EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Esztergom

Geschichte:

An der Stelle von urzeitlichen und römischen Befestigungen -wahrscheinlich auf der Nordseite des Berges - ließ im Mittelalter zuerst Großfürst Géza am Ende des 10. Jhs. einen Palast und eine Kirche errichten. Die frühesten Palastbauten und die kaum bekannten Befestigungen auf der Südseite sollten aus der Zeit seines Sohnes, Stefan des Heiligen (997-1038) stammen. Diese letzteren, mehrmals umgebauten und erweiterten Bauten dienten dann etwa 250 Jahre lang als eine der Hauptresidenzen der Könige Ungarns. In der Mittel des Bergplateaus entstand auch schon im 11. Jh. die Hl. Adalbert-Kathedrale mit weiteren Bauten des Erzbistums Esztergom. So die nördlichen, wie auch die südlichen königlichen Bauten wurden vom König Emmerich bzw. Béla IV., zuerst 1198, dann endgültig 1249 und 1256 dem Erzbischof verschenkt. Dadurch kam der ganze Berg in kirchlichen Besitz und blieb - mit einer Unterbrechung in der Zeit der Türkenkriege - bis 1948., als gewisse Teile verstaatlicht wurden. Nach 1541 galt Esztergom als Grenzfestung, die Osmanen haben die Burg zuerst 1543 erobert, so galt sie bis 1595 und dann von 1605 bis 1683 als eine ihrer nordwestlichsten Vorposten. Während dieser Zeit flüchtete der Erzbischof nach Tirnau (Trnava, heute Slowakei), er hatte aber seine Besitzrechte aufrechterhalten. Anfang des 18. Jhs. hatte die Burg ihre militärische Bedeutung verloren. Durch die Bauarbeiten der klassizistischen Kathedrale sind dann die meisten ihrer mittelalterlichen Details - so auch die Ruinen der mittelalterlichen Kathedrale - zerstört bzw. verschwunden. (G.T.)

Bauentwicklung:

Die Form der frühesten Bauten so auf der Nord-, wie auch auf der Südseite des Burgberges ist für uns - wegen der späteren Umbau- und der neuzeitlichen Abbrucharbeiten - kaum näher bekannt. Die ersten, relativ gut bekannten Bauten auf der Südseite stammen aus der Regierungszeit des Königs Béla III. (1172-1196). Der nördliche Wohn-, und der sich anknüpfende westliche Saalbau stammen aus den 1180-er Jahren, der südliche Wohnturm und die frühgotische Kapelle daneben wurden erst nach 1190 errichtet. Erzbischof Csanád Telegdi (1330-1349) ließ die Verteidigungsmauern verbessern und mehrere neue Türme erbauen. Das Palastensemble wurde dann im 15. Jh. gründlich umgebaut, unter den Erzbischöfen Dénes Szécsi, János Vitéz und Hippolit de Este entstand der neue, viel größere Saalbau, sowie weitere Wohnbauten, ein Bad und ein Hängegarten - meist mit spätgotischen, am Ende schon aber mit Renaissance-Stilelementen. In der Zeit der Türkenkriege wurden die strategisch wichtigsten Eckpunkte der Burg mit Rondellen und Batterien verstärkt, die Hofteile wurden zugeschüttet, in vielen Räumlichkeiten entstanden Kasematten. Im 18. Jh. wurde der Saalbau zur Kaserne umgebaut, in der Mitte der Burg eine barocke Kirche errichtet. Als Vorbereitung für den Bau der neuen Kathedrale wurden Anfang des 19. Jhs. die früheren Gebäude im Norden vollständig, im Süden teilweise abgetragen und auch die östlichen Burgmauern fielen zum Opfer der neuen, großzügigen Baupläne. Von den mittleren Teilen hatte man eine 8-10 Meter dicke Erdmasse wegplaniert, um den für den neuen Kirchenbau Platz zu schaffen. Aus dieser Zeit stammt auch die östliche künstliche Rampe. (G.T.)

Baubeschreibung:

Auf dem einst dreieckigen Bergplateau sind im Westen, Nordosten, sowie im Süden die mittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Befestigungen – darunter die äußere Toranlage und das Nordrondell – erhalten geblieben. Bedeutende Bauteile stehen noch aus dem zuerst 1938, dann um 1970 und zuletzt 2000 wiederhergestellten südlichen Palastbauten: so der untere Teil des Wohnturmes, die Palastkapelle und weitere, auch mit reichen spätromanischen-frühgotischen Bauelementen verzierten Räumlichkeiten, die Reste des Saalbaues und des nördlichen Wohnbaus, sowie bedeutende Teile der spätgotischen und Renaissance-Erweiterungen (Bad, Küche, Freitreppe, etc.). Die Nordseite der mittelalterlichen Burg ist noch kaum bekannt (G.T.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die ersten archäologischen Grabungen fanden hier zwischen 1934 und 1938 statt und brachten bedeutende Reste des südlichen Königspalastes ans Tageslicht (K. Lux, A. Lepold, D. Várnai). Sie wurden 1964-1969 fortgesetzt und zielten vor allem das Kennerlernen der Frühphasen und die Baugeschichte (E. Nagy). Bis 1996 wurde sie dann fast kontinuerlich weitergeführt (I. Horváth), aber ihre Ergebnisse sind meist noch unpubliziert. Das bekannte Fundmaterial erstreckt sich auf alle Gebiete des mittelalterlichen Alltagslebens und enthält auch künstlerisch wichtige Objekte. (G.T.)