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Unterkirchberg

Geschichte:

Ein nach Burg Kirchberg benanntes Grafengeschlecht schon 2. H. 11. Jh. belegt. Deren ursprüngliche Stammburg wird gegenwärtig in Unterkirchberg vermutet, Oberkirchberg sei eine sekundäre Gründung, die die ältere ablöse. Dafür spricht auch der siedlungsarchäologische Kontext von Unterkirchberg, wo Grabungen von 1928 ein römisches Kastell und ein frühmittelalterliche Reihengräberfeld nachwiesen. Hier liegt auch der pfarrlich-kirchliche Mittelpunkt bei St. Martin. Zu diesen Grafen de pago Hilargowe (1087) zählen auch Hartmann und Otto. Diese stifteten 1093 das Kloster Wiblingen. Weitere prominente Mitglieder der Familie, die am Hof der Staufer nachweisbar ist, sind vielleicht der Minnesänger Konrad (1255 bis 1286) und (sein Bruder?) Bruno, Bischof von Brixen (1250 bis 1288), der Gründer von Bruneck. Der Besitzschwerpunkt der Familie lag in Form von Allod und Reichslehen zwischen Iller, Donau und Rot. Streitigkeiten, Erbteilungen und Verleihungen führten ab dem 13. Jh. zu einer zunehmenden Zersplitterung. Ende 12. Jh. kam es zur Abteilung der Linie zu Brandenburg, im 13. Jh., jene zu Neuenhaus und Anfang 14. Jh. die Wullenstetten (mit halbem Anteil an der Burg zu Oberkirchberg). Die Hauptlinie erlosch 1366 mit Wilhelm dem Älteren. Über dessen Tochter Agnes kam die Grafschaft Kirchberg-Kirchberg an Ulrich (III.), Vogt von Matsch im Vintschgau. Deren Tochter Udelhild wiederum brachte die Grafschaft 1379 als Mitgift an Graf Meinhard von Görz und Tirol. Kirchberg gelangte pfandweise und 1459 durch Kauf an die Wullenstetter Linie. Diese verkaufte 1481 beziehungsweise 1498 die Grafschaft aus wirtschaftlichen Zwängen an Herzog Georg von Bayern-Landshut. 1510 starb mit Graf Philipp das Haus Kirchberg schließlich aus. Im Folgenden versuchte die Stadt Ulm die Grafschaft Kirchberg in die Hand zu bekommen. Es gelang aber nur den Wildbann von Neuhaus rechts der Iller und die Rechte an Brücke und Zoll von Unterkirchberg zu erlangen. Im Kontext des Landshuter Erbfolgestreit kam 1504 die Grafschaft in die Hände König Maximilians, der sie, vereinfacht gesprochen, 1507 um 50.000 Gulden an den bürgerlichen Jakob Fugger ausgab. Dieser "Kauf auf Widerruf" und die offenen lehnsrechtlichen Fragen sind bis heute intransparent. Legitimationsproblem der neuen Eigentümer, treue Habsburger Parteigänger, vor Ort war zunächst die Folge. Die Familie Fugger wurde erst später 1526 in den Grafenstand erhoben und Kirchberg erhielt die Familie Kirchberg erst 1735 als ordentliches Lehen ohne zeitliche Befristung. Die genauen Hintergründe und der Charakter dessen im Rahmen der habsburgischen Klientelpolitik in Schwaben können hier nicht ausgeführt werden. Übergang an Bayern 1805, 1810 an Württemberg, Oberamt Wiblingen/Laupheim, 1938 Landkreis Ulm, 1972 Bildung der Gemeinde Illerkirchberg. (Christoph Engels)

Bauentwicklung:

Ob sich der Hinweis von 1260 auf Ober- oder Unterkirchberg bezieht, ist unklar, die beiden Orte werden erst ab Ende 14. Jh. namentlich geschieden. Ob die Aufgabe der Burg im Kontext der Gründung von Kloster Wiblingen zusehen ist, welche Rolle die Abspaltung etwa der Brandenburger Linie spiel, lässt sich nicht entscheiden. Die Pfarrkirche St. Martin seit 1194 bei Kloster Wiblingen. (Christoph Engels)

Baubeschreibung:

Den nördlich der Martinskirche die Spornspitze abschneidenden Halsgraben von heute immerhin noch 5 m Tiefe als Erdspalte von 1619 anzusprechen überrascht angesichts der zahlreichen Parallelbefunde an den übrigen Burgen der Region. Dies entspricht auch nicht den amtlichen Unterlagen des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Ob man die Geländeformen innerhalb des heutigen Kreuzgartens auf der Spornspitze als Relikte der Burg ansprechen darf, wird sich ohne Grabungen wohl nicht klären lassen. Ebenfalls nur durch Grabungen kamen die übrigen Relikte der Burg zu Tage. Die beim Schulhausbau 1957 aufgedeckten Reste einer Bruchsteinmauer eines Grabens und zweier mittelalterlicher Brandschichten passen gut zu einer der Bedeutung der Grafschaft entsprechend großen Burg. Die Fragen, ob man den Bereich zwischen Schule und Kirche als Vor- oder Oberburg ansprechen darf, in der Spornspitze jenseits des Halsgrabens die Kernburg oder nur ein Vorwerk (= Unterburg) erblicken kann, ist derzeit völlig offen. Der Pfarrhof des Klosters Wiblingen von 1763/64 liegt jedenfalls außerhalb des Burgareals, vor dem äußeren Graben, der sich am Osthang auch in den Höhenschichtlinien des amtlichen Kartenwerks abzeichnet. (Christoph Engels)

Arch-Untersuchung/Funde:

März 1957 wurden bei Bau des neuen Schulhauses Reste einer Bruchsteinmauer, zwei mittelalterliche Brandschichten und ein Graben festgestellt. (Christoph Engels)