EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Traismauer

Geschichte:

Bereits in der Karolingerzeit besitzen die Erzbischöfe v. Salzburg Traismauer als Königslehen. 860 schenkt Kg. Ludwig der Deutsche dem Erzbistum die "curtis...ad Trigisamum" als Eigengut. "Traisenmauer" erscheint im "Einundzwanzigsten Abenteuer" des Nibelungenliedes. Ab 1208 ist der Name "Traismauer" nachweisbar, die Identifizierung mit dem davor genannten "Treisma" ist nicht gesichert. Die "domus episcopalis", die erzbischöfliche Burg, wird um 1250 durch Otto v. Walterskirchen zerstört. Bis 1803 ist Burg und Markt erzbischöflich-salzburger Besitz, doch bewilligt K. Friedrich III. 1458 "der stat zu Traismawr" einen Wochenmarkt. Um 1500 sind Befestigungs- und Ausbauarbeiten unter Ebf. Leonhard v. Salzburg nachzuweisen. Während der Salzburger Herrschaft verwalten Burghauptleute Burg bzw. Schloss. 1803 fällt Traismauer an den Kameralfonds, 1816/25 verwaltet es Franz Fournier, 1825 - 1964 gehört das Schloss den Frhn. Geymüller. 1964 erwirbt die Stadtgemeinde das Schloss, das ab 1988 einer musealen-kulturellen Nutzung zugeführt wird.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Das heutige Erscheinungsbild des Schlosses geht auf einen einheitlichen Aus- und Umbau unter dem salzburgischen Ebf. Leonhard v. Keutschach um 1500 zurück, der ein teilweise bis in das 2. OG erhaltenes spätantikes Kleinkastell integriert. Da archäologische Untersuchungen im Inneren des Schlosses keine hochmittelalterlichen Funde erbrachten, erscheint es fraglich, inwieweit das Schloss mit dem seit der M. d. 13, Jhs. genannten "domus episcopalis" identisch ist.

Baubeschreibung:

1984 bei Kanalarbeiten festgestellte Hinweise auf vormittelalterliche Bauphasen führten schließlich im Zuge der 1986/88 durchgeführten Restaurierung zur musealen Nutzung zu erweiterten archäologischen Untersuchungen im Innenbereich des Schlosses und tlw. in dessen Vorfeld. Der überkommene Bau überbaut bereits ein 3-phasiges römisches Limeskastell ab dem 1. Jh. n. Chr., von dem im Bereich des heutigen Hofes N-S laufende Spitzgräben und Fundamentgräben von Holzobjekten befundet werden konnten. Die exponierte Niederungslage am Traisenufer führte wiederholt zum Zurücknehmen der Baulinien des Kastells nach O, das im Zuge einer weiteren Bauphase zuletzt als Steinbau ausgeführt wurde. Von diesem Massivbau konnten nur örtlich als Fundament verwendete Teile nachgewiesen werden. Das Areal der mittelalterlichen Stadt geht auf die Fläche des römischen Lagers zurück, welches als das Auxiliarlager Augustianis identifiziert wurde. Die mittelalterliche Stadtbefestigung, welche im NO die Burg einbezog, folgte nicht deckend dem Verlauf der römischen Befestigung, Teile ihres Letztausbaues des 4. Jhs. sind jedoch innerhalb noch heute erhaltener Türme im N und O vorhanden.
Die Bauuntersuchung von A. Klaar zeigt die bauliche Struktur des Schlosses in Form eines kastellhaften, quadratischen Baues von durchschnittlich 31,20 m Seitenlänge. Der äußere Bering besitzt Mauerstärken zwischen 2,10 und 2,25 m. Eine randständige, 4-gesch., 3-flügelige Bebauung umgibt im W, N und O den rechteckigen Innenhof, der südl. Bering ist folglich tlw. bebauungslos. Bereits Klaars Plan zeigt die heterogene Gestalt der Bebauung, seine Angaben zur Zeitstellung sind gegenwärtig zumindest tlw. als überholt anzusehen. Während der Untersuchungen 1986/88 konnte festgestellt werden, dass der Bering des Schlosses auf einen Nachfolgebau des Römerkastells, ein spätantikes Kleinkastell des 4./5. Jhs., zurückgeht. Diese auch im Inneren anhand der großen Mauerstärke sich abzeichnende, über weite Strecken nicht durchfensterte Bausubstanz ist durchwegs bis in die Ebene des 1. Obergeschoßes vorhanden, an der südl. "Schildmauer" sogar bis in das 2. Obergeschoß. Befunde zur entsprechenden Innenbebauung konnten während der Untersuchungen vorübergehend freigelegt werden. Die innerhalb des östl. Schildbogens des neuzeitlich gewölbten Kellerraumes im N-Trakt sichtbare Mauertechnik des östl. Berings wäre folglich als spätantik einzuordnen, die großteils aus hammerrechten, kleinformatigen Quadern bestehende Mauerstruktur lässt keine grundsätzlichen Unterschiede zu hochmittelalterlichen Mauerverbänden erkennen. Das an der unverbauten Hofwand dokumentarisch sichtbar belassene, jedoch stark rezent verfugte, lagerhafte Bruchsteinmauerwerk wäre ebenfalls diesem Kernbau zuzuweisen, die hier angebrachte große Toranlage, der ehem. Zugang von der südl. Vorburg, legt jedoch eine spätmittelalterlich/frühneuzeitliche Zeitstellung nahe. Ein ca. 10 x 6 m großer Bau in der südöstl. Ecke des Berings wurde als "romanisch" eingeordnet, eine Datierung, die heute nur noch anhand einer freigelegten, nach außen(?) trichternden, zum Hof weisenden Lichtscharte bedingt nachvollzogen werden kann. Vor diesem Trakt wird eine kleine Zone mit römischen/spätantiken Befunden gezeigt. Neben mehreren, als Fundament verwendeten Grab- bzw. Reliefsteinen ist eine vom hochmittelalterlichen Bau Richtung Hof ablaufende, wohl zeitlich parallele Mauer zu beobachten. Ein davor parallel zum Altbau laufendes, wohl vormittelalterliches Mauerkompartiment zeigt tlw. starke "opus spicatum"-Einschübe. Im 13. Jh. wurde die NW-Ecke der Burg, wohl eine Folge eines Hochwasserschadens, neu errichtet.
Um 1500 erfuhr der Bau durch Ebf. Leonhard v. Salzburg eine zeitgemäße Erneuerung, auf der wahrscheinlich die erhaltene, 3-flügelige Hofbebauung basiert. Die Qualität der heute noch im baulichen Verband befindlichen Architekturelemente und mehrerer im Museum gezeigter Spolien von Tür- und Fenstergewänden ist bemerkenswert und dokumentiert den repräsentativen Anspruch der kirchlichen Bauherren. Ein im Obergeschoß des O-Traktes wohl zur Bewohnung konzipierte Raumlösung zeigt Reste einer ornamentalen, polychromen Dekoration, die auch eine im südl. Bering angelegte Fensternische einbezieht. Eine weitere, von einer ablaufenden Mauer des Traktes tlw. verstellte Fensternische liegt bereits außerhalb des Traktes im heutigen Verbindungsgang, wodurch eine mglw. völlig andersorientierte Raum- oder Gebäudesituation erschlossen werden kann. Ein spätmittelalterlicher Kommunikationsweg in Form eines Wendeltreppenturmes liegt an der nordwestl. Ecke des Hofes, die kleinen, spätgotisch profilierten Fenster besitzen erneuerte rot-weiß gemalte Dekorationen mit Gitter- und Wellenmuster. Kleine Schlüsselscharten im 4. Geschoß der W-Front weisen auf ein ehem. umlaufendes Wehrgeschoß, dessen Traufzone mit einem, nur an der NW-Ecke erhaltenen, schwarz-rot gemalten Ornamentband geschmückt war.
Die Adaptierungen ab dem 16. Jh. sind in ihrer Vielzahl und Überlagerung heute nur noch erschwert zu trennen. Der Treppenturm wurde zum Zentrum eines frühbarocken Lauben- bzw. Arkadenganges, welcher dem N- und W-Trakt tlw. vorgeblendet wurde. Eine entsprechende Lösung erhielt, neben einem risalitartig vorspringenden Treppenturm, auch der O-Trakt. Die Erschließungsgänge sind mit Stichkappengewölben mit einfacher Stuckbänderung geschlossen, die oberen Ebenen wurden später geschlossen und befenstert. Während die Außenfronten völlig ungegliedert erscheinen, besitzen die Hoffronten einen restaurierten Putzfelddekor des Frühbarock. Die Erdgeschoßräume sowie eine als "Festsaal" genutzte Raumsituation im 2. Geschoß des N-Traktes sind stichkappengewölbt, die Obergeschoßräume zeigen weitgehend Flachdecken, z.T. mit einfachen Stuckspiegeln. Die heutige Zugangssituation im O, von der ein mehrläufiges Treppenhaus die Obergeschoße erschließt, stammt aus dem Frühbarock. Der ehem. Bereich der Vorburg im S, der sich an den ehem. Zug der Stadtmauer lehnt, ist heute neuzeitlich bebaut, u.a. im W mit einem barocken Schüttkasten.
Die museale Nutzung der Anlage begann nach den Restaurierungen 1986/88, der entsprechend adaptierte Bau bildet heute den Rahmen für das Museum für Frühgeschichte, eine Außenstelle des NÖ Landesmusems. Große Teile des Schlosses bilden den Rahmen für die ausgezeichnet präsentierten Exponate der Stammausstellung, mehrere Räume werden für jährlich wechselnde Sonderausstellungen herangezogen, weitere Bereiche können für Veranstaltungen genutzt werden.
(G.R., P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabungen des Bundesdenkmalamtes 1984/86 (Johann Offenberger) mit mehrphasigen römischen und spätmittelalterlich/neuzeitlichen Befunden.