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Godesburg

Geschichte:

Laut einer heute im Bonner Landesmuseum befindlichen Inschriftplatte wurde die Godesburg im Jahre 1210 vom Kölner Erzbischof Dietrich von Hengebach gegründet. Während des Pontifikats des Erzbischofs Konrad von Hochstaden erfolgte um 1244 der Ausbau der Burg. Weitere bauliche Veränderungen datieren ins zweite Viertel des 14. Jh.s im Auftrag des Erzbischofs Walram von Jülich. In den 1380er Jahren zählte die Godesburg zu den herausragenden Residenzburgen der Kölner Kirchenfürsten. Sie beherbergte zeitweise Teile des erzbischöflichen Archivs. Darüber hinaus bildete die Burg den administrativen Mittelpunkt eines kurkölnischen Amtes. In den Wirren des Truchsessischen oder Kölnischen Krieges besetzten niederländische Truppen des abgesetzten Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg die Godesburg. Bei der Eroberung durch Erzbischof Ernst von Wittelsbach wurde die Burg 1583 durch den Einsatz von Minen gesprengt und blieb Ruine. Ein von Kurfürst Joseph Clemens von Wittelsbach geplanter Wiederaufbau der Burgruine nach Entwürfen von Robert de Cotte 1715 wurde nicht ausgeführt. Die im Hauptburgareal im 19. Jh. errichtete Gaststätte wurde 1959 niedergelegt. Nach den Plänen des Architekten Gottfried Böhm entstand in den 1970er Jahren in der Ruine ein moderner Hotel- und Restaurantbetrieb. (J.F.)

Bauentwicklung:

Der hochmittelalterlichen Landesburg ging eine zweiperiodige vorburgzeitliche Nutzung des Godesberges voraus. Der ersten Periode gehören die archäologisch nachweisbaren Fundamentreste eines römischen Wachturms aus dem 3./4. Jh. an. Jünger als die spätantiken Gebäude sind die Reste von etwa 44 beigabenlosen Gräbern, die in den Zeitraum vom 8. bis zum 12. Jh. datiert werden. Sie stellen freilich nur einen Teil eines größeren Gräberfeldes dar. Über die ursprüngliche Baugestalt der 1210 von Erzbischof Dietrich von Hengebach gegründeten Burg sind wir nur unzureichend informiert. Es handelte sich vermutlich um eine über ovalem Grundriss errichtete Randhausanlage. Aus dem ersten Viertel des 13. Jh.s haben sich an der Nordseite Reste der Umfassungsmauern, des Palas und der sogenannten Sylvesterkapelle mit rundem Treppenturm erhalten. An der Südseite zeigt die Anlage ebenfalls noch romanisches Mauerwerk sowie stellenweise römisches Altmaterial, das möglicherweise von einer römischen Befestigung auf dem Godesberger Burgberg stammte.
Der inmitten des Hofes stehende imposante runde Hauptturm, der den Einfluss französischer Bergfriede verrät, datiert in die Mitte des 13. Jh.s und könnte während der Regierungszeit des Erzbischofs Konrad von Hochstaden errichtet worden sein. Um die Mitte des 14. Jh.s wurde der viergeschossige Rundturm unter Erzbischof Walram von Jülich (reg. 1332-1349) um drei weitere Geschosse mit einem abschließenden Wehrgang erhöht. Die zeitliche Abfolge der Baumaßnahmen wird durch vorhandene Einzelformen des Baues und Konsolen an der Außenfassade bestätigt. Etwa zur gleichen Zeit wie die Erhöhung des Bergfrieds wurde Mitte des 14. Jh.s die Vorburg mit Ringmauern und Schalentürmen angelegt. Auf dem Vorburgareal befindet sich die Michaelskapelle, von deren Gründungsbau aus dem beginnenden 13. Jh. sich nur die flachrunde, innen kleeblattförmig ausgenischte Apsis erhalten hat. Nach ihrer Zerstörung im Zuge des Truchsessischen Krieges 1583 blieb die Godesburg Ruine. An die Stelle der 1959 entfernten historistischen Gaststätteneinbauten trat in den 1970er Jahren ein moderner Hotel- und Restaurantbau des Architekten Gottfried Böhm. (J. F.)

Baubeschreibung:

Die zweiteilige Anlage der Gipfelburg gliedert sich in die über ovalem Grundriss errichtete, mit einer turmbewehrten Zwingermauer versehene Hauptburg und die südwestlich auf einer niedrigeren Geländestufe gelegene Vorburg. Im Zentrum der Anlage befindet sich der imposante runde Bergfried, dessen untere vier Geschosse Mitte des 13. Jh.s entstanden und französische Einflüsse zeigen. Mitte des 14.s Jh. wurde der Turm um drei weitere Geschosse erhöht. In 16 m Höhe markieren Konsolsteine den ursprünglichen Abschluß des hochmittelalterlichen Rundturmes. Etwa zur gleichen Zeit wie die Aufstockung des Hauptturms entstand die Vorburgringmauer mit halbrunden Schalentürmen sowie die Zwingeranlage der Hauptburg, die ebenfalls durch mehrere halbrunde Flankentürme gesichert wird. Aus der nach einer Inschrifttafel im Jahr 1210 durch Erzbischof Dietrich von Hengebach gegründeten ältesten Bauphase haben sich Reste der nördlichen und südlichen Ringmauer und des Palas erhalten. Im Bereich der Vorburg befindet sich die zu Beginn des 13. Jh.s angelegte Michaelskapelle, von der sich nach dem barocken Um- und Ausbau nur noch die romanische Apsis erhalten hat. (J.F.)