EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Thierlstein

Geschichte:

Die meist angenommene Erbauung durch die Thierlinger schon im 12. Jh. ist nicht haltbar. Ebensowenig ist zu beweisen, dass die Burg im 14. Jh. Besitz der Sattelboger war, von denen sie die Thierlinger übernommen hätten. 1365 nennt sich der miles Stephan Thierlinger erstmals "in Türlstein". Die Burg scheint kurz zuvor erbaut worden zu sein. Der ursprüngliche Name Lichtenstein ist nur einmal 1367 bezeugt. Die Familie erlebte im 14. Jh. einen steten sozialen Aufstieg. 1488 wird Thierlstein erstmals als Hofmark genannt. Das letzte Mitglied der mittlerweile protestantischen Familie, Georg Bernhardt Thierlinger, fiel 1620 in der Schlacht am Weißen Berg. Der überschuldete Besitz ging an Wolfgang Friedrich Pollinger, der ihn aber 1625 an einen Herren von Hulzrechter veräußerte. Dessen Witwe verkaufte Thierlstein an Wilhelm von Köckh zu Mauerstetten. Diese Familie besaß die Anlage bis 1768. Nach Zwischenbesitz der Freiherrn von Pfetten fällt sie 1785 an Graf Max von Taufkirchen und 1811 an Karl Freiherr von Schacky auf Schönfeld. 1884 verkauft dessen Schwiegertochter den Besitz, den 1895 Arnold Ritter erwirbt. Nach 1899 fälllt der Wirtschaftshof in Privathand, das Schloss ist bis 1984 in Händen der Freiherrn von Lichtenstern, als es die Freiherrn von Schacky zurückerwerben. (B.E.)

Bauentwicklung:

Der Kernbau der Burg mit rundem Bergfried und anschließendem Wohnbau mit Zugbrücke und kleinem Hof (?) wurde um 1360 erbaut. Im 2.V. des 15.Jh.s gab es erhebliche Umbauten. So wurden im Südteil des Wohnbaus neue Decken eingezogen, was auf die Beseitigung von Schäden einer möglichen Teilzerstörung durch die Hussiten hindeuten könnte. Der kleine Halsgraben vor der Zugbrücke wurde verfüllt und mit einem großen bewohnbaren Torbau überbaut. Zudem wurde eine Vorburg mit zwei Türmen angelegt. Wohl unter Ebo V. wurde die Frührenaissanceausstattung im Wohnbau eingebracht. Er ließ auch 1520 den neuen Dachstuhl des Hauptbaus aufsetzen, der nach Westen erweitert wurde. Wohl im 17. Jh. entstand der umfangreiche Wirtschaftshof, dessen Baulichkeiten aber mit Ausnahme einer Scheune erst dem 18./19. Jh. angehören. 1679 soll im Schloss eine Hauskapelle eingerichtet worden sein. Im 18. Jh. gibt es weitere kleinere Umbauten der Kernanlage v.a. im Inneren. Auch der rautenförmige Anbau im Südosten und der Erker an der Südwestseite gehen auf diese Zeit zurück. Unter Arnold Ritter wird ab 1895 der Bergfried mit einem Zinnenkranz versehen und weitere kleinere neugotische Umbauten vorgenommen. Dem Verfall nach 1945 bot eine erste Sanierung 1972 Einhalt, der eine umfangreiche Wiederherstellung 1988/89 durch die Familie von Schacky folgte. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die Anlage besteht aus Vor- und Hauptburg sowie einem umfangreichen Wirtschaftshof. Dieser wurde straßenseitig von einer Baugruppe aus zwei L-förmigen eingeschossigen Bauten mit hohen Walmdächern zu beiden Seiten des zweigeschossigen Verwaltungsgebäudes beherrscht, doch ist der nordwestliche Flügel mittlerweile beseitigt. Nach Südosten schließen sich die Baulichkeiten der Brauerei an. Im Nordwestteil des teils noch von einer Mauer umzogenen Hofes stehen zwei Stallungen. Hinzu kommt ein zweigeschossiger Bau mit Pultdach, der sich an die Vorburgringmauer anlehnt. Der Zuweg zur Burg zieht sich um den Burgfelsen zum wiederhergestellten einfachen Rundbogentor der Vorburg. Diese besteht aus einer sich an die Hauptburg anschließenden Terrasse und einem tiefer gelegenen Bereich. Beide werden von einer noch bis 3 m Höhe erhaltenen Ringmauer umzogen. Das Areal ist unbebaut. Der erhöhte Teil der Vorburg ist nach Ostsüdost mit zwei Türmen bewehrt. Ein tonnengewölbter Keller weist auf ein früheres Gebäude an dieser Stelle hin. Die Hauptburg wird über den barockisierten Torbau des 15. Jh.s betreten. Ihm war wohl ein Graben vorgelagert. Das Tor wird überragt vom allseitig umbauten Bergfried. Anstelle der heutigen Zinnenbekrönung trug er bis 1895 ein steiles Kegeldach mit Laterne. Sein Sockel ist schwach dossiert. Der Zugang erfolgt vom 2.OG des Palas aus über eine Spitzbogentüre. Unter dem Zugangsgeschoss liegt ein mindestens 4 m hoher, teils mit Schutt verfüllter Raum. Das 3.OG besitzt drei stichbogige Sitznischen, das 4.OG fünf kleine Rechteckfenster. Mit dem Bergfried eine bauliche Einheit bildend schließt im Norden der dreigeschossige Palas von 17,5 x 10,1 m an. Dessen bis zu 1,8 m starke Mauern geben dem Bau ein wohnturmartiges Gepräge. Er war ursprünglich von Süden über eine vom Bergfried flankierte Zugbrücke zugänglich. Möglicherweise war der Südteil des Palas ursprünglich ein Hof, der erst 1430 überbaut wurde. Drei Räume im EG besitzen möglicherweise sekundäre Tonnengewölbe, die beiden OG weisen je zwei Räume auf. Diese weisen teils repräsentative Raumfassungen des frühen 16. Jhs., in einem Fall auch barocken Rahmenstuck auf. Nach Süden schließt sich der unregelmäßige viergeschossige Baukörper des Torhauses an. Das EG nimmt eine Torgasse mit Treppen und Zwischentor neben kleinen Räumen ein. In den drei Geschossen darüber bestehen zahlreiche Wohnräume. Ein nach Südwesten vorspringender Erker auf Pfeilern ist ein Anbau des 18. Jh.s Nach Westen schließt sich ein langschmaler Trakt mit teils gewölbten Räumen und Dachterrasse an. Der jüngste Bauteil ist ein rautenförmiger Anbau zwischen dem Torhaus und dem rechteckigen Mauerturm der Vorburg, der erst auf das 18. Jh. zurückgeht und vom neugotischen Umbau 1895 geprägt wird. (B.E.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei der 1986 erfolgten Öffnung und Freilegung des Halsgrabens konnte umfangreiches Fundmaterial des 15./16. Jh.s geborgen werden. Es umfaßt neben Geschirr- und Ofenkeramik, keramischem Spielzeug , Hohl- und Flachglas, zahlreichen Waffen und Ausrüstungsgegenständen, Schmuck und Kleiderbesätzen insbesondere einen großen Bestand an hölzernen Geräten. (B.E.)