EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Pácin

Geschichte:

Nach der Bauinschrift des ursprünglichen Einganges des Gebäudes ließ das Renaissance-Burgschloss Gáspár Mágócsi und sein Neffe, András Mágócsi, 1581 erbauen. Nach dem Tode seines Mannes gab die Witwe von András, Judit Alaghi, 1590 das domus lapidea seu curia nobilitaris in modum fortalitii ihren Verwandten, Ferenc und Menyhért Alaghi weiter, die dann den Bau bis 1631 weiterhin als Residenz besaßen. In diesem Jahr erhielt das Schloss die Familie Sennyei und es blieb bis 1945 in ihrem Besitz. Danach wurden hier Wohnungen, Büros bzw. eine Schule untergebracht, ab 1987 dient das Gebäude als Museum.

Bauentwicklung:

Das 1581 auf einem Sandhügel errichtete, fast quadratische Gebäude der Mágócsis bestand aus zwei länglichen Bautrakten mit Erd- und Obergeschoss, der Westtrakt war auch noch unterkellert. Die Räume im Obergeschoss dienten sicherlich als Wohnung des Schlossherren, im größten NW-Raum war auch die Treppe zu finden. Die Öffnungsrahmen und der Kamin wurden hier viel prächtiger ausgebildet, als die des Erdgeschosses mit ähnlichem Grundriss, wo entweder die Dienerschaft oder die Gäste untergebracht waren. Die Fassaden wurden an den Gebäudeecken mit bemalter Quaderung verziert. Die ursprüngliche Dachform ist unbekannt, auch die Spuren einer frühen Befestigung waren nicht aufzufinden. 1591 ließ dann Ferenc Alaghi an der Südfassade des Gebäudes zwei unregelmäßig sechseckige Eckbauten mit Renaissance-Zwerggalerie (und wahrscheinlich mit Zinnenkranz) anbauen, wobei die Fensterprofile schon aus Backstein und Verputz ausgebildet waren, bzw. wobei die Sgrafitto-Verzierung eine bestimmende Rolle inne hatte. Zur gleichen Zeit wurden die äußeren Mauern errichtet, an den Ecken mit runden Türmen (eine Ausnahme stellte der SW-Turm dar, der endlich als Quadratbau ausgeführt wurde) und mit einem Torbau im Süden. Die letzteren verfügten zwar über Schießscharten, hölzerne Wehrgänge sowie Wolfsgrube, stellten aber keinen echten militärischen Wert dar. Kleinere Reparatur- bzw. Umbauarbeiten sind aus den Jahren 1697 und 1829 bekannt, die Mansard- bzw. Kuppeldächer stammen wahrscheinlich noch aus dem 18. Jh.. 1856 ließ dann László Sennyei den ganzen Bau im romantisierenden Stil umbauen. Eine symmetrische Fassadenausbildung, ein Zinnenkranz der Rundtürme, der Abbruch der Südmauer mit dem Torbau wegen des neugelegten Landschaftsparks, sowie die Modernisierung des Gebäudeinneren sind als Ergebnisse dieser Arbeiten zu nennen. Die 1987 abgeschlossene Sanierung des Schlosses vernichtete aber alle diese Details des 19. Jh.s. und verwirklichte eine mögliche Wiederherstellung bzw. Rekonstruktion seines Zustandes um 1600.

Baubeschreibung:

In der Mitte eines Landschaftparks steht der geschlossene Baublock des Schosses mit einem Mansarddach, umgeben von einer unregelmäßig quadratischen Unfassungsmauer mit Eckgebäuden. Diese Bauten erhielten ihre heutige Form während der letzten Sanierungs- bzw. Rekonstruktionsarbeiten. Bis 1987 wurden in didaktischer Form alle Fassaden in der ehemaligen, auffallend asymmetrischen, Renaissance-Form wiederhergestellt – Fensterumrahmungen in situ wurden nur in einigen Fällen, im Westen und im Norden sowie bei den südlichen Eckbauten aufgefunden. Im Erdgeschoss waren meist kleine, einfachere, im Obergeschoss größere, fast quadratische, mit Renaissance-Profilierung verzierte Fenster ausgebildet; die Form des Außeneinganges ist nicht näher bekannt. Die Verputzverzierungen konnten auch nur in ihren Resten freigelegt werden, daher war eine komplette Rekonstruktion der Sgrafittoverzierung nicht möglich. Die Steintafel mit Wappen und Bauinschrift der Bauherren wurde an ihre ursprüngliche Stelle über den Eingang zurückgesetzt und datiert so den ersten Bau sowie das sgrafittierte AF-Monogramm im Typanon des mittleren OG-Fensters des SW-Eckbaus die ersten Erweiterungsarbeiten. Die Dachkonstruktion wurde aber nicht geändert, da ihre ursprüngliche Form nicht bekannt ist. Das Innere des Schlossbaus erhielt ihre früheste Raumeinteilung und fast das ursprüngliche Kommunikationssystem zurück – in situ sind zwar nur eine Tür, sowie die Stümpfe von den zwei Kaminanlagen, in sekundärer Lage war es der Hauptbalken des Speisesaals mit der Jahreszahl 1697 – die meisten Türen, die Gewölbe und Balkendecke, die Heizungseinrichtungen sowie die Kamine und die drei Kacheolfennachbildungen, sind als mögliche Rekonstruktionen zu betrachten, die weitgehend auf den Ergebnissen der Bauforschung basieren. Bei den äußeren Mauern erfolgte aber nur im Norden eine komplette Rekonstruktion auch mit dem hölzernen Wehrgang, anderswo stehen sie schon nicht mehr in ihrer ursprünglichen Höhe, der südliche Torbau mit der Wolfsgrube ist nur markiert. Die drei runden Ecktürme sind auch in situ, abgesehen vom neuen Dach, der SW-Eckbau hat seine heutige Form im 19. Jh. erhalten, an seiner Ostwand sind die erhalten gebliebenen Steinumrahmungselemente des äußeren Tores von 1591 zu sehen.

Arch-Untersuchung/Funde:

Nach einer begrenzten Bauuntersuchung der 1960-er Jahre wurde die komplexe bauarchäologische Forschung des Schlosses zwischen 1977 und 1987 durchgeführt (Gyula Gulyás, Juan Cabello, István Feld). Die Ausgrabungen legten einerseits die abgetragenen Umfassungsmauerteile und die Reste der früheren Wirtschaftsbauten davor frei, andererseits brachten sie wertvolle Kachelkeramik des 17. Jh.s. sowie Glasfunde des 18-19. Jh.s. ans Tageslicht. Die Rekonstruktion einer der im Obergeschoss aufgestellten Kachelöfennachbildungen erfolgte aufgrund der Funde der zugeschütteten Wolfsgrube. Die Bauuntersuchung klärte das ursprüngliche Raum-, Öffnung-, Decken- und Heizungssystems, sowie die Fassadenausbildung des Renaissance-Baus auf und erbrachte eine große Menge von Renaissance-Spolien, die alle als Grundlage der danach ausgeführten Rekonstruktionsarbeiten dienten.