EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Göttweig

Geschichte:

Eine Befestigung der Höhe ist nach Büttner bereits vor der Klostergründung im 4. V. d. 11. Jhs. anzunehmen. Die Lebensbeschreibung des Klostergründers Bf. Altmanns v. Passau beschreibt zu jener Zeit Wälle und Gräben auf der Höhe. Die Stiftungsurkunde lässt eine "urbs" auf dem Berg vermuten. E. d. 15. Jhs. wird an den Wällen und Umfassungsmauern gebaut. Auch 1580 und 1597 wird an den Befestigungen gebaut, was jedoch bereits auf den allgemeinen Stiftsbereich zu beziehen ist. Die von A. Klaar vermutete (hoch)mittelalterliche Burg ist durch keinerlei urk. Nachrichten erschlossen.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Der wehrhafte Profanbau mit Kapelle im Stiftsareal lässt sich trotz der guten Quellenlage des Klosters nicht sicher funktional deuten. Ob die im Vorfeld abschnittweise erhaltenen hochmittelalterlichen Beringreste mit den zeitgenössisch überlieferten Befestigungen in Übereinstimmung zu bringen sind, müsste archäologisch geklärt werden.

Baubeschreibung:

Die Stiftsanlage liegt auf dem nördl., etwas verbreiterten Gipfel-Bereiches eines nördl. von Furth isoliert aufragenden, 425 m hohen Bergrückens und dominiert weithin sichtbar das Donaubecken südl. von Krems/Stein. Der spornartige S-Gipfel des Bergrückens war bereits in der Hallstatt- und frühen Latènezeit besiedelt und trug im Hochmittelalter eine weitere, burgartige Befestigung.
An der südl. Einfahrt des heutigen Stiftsbereiches sind im Zuge der äußeren Stiftsummauerung die Reste eines sichtlich profanen, befestigten Komplexes eingebunden, den A. Klaar als ehem. Burganlage rekonstruiert. Von der Anlage sind nach einem Abbruch nur noch die westl. Teile, ein 2-gesch. Rechteckbau und der ehem. westl. Zwinger mit 2 flankierenden Dreiviertelrundtürmen erhalten. Ein historischer Plan von 1723 lässt die urspr. Ausdehnung der 4-seitigen Anlage gegen O mit 2 weiteren Rundtürmen und Innenbebauung des Hofes, darüber hinaus die ehem. isolierte Lage innerhalb eines Grabens erkennen. Der von Klaar als "älteste mittelalterliche Bauteile der Burg" ausgewiesene, ca. 20 x 11,60 m große Rechteckbau mit stark polygonal abgewinkelter S-Seite lässt sich durch partiell sichtbares Bruchsteinmauerwerk und mehrere Detailformen frühestens dem 14. Jh. zuweisen. Die beiden Rundtürme der ehem. Zwingeranlage weisen mit ihren für Feuerwaffen ausgestatteten Wehrgeschoßen und ihren Detailformen in das späte 15. Jh. Der vermutlich als "Palas" anzusprechende Rechteckbau lässt Umbauten des 15. und 16. Jhs. erkennen, u. a. eine bemalte Holzbalkendecke des 16. Jhs. in einem ehem., offensichtlich repräsentativen Wohnraum. In den ehem., aus dem Felsen geschrämten Graben im W der Anlage wurde eine moderne Remise gebaut.
Divergierende Baulinien an der polygonal geführten S-Seite des "Palas" lassen die Einbeziehung einer älteren, polygonal geführten Mauer im Erdgeschoß vermuten. Mit dieser Situation fluchtet eine Mauer im W der Anlage, die Teile des südl. Felsabfalls außerhalb der heutigen Stiftsummauerung begleitet und die nach der lagigen, quaderhaften und noch sehr horizontal verlegten Mauerstruktur und der in "opus spicatum"-Technik ausgeführten Mauerfüllung der 1. H. d. 12. Jhs. zugewiesen werden kann. Baufugen am westl. Ende lassen eine ehem., bereits im 12. Jh. zugesetzte Tor- oder Bauöffnung vermuten. Geringe, jedoch undatierbare Reste von Mauerwerk sind auch am westl. Felsabfall zu beobachten, wesentliche Mauerteile, die in ihrer Mauertechnik mit denen im S korrespondieren, aber auch jüngeren, spätmittelalterlichen Ursprungs sind, begleiten auch den nördl., relativ hohen Felsabfall innerhalb des Stiftsbereiches. Die Abfälle bezeichnen folglich die westl., südl. und nördl. Grenze eines zum Stiftsbereich leicht erhöhten Bereiches, der heute im wesentlichen von relativ jungen Wirtschaftsgebäuden eingenommen wird und hier keine - da nicht schauseitig - Barockbauphasen aufweist. Im Zentrum des Bereiches liegt das Chorquadrat und die Apsis der ehem. Erentrudiskapelle aus d. 2. V. d. 13. Jhs., die das Langhaus einer älteren, 1962/65 ergrabenen und mglw. bereits 1072 geweihten Saalkirche verlängerte.
Obwohl sich die erhaltenen, von Klaar als Burgbau definierten Bauteile zweifelsfrei als befestigter Profanbau, der zumindest noch im späten 15. Jh. entsprechende Funktionen erfüllte, identifizieren lassen, müssen sie bereits als Nachfolgebau einer älteren Anlage, vermutlich erhalten in Form der o. g. Mauerreste, aus der Zeit während/nach der Klostergründung gesehen werden.
(G.R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Grabungen durch das Bundesdenkmalamt 1962/65 (G. Moßler).