EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Simontornya

Geschichte:

Der Erbauer der Burg war der Vizelandesrichter Simon aus dem Döröcske-Geschlecht, nach dem auch der Name (Simontornya= Turm des Simons) der wahrscheinlich in den 1270er Jahren errichteten Anlage kam. Die Burg gelangte danach in königlichen Besitz. 1324, als die Anlage dem Richter der Stadt Buda (Ofen) verschenkt wurde, wird die Befestigung zuerst als "castrum seu turris sive possessio" urkundlich genannt.. Ab 1347 gehört die Burg zu den Besitz der hochadligen Familie Lackfi, deren Mitglieder während der Regierung von Ludwig dem Grossen (1342-1382) die meisten Schlüsselpositionen des Königlichen Rates besassen. Die Burg diente als Residenz von Dénes Lackfi (+1367) sowie seines Sohnes István, den zusammen mit seinem Onkel im Jahr 1397 König Sigismund ermorden liess. Seine Güter wurden konfisziert, Simontornya kam im selben Jahr zu einer anderen Aristokraten-Familie, zu den Kanizsais. 1424 erwarb Filippo Scolari die Burg. Nach seinem Tode (1426) gehörte die Anlage zu den Gütern der mächtigen Garai-Familie, bis zu deren Aussterben (1481). König Matthias gab die Burg mit den dazu gehörenden Besitztümern seiner Frau Beatrix von Aragionien. Vor 1505 erwarb Mózes Buzlay die Burg, in der er residierte. Der schon in seinen Jugendjahren als Gesandter des Königs Matthias u.a. in Italien tätige Adlige spielte während der Jagiellonen-Zeit eine wichtige politische Rolle. Er bekleidete ab etwa 1500 die Würde des königlichen Hofmeisters und nahm selbst in der Vorbereitung des Königstreffens von Wien 1515 teil. Nach seinem Tod 1518/19 erbte seine Witwe, Anna Podmaniczky, die Burg. Sie starb 1536. Die Befestigung kam für eine kurze Zeit in den Besitz der Anhänger des Königs Johann I. 1545 besetzte die Osmanen die Befestigung. Sie war unter ihrer Herrschaft (bis 1686) ein Sandschaksitz mit einem Beg an der Spitze. Die Burg spielte zuletzt während des Rákóczi-Aufstandes eine militärische Rolle. Nach 1717 wurde aber dieser Charakter der Anlage aufgehoben. Danach diente das Gebäude bis 1764 als Sitz der neuen Besitzer, der Familie Styrum-Limburg, danach wurde es zum Speicher umgabaut. Nach dem Aussterben der letzgenannten Familie erwarben den Besitz für eine kurze Zeit die Esterházys. Zwishen 1820 und 1860 bewirtschaftete die Wiener Bankierfamilie Sina die Burggüter, dann folgte die Familie der Grafen von Wimpfen. Um 1930 wurde das Burggebäude von der Abtei von Zirc gekauft und an die hiesige Lederfabrik vermietet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in seinen Raumlichkeiten Magazine und Notwohnungen untergebracht. Das Einstürzen des Turmdaches im Jahre 1954 führte dazu, dass die Buganlage zwischen 1964 und 1975 für die damalige Denkmalpflege mustergültig saniert bzw. restauriert wurde. Seitdem beherbergt das Objjekt als Museum. (Istvan Feld)

Bauentwicklung:

Die genaue Form der Burg des 13. Jhs. Konnten die bisherigen archäologischen Grabungen nicht klären. Es ist möglich, dass auf der kleinen Insel im Sumpfgebiet des Sió-Flusses zuerst ein großer Turm (= Turm des Simons) stand, der an seiner Südseite einen unbebauten, ummauerten Hof aufwies. Der langgestreckte, zweigeschossige Palastbau sollte Mitte des 14. Jhs. An der Ostmauer des Hofes errichtet werden. In die Mitte oder in die zweite Hälfte des 15. Jhs. Datiert wahrscheinlich die neue Umfassungsmauer auf ovalem Grundriß, mit Zinnen und Schlüsselloch-Schießscharten. Der erwähnte großerTurm im Nordosten war damals schon beseitigt. Auch der Palastbau wurde während des Garai-Besitzes umgebaut. Ein Arkadengang entstand vor seiner Westfassade. Anfang des 16. Jhs., nach den Jahreszahlen auf den Gebäuden 1508-1509, ließ dann Mózes Buzlay die Anlage gründlich umbauen. Es wurde der große Südturm mit dem Eingangsbau, sowie der Nordtrakt mit der spätgotischen Kapelle im Obergeschoß neu errichtet und der alte Palastbau vollkommen umgeformt. Das Aussehen der immer noch relativ kleinen Anlage war vom Außen durch die Kreuzstockfenster mit Renaissance-Profil (im Norden auch noch durch spätgotische Öffnungen bzw. Erker), im Hof sowie durch die neue Renaissance-Loggia italienischen Ursprungs bestimmt. Es war wahrscheinlich auch der Bau eines Westflügels geplant (Baunaht am Eingangsbau). Während der Zeit der osmanischen Besetzung begann der Zerfall der Bauten, im 18. Jh. waren schon nur die westlichen und südlichen Bauten bewohnbar, der Palast wurde aber bald zum Kornspeicher Umgebaut. (stvan Feld)

Baubeschreibung:

Die im Dorfzentrum befindliche, fast komplett unterkellerte Burganlage repräsentiert mit ihren vielen, zum Teil bis 1975 (oft didaktisch) rekonstruierten Details einen adligen Residenzbau der Frührenaissance in Ungarn. Sie besteht aus dem südlichen Gebäudegruppe (in der Mitte der 5geschossige große Turm mit Renaissance-Fenstern, der niederigere Eingangsbau mit dem Portal an seiner West-, das kleine Treppenhaus an seiner Ostseite), aus dem nach Norden anschließenden langgestreckten Palastbau mit einem Obergeschoss (an der Ostfassade mit Fenstern des 14. und des frühen 16, Jhs., an der Hoffassade mit Öffnungen des 15. und des 18. Jhs.) und aus dem eingeschossigen Nordbau, der eigentlich ein moderner Schutzbau der hier freigelegten – spätgotsichen Baureste ist. Hier hatte man die im Burggraben gefundene Konsolreihe eines äußeren Erkers eingebaut. Im Westen grenzt das kleine Hofgelände durch die Reste der Außenmauern ab. Die wichtigste Sehenswürdigkeit des Hofes ist der unter Verwendung von Resten reskonstruierte Abschnitt der mehrgeschossigen Loggia, ein einzigartiges Denkmal der ungarischen Frührenaissance. Die Innenräume hatten ihren Renaissance-Charakter (Gewölbe, Öffnungen) vor allem in den Räumen des Palasterdgeschoßes, sowie des Eingangsbaus bewahrt. Besonders wichtig ist der aufgrund von Origibalbruchstücken rekonstruierte Kamin mit dem Buzlay-Wappen im Obergeschoß des Eingangsbaus. In den anderen Räumen – so im Palastobergeschoss – sind u.a. Decken des 18. Jhs. Oder moderne Konstruktionen zu finden. Das Kellergeschoß wurde ursprünglich als Gastwirtschaft ausgebaut, ist jedoch heute ungenutzt. (Istvan Feld)

Arch-Untersuchung/Funde:

Als Vorbereitung der Sanierungs- bzw. Rekonstruktionsarbeiten führte in der Burg zwischen 1960 und 1966 E. Lócsy eine kleine Grabung durch, die viele, zerstörte bzw. abgetragene Teile der Anlage freilegen konnte, aber zur Bestimmung einer authentischen Baugeschichte nicht ausreichte. M. Horler, der Architekt der Rekonstruktionsarbeiten machte viele Beobachtungen während der Bauausführung. Eine systematische Bauuntersuchung fand aber in der Burg nicht statt. Die relativ wenige Funde (Küchen- und Tafelkeramik des 13-17. Jhs., wenig Kachelkeramik, reicheres Material aus der Zeit der osmanischen Besetzung) sind zwar in der Ausstellung zu sehen, aber immer noch nicht bearbeitet. Miklós Horler bearbeitete vorbildhaft das besonders wichtige Spolienmaterial der Frührenaissance, sowie auch die viele in situ Architektur-Details. Eine Publikation liegt aber nicht vor (Istvan Feld)