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Liebenscheid

Geschichte:

In den Schriftquellen wird Burg Liebenscheid erstmals am 18. Juni 1344 im Zuge der zwischen Heinrich I. (+1378/80) und Otto II. von Nassau (1350/51) vollzogenen Erbteilung erwähnt. Heinrich von Nassau erhielt den nassauischen Besitz in der Kalenberger Zehnt mit den Burgen Beilstein, Mengerskirchen und Eigenberg, Güter auf dem Westerwald und die Burg Liebenscheid. Noch im gleichen Jahr wurde Liebenscheid an die Herren von Haiger versetzt, jedoch vor 1353 wieder eingelöst. 1353 trug Graf Heinrich von Nassau Liebenscheid dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg (reg. 1307-1354) zu Lehen auf. Die Talsiedlung bei der Burg erhielt 1360 Stadtrechte. 1469 finden wir Dietrich von Ockershausen als Pfandherr zu Liebenscheid. Die Burg war Sitz einer nassauischen Kellerei und verblieb bis zum Tod des Grafen Johann III. im Jahr 1561 im Besitz der älteren Linie Nassau-Beilstein und ging dann an Nassau-Dillenburg über. Von 1533 bis 1556 diente Liebenscheid Bernhard von Nassau (+1556) als Hauptwohnsitz. Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg (+1606) ließ Liebenscheid in den Jahren 1587-94 mit neuen Befestigungsanlagen versehen, um sich vor drohenden Einfällen spanischer Truppen während des Niederländischen Befreiungskrieges zu schützen. Zusammen mit den Schlössern Beilstein, Löhnberg und Johannisberg gelangte Liebenscheid 1620 an Ernst Casimir von Nassau-Diez (+1632). Bereits während des Dreißigjährigen Krieges ruinös, wurde die Anlage bereits 1672 als Steinbruch benutzt und ging in den nachfolgenden Jahrhunderten vollständig ab. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zur baulichen Entwicklung der Burg liegen keine gesicherten Informationen vor. Ende des 16. Jhs. wurde Liebenscheid mit neuen Befestigungsanlagen versehen. Die umfangreichen baulichen Maßnahmen haben sich sicherlich auch auf die im Kern spätmittelalterliche Burg erstreckt. Zu welchem Zeitpunkt der Verfall, der 1617 noch als wohlerhaltenes Schloss bezeichneten Niederungsburg einsetzte, ist nicht bekannt. Im Dreißigjährigen Krieg bereits Ruine, wurden während der Errichtung des Schlosses Oranienstein bei Diez an der Lahn im Auftrag der Fürstin Albertine Agnes von Nassau-Diez (+1696) aus der ruinösen Burg zahlreiche Steine sowie Fenster- und Türgewände aus der Ruine Liebenscheid herausgebrochen, und auf die Baustelle nach Oranienstein geführt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Zuverlässige Aussagen zur Baugestalt der Niederungsburg sind - sieht man einmal von den wenigen Hinweisen in einem Inventar von 1577 ab - nicht möglich. In dem Hausratsverzeichnis werden insgesamt 34 Räume aufgeführt. Darüber hinaus nennt der Verfasser der Bestandsaufnahme einen Turm (Bergfried?). Von der infolge von Steinraub annähernd vollständig abgegangenen Burganlage blieben lediglich Reste eines Kellergewölbes in einem Wohnhaus erhalten. (Jens Friedhoff)