60 einen wohnturmartigen Bau errichten ließ, dessen erhaltengebliebene Details aber neuerdings schon auf das 14. Jh. datiert wurden. Auch der quadratische Torturm entstand zu dieser Zeit, unter dem Bischof Kálmán (Koloman) (1337-1375). Um 1400 wurde der Bischofstpalast durch einen 14 m breiten und 6 m tiefen trockenen Graben von den anderen Gebieten der Burg abgetrennt, bald entstanden aber auch hier neue Bauteile, u.a. die spätgotische Palastkapelle. Ihre Erbauer, Bischof Orban Doczi (Nagylucsei) (1481-1486) ließ den Palast mit weiteren repräsentativen neuen Bauteilen erweitern, ihm ist auch die Fassadenbemalung des Torturmes zu verdanken. Nach den osmanischen Zerstörungen 1529 begann man mit großangelegten Bauarbeiten. Zuerst wurde nur die eigentliche Bischofsburg befestigt, 1555 entschloss man sich aber für den Ausbau der ganzen Stadt zu einer modernen, dem sog. italianischen System entsprechenden großen Festung. Die sog. Kastély-Bastion um die Bischofsburg herum wurde 1575 fertiggebaut. Vor der nächsten osmanischen Belagerung 1594 stand schon der Befestigungsgürtel, aber weder die Vorwerke, noch die Brüstungen auf den Mauerkronen wurden fertiggebaut. Die Bauarbeiten dauerten dann während des ganzen 17. Jhs. Die letzte Innstandsetzung der Festung erfolgte 1809, als sich hier die Habsburgische Armee verteidigen wollte. Die Franzosen haben aber die Stadt erobert und vor ihrem Rückzug im Oktober ließen die Basteien sprengen. Das bedeutete das Ende die Militärgeschichte von Györ, die meisten Festungsmauern wurden von der Bevölkerung abgetragen und die Gräben zugeschüttet. (G.T.)

Baubeschreibung:

In der dicht bebauten NW-Ecke der Altstadt von Györ, innerhalb der riesigen Kasely-Bastei des 16. Jhs. befinden sich die mittelalterliche Teile der Bischofsburg,im heutigen Bischofspalast, gegenüber der Kathedrale. Besonders auffallend ist der Torturm mit seiner gotischen Fassadenbemalung und die Palastkapelle daneben. So in der Ost- wie in der Nordfassade des heutigen, L- fömigen Palastes findet man gotische Fenster. Die mittelalterliche Außenbefestigung ist schon kaum mehr vorhanden. (G.T.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Eine umfangreiche archäologische Untersuchung fand bisher in der Burg nicht statt. Es ergab sich aus der Natur der städtischen Ausgrabungen, dass die meisten Beobachtungen aus anläßlich der verschiedenen Bauarbeiten durchgeführten Fundrettungen, aus kleinen Schnitten und Sonden stammen (P. Tomka). Auch die letzte Sanierung des Bischofspalastes ermöglichte eine begrenzte Bauforschung in den mittelalterlichen Bauteilen (Cs. László). Als Funde sind neben der Bauskulptur vor allem Kachelkeramik, einheimische und österreichische Töpfe, sowie reichverzierte Bronzegegenstände aus dem 13. Jh. zu erwähnen. (G.T.)