EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Grafenegg

Geschichte:

Vorgänger der späteren Burg und des Schlosses ist ein ehem. Sitz in der Ortschaft "Aspersdorf", nach dem sich um 1190 "Riwinus de Aspinsdorf" nennt, ein Gefolgsmann der Gfn. v. Hardegg. Der 1433 genannte "hoff zu Esperstorff" dürfte bereits der unmittelbare ortsgleiche Vorgänger der Burg sein. 1424 ist der Ort landesfürstliches Lehen. Damals verkauft ein gew. Parssenbrunner die Hft. an Georg v. Wolfenreith, der 1435 vom Herzog damit belehnt wird. Unter diesem wird der Bau, nun "Vest New Wolffenrewt" bezeichnet, neu befestigt und ausgebaut. 1454 verkauft er jedoch an Bernhard v. Techenstein. Kurz darauf gelangt der Besitz an Ulrich v. Grafenegg. Nach Parteinahme für den Ungarnkönig verliert der Grafenegger sämtlichen Besitz. Grafenegg wird in der Folge von landesfürstlichen Pflegern verwaltet. 1493 gibt K. Friedrich III. die Burg "Eschpersdorf" (=Grafenegg) und weitere Güter an Sigmund Prüschenk zu Pfand. Kurze Zeit später verkauft Maximilian I. die Hft. als freies Eigen an Heinrich Prüschenk von Hardegg und Stettenberg, der vor 1513/17 die Burg in ein Renaissanceschloss umgestaltet. Nach seinem Tod gelangt "Neu Stettenberg", wie die Burg vorübergehend genannt wird, an seine Söhne. 1534 erwirbt Adam v. Schwetkowitz die Hft., doch bereits 1535 gelangt sie an Bernhard I. Thurzo v. Bethlenfalva. Die Thurzo bleiben bis 1599 im Besitz, 1601 kommt Grafenegg an Martin v. Starhemberg, 1603 an Helene v. Königsberg, geb. Saurau. 1622 verkaufen die Saurau an die Hrn. v. Verdenberg, die 1630 Neu- und Umbauten durchführen lassen. 1633 erfolgt der Neubau der Schlosskapelle. 1645 wird das Schloss von schwedischen Truppen besetzt. Nach der M. d. 17. Jhs. gelangt der Besitz an die Gfn. Enkevoirt, 1769 an den verwandten Karl Josef Ignaz Gf. Breuner-Enkevoirt. Gf. August Ferdinand Breuner-Enkevoirt beginnt 1840 den umfassenden Neubau im Stil des romantischen Historismus. Seine Nachkommen setzen die Umgestaltungen bis 1888 fort. 1894 gelangt Grafenegg an die Fürsten v. Ratibor, bleibt jedoch unbewohnt. Nach 1945 beginnt die völlige Verwahrlosung, die erst 1967 durch umfassende Restaurierungsarbeiten beendet ist. Nach gelungenen Arbeiten ist das Schloss als Kulturzentrum Schauplatz von Veranstaltungen und Ausstellungen. Heutiger Besitzer ist Franz Albrecht Metternich-Sandor.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Der im Kern, v.a. aber in den Außenbefestigungen erhaltene Ausbau zum Festen Schloss geht auf 2 Bauphasen unter Heinrich Prüschenk ab 1513/17 sowie unter den Hrn. v. Verdenberg ab 1630 zurück. 1633 wird die Schlosskapelle errichtet. Die heutige romantisch-historistische Gestaltung erhielt das Schloss unter Gf. August Ferdinand Breuner-Enkevoirt ab 1840, welche nach seinem Tod bis 1888 fortgesetzt und abgeschlossen wurden.

Baubeschreibung:

Nach Kitlitschka ist in den Basisbereichen des S- und O-Flügels Mauerwerk des späten 15./frühen 16. Jhs. sichtbar. Die nördl. Einfahrt geht, wie ein aus dem frühen 16. Jh. stammendes Rippengewölbe zeigt, auf einen entsprechenden Bauteil des Spätmittelalters zurück. Der Hofseite des O-Traktes ist ein schlanker, runder, oben polygonaler Treppenturm vorgesetzt, dessen Wendeltreppe mit "1533" bezeichnet ist. Das in Frührenaissance-Formen gestaltete Portal dazu ist "1538" datiert. Der äußerlich von den historisierenden Umbauten ausgeklammerte O-Trakt geht somit auf das 16. Jh. zurück, sein heutiges Äußeres mit den frühbarocken Dachgaupen entstammt vermutlich dem Umbau ab 1630. Auf die Entstehungszeit des ehem. allseitig umlaufenden Walles, der, zwischen Schloss und äußerer Umfassung angelegt, die Erdgeschoßzone des Schlosses verbirgt, wird anlässlich der div. Beschreibungen nicht eingegangen. Diese bemerkenswerte, weil anderwärtig kaum erhaltene Anlage ist als Reaktion gegen schwere Feuerwaffen zu sehen. Die gegenüber einer Massivbefestigung vorteilhaftere Erdschüttung bot zudem die Möglichkeit, eigene Artillerie aufzustellen. Das Auftreten solcher Anlagen ist für das 15. Jh. belegt, doch wird die Errichtung hier eher in der frühen Neuzeit anzusetzen sein. Da der Wall auf dem Vischer Stich von 1672 sichtbar ist, wird er spätestens den Ausbauten ab 1630 zuzuweisen sein. In dieser Zeit entstanden unter den Verdenberg der 4-flügelige Schlossbau mit vorspringendem Torbau im N, zwei höherragenden Turmbauten mit Zwiebelhelmen und der noch heute fast vollständig erhaltenen, äußeren Bastionärbefestigung. Die vier 2-gesch., spitzwinkelig angelegten Eckbastionen mit angeschlossenen "Wallhäuschen" eignen sich mit ihren Stück- und Schlüsselscharten vollständig zur Flankierung unter Vermeidung des toten Winkels. Die sehr dekorativ, u. a. mit gebändertem und geböschtem Untergeschoß ausgestatteten Bastionen, verbunden durch gerade laufende, schartenbesetzte Kurtinen brachten dem Bau eine praktisch und traditionell zu sehende Verteidigungsmöglichkeit mit leichter Artillerie. Der umlaufende, zur Wasserführung eingerichtete, sehr breite Graben ist durch eine gemauerte Konterescarpe begrenzt. Dieses so ausgebaute "Feste Schloss" stellt Vischer 1672 dar, wobei der seinerzeitige Bau schon die Basis für den Historismus-Umbau erkennen lässt.
Vermutlich angeregt durch England-Aufenthalte begann Gf. August Ferdinand Breuner-Enkevoirt 1840 mit dem durchgreifenden Umbau im Stil des romantischen Historismus unter Verwendung englischer und süddeutsch-österr. Gotikelemente. Architekt war der spätere Dombaumeister Leopold Ernst. Die etappenweise durchgeführten Arbeiten dauerten bis 1888, wurden auch nach dem Tod des Bauherren 1877 von seinen Nachfahren fortgesetzt, blieben aber letztlich unvollendet. Der trotz Weiterbenutzung frühbarocker Teile weitgehend homogen wirkende, für den österr. Raum kaum Parallelen bietende Bau verdeutlicht den Ausdruck eines neuen Geschichtsbewusstseins und manifestiert adelige Selbstdarstellung und Mäzenatentum. Die Fülle an Detailformen, wie Treppengiebel, Balkone, Erker, Verbindungsgänge, Maßwerkelemente, Wasserspeier, etc. erwirkt den Eindruck eines kulissenhaft-märchenhaften Baues. Die Architektur verbindet sich mit den handwerklichen Leistungen der Innenausstattung zum Gesamtkunstwerk, das vom hochragenden, bergfriedartigen Turm mit Umgang und Erkertürmchen gekrönt wird. Die Prunkräume des Obergeschoßes, wie z. B. die "Wappenstube", der "Rittersaal", der "Blaue Salon", der "Gelbe Salon", etc. sind heute als Museums- und Ausstellungsräume in Verwendung. Die aus der Flucht des O-Traktes vortretende Kapelle mit gotisierendem Polygonalchor wurde 1846/53 erbaut, ein Vorgänger bereits 1633.
Nördl. des Wohnschlosses verteilen sich zahlreiche Gebäudegruppen wirtschaftlicher Funktion, den ehem., mglw. noch auf das Mittelalter zurückreichenden Meierhofbereich bildend, über das Areal des Schlossparks. Der unmittelbar gegenüberliegende, aus dem frühen 18. Jh. stammende Gutshof wurde im Zuge des Schlossneubaues 1844 erneuert, die östl. benachbarte Reitschule entstand 1840/45, die Schlosstaverne 1841. Der gesamte Komplex und der englische Park, tlw. vom Mühlbach durchschnitten, ist von einer Umfassungsmauer mit Wachttürmchen und Toranlagen umschlossen.
Der 1955 schwerst beschädigt an den Eigentümer zurückgestellte Bau konnte ab 1967 unter Mithilfe von Bund, Land, Bundesdenkmalamt, etc. revitalisiert werden. Das Schloss und Teile des ehem. Meierhofbereiches sind heute in ein weitgespanntes Museums-, Kultur- und Gastronomieangebot einbezogen.
(G.R.)