EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Dyck

Geschichte:

Ein "Hermannus de Dicco" wird schon Ende des 11. Jahrhunderts (1099?) genannt. Die Herren von Dyck werden im 12. und 13. Jahrhundert mehrfach erwähnt. 1268 nennt sich Ludolf dominus de Dicka. Dyck war trotz der Lage zwischen den Herzogtümern Jülich, Geldern und Kurköln eigenständig und bildete eine reichsunmittelbare Herrschaft. Im Jahr 1349 trug Conrad von der Dyck seine Burg dem Grafen Reinald von Geldern zu Lehen auf, was seine Macht jedoch nicht schmälerte. Im Jahr 1383 beschuldigten Erzbischof Friedrich III. von Köln und Herzog Wilhelm von Jülich und Geldern mit den Herren und Städten des Landfriedens zwischen Rhein und Maas den Gerard von Dyck der Raubritterei und nahmen die Burg nach sechswöchiger Belagerung ein. Der Burgherr musste die Hauptburg "mit Türmen, Mauern und Sälen" niederlegen, ließ sie offenbar aber kurz danach wieder aufbauen. Nach dem Tod des Gerard, des letzten männlichen Erben, im Jahr 1395 kam die Burg an Johann V. von Reifferscheidt. Diese Familie erwarb umfangreichen Besitz, nannte sich dann ab Ende des 15. Jahrhunderts Salm-Reifferscheidt-Dyck und residierte auf Dyck. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage umfassend umgebaut, um 1800 der Garten angelegt, der unter Fürst Joseph (1773-1861), einem anerkannten Botaniker, zu einem englischen Landschaftspark ausgebaut wurde. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten kleine Veränderungen. 1999 brachte die Erbin Marie Christine Wolff Metternich das Schloss und die Gartenanlage in die Stiftung Schloss Dyck als Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur ein, das vielfältig genutzt wird. Heute gehört Schloss Dyck zu den wichtigsten Kulturdenkmälern im Rheinland. (Karin Striewe)

Bauentwicklung:

Der Wasserburg Dyck ging wahrscheinlich eine ottonisch-salische Motte mit Holzbauten voraus, denn bei Ausgrabungen im Jahr 2003 kamen im Westflügel Auffüllungsschichten des 10.- 12. Jahrhunderts und darüber solche mit Flechtwerk und hölzernen Einbauten des 13. Jahrhunderts zum Vorschein. Das Gelände ist künstlich aufgeschüttet, die umfangreichen Grabenanlagen, die aus dem Kelzenberger Bach gespeist werden, umfließen die Hauptburg und drei nach Osten vorgelagerte Vorburgen. Als frühester mittelalterlicher Baurest ist zweigeschossiges Basaltmauerwerk als Rest eines Wohnturmes im Nordosteck des Hochschlosses auf der Hauptburg erhalten. 1961 wurden im westlichen Kapellentrakt Mauern als die ehemaligen Außenmauern der Burg identifziert. Im 14. Jahrhundert, wohl nach der Zerstörung im Jahr 1383, wurde die vierflügelige Hauptburg aufgebaut, die teilweise noch in dem heutigen Barockhaus enthalten ist. Über die Bebauung der Vorburgen zu dieser Zeit ist nichts bekannt. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurden unter Graf Salentin von Salm-Reifferscheidt-Dyck sowohl Vorburgen als auch das Hochschloss um- und neu gebaut. Es wurde eine neue Scheune gebaut, Brauhaus, Reitstall und Torhaus wurden umgebaut, müssen also auch schon vorher bestanden haben. Die Hauptburg wurde vierflügelig zu einem Barockschloss mit vorspringenden polygonalen Ecktürmen und Saalbau im Ostflügel ausgebaut. Dafür wurde der sogenannte Kapellenflügel, d. h. der Westflügel, von teilweise auf alten Fundamenten neu erbauten Nord-, Süd- und Ostflügel ergänzt. Der Ostflügel bildet einen Saalbau. Als Baudaten sind 1658 und 1663 überliefert. Verwendet wurden Liedberger Sandstein, Basalt, Trachyt und Grauwacke. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere des Schlosses wurde reich ausgestattet. Die Burg wurde zu einem repräsentativen Schloss. 1761 wurde der große Wirtschaftshof erneuert, 1763 die Kapelle neu ausgestattet. Auch der Garten wurde gestaltet und das Brückenhaus dort im Jahr 1769 erbaut. Im 19. Jahrhundert fanden keine entscheidenden Veränderungen statt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Südflügel beschädigt und nach 1945 wieder aufgebaut. Restaurierungen fanden nach 1961 und seit 2001 statt. (Karin Striewe)

Baubeschreibung:

Heute besteht Dyck aus Hauptburg, zwei hintereinander gelagerten Vorburgen und dem ihnen vorgelagerten Wirtschaftshof. Der vierflügelige zweigeschossige, fast quadratische Bau der Hauptburg weist an den Ecken polygonale, ebenfalls zweigeschossige Türme mit geschweiften, schiefergedeckten Hauben auf. Der Ostflügel ist als Saalbau etwas größer gestaltet und sein schiefergedecktes Walmdach ist etwas höher als die ansonsten gleichen Hauptburgdächer. Die Hauptburg ist von breiten Gräben umgeben. Eine Brücke führt zur etwas tiefer gelegenen inneren Vorburg, die mit einem dreiflügeligen, zur Hauptburg geöffneten Gebäudekomplex des 17. Jahrhunderts bebaut ist. Eine weitere Brücke führt zur zweiten Vorburg, die mit einer zweiflügeligen Anlage ebenfalls des 17. Jahrhunderts bebaut ist und einst Remise, Reitbahn und Brauhaus umfasste. Ihr gegenüber steht ein kleineres Gartenhaus des 19. Jahrhunderts. Der vor der zweiten Vorburg gelegene, nicht durch einen Waassergraben von ihr getrennte Wirtschafthof ist eine vierflügelige Anlage mit modernen Bauanteilen und solchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sein Südflügel bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Gewächshaus eine Toreinfahrt, in die von Osten her ein im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammender dreigeschossiger Torbau führt. Über der rundbogigen Durchfahrt, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls eine geschweifte Haube trug, ist das Wappen der Salm-Reifferscheidt-Dyck von1868 angebracht, dass sich vorher am Südflügel des Schlosses befand. (Karin Striewe)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Untersuchungen fanden im Burgbereich in den Jahren 2001, 2003, 2004, 2006 und 2010 statt. Sie erbrachten außer frühneuzeitlichen Auffüllungsschichten und barocken und nachbarocken Bauteilen vor allem in der Orangerie auch Aufschlüsse über die frühesten Phasen der Burg (s. Bauentwicklung).