Geschichte:
Die Gründung der Burg Großvernich geht wahrscheinlich auf den Ritter Johannes Brent von Vernich zurück, dessen Sohn Reinhard die Burg von den Grafen zu Wied als Lehen erhielt. Unter Reinhard ist das Anwesen 1367 erstmals urkundlich nachweisbar. 1370 belagern Truppen der Stadt Köln die Burg. Goswin von Brent erwarb 1419 von Friedrich von Tomberg alle Rechte an Großvernich und machte es zu einer jülichschen Unterherrschaft. Während eines erneuten Konfliktes mit der Stadt Köln, kam es 1460 zu erheblichen Beschädigungen der Befestigungsanlagen, so dass ein teilweiser Neubau notwendig wurde. Darüber hinaus musste die Burg als Kölner Offenhaus dienen. Nachdem Sophia von Brent 1533 Burg Großvernich übernommen hatte, kam es unter den Kindern ihrer zwei Gatten zu Erbstreitigkeiten, die 1541 zugunsten von Daem von Orsbeck entschieden wurden. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts blieb Großvernich im Besitz der Familie von Orsbeck. Als Johann Hugo von Orsbeck, der 1676 zum Erzbischof von Trier ernannt wurde, 1711 kinderlos verstarb, ging Großvernich als Erbe an seinen Schwager Wolf Ernst Schenk von Schmidburg, dessen Sohn Adolf das Anwesen bereits 1716 an Karl-Kaspar Hugo von Metternich zu Müllenark verkaufte. Nach 1754 kam es zu erneuten Erbauseinandersetzungen um die inzwischen nicht mehr bewohnte Burg, die erst 1820 vom preußischen Gerichtshof gelöst werden konnten. Der neue Eigentümer Freiherr Sigismund von Roth verkaufte das Gut mit den ruinösen Gebäuden schließlich 1856, das kurz darauf parzelliert wurde. (Hans-Jürgen Greggersen)
Bauentwicklung:
Über die bauliche Entwicklung der mittelalterlichen Anlage liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die gegen Mitte des 14. Jahrhunderts gegründete Burganlage musste nach umfangreichen Beschädigungen 1460 offenbar in großen Bereichen neu errichtet werden. Dieser Bauperiode gehörte vermutlich die um das Haupthaus geführte Zwingermauer mit mindestens zwei Ecktürmen und dem hohen Torturm an. In späterer Zeit erhielt das Haupthaus mehrere Fachwerkanbauten. Im späten 17. Jahrhundert erfolgte eine Erneuerung der Vorburggebäude. Wann die Burganlage schließlich aufgegeben wurde, ist ungeklärt, jedoch wird angenommen, dass die Hauptburg schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt war. (Hans-Jürgen Greggersen)
Baubeschreibung:
Von den Gebäuden der einstigen zweiteiligen Burganlage hat sich neben den trockengefallenen Wassergräben und einigen Mauerresten vor allem die Ruine des Torturms erhalten. Vor- und Hauptburg waren ursprünglich von einem weitverzweigten System von Wassergräben und Teichen umgeben. Das spätmittelalterliche Herrenhaus lag auf einer rechteckigen Insel, die von starken Wehrmauern mit mindestens zwei runden Ecktürmen geschützt wurde. Der Zugang erfolgte über eine Zugbrücke, welche in einem viergeschossigen Torturm mündete. Gleich dahinter schloss sich das Herrenhaus an den Torbau an. Seine drei aufgehenden Geschosse waren sehr ungewöhnlich für die üblicherweise zweigeschossigen rheinischen Wasserburgen. Auf älteren Zeichnungen sind Eckwarten am Gebäude zu erkennen, die mit einem Wehrgang verbunden waren. Ein hohes Walmdach deckte das Haupthaus. Von der im Norden gelegenen, dreiflügeligen Vorburg hat sich nichts erhalten. (Hans-Jürgen Greggersen)