EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Badenweiler

Geschichte:

Die Burg Baden wird erstmals 1122 genannt, als Herzog Konrad von Zähringen "in castro Badin" eine Schenkung beurkundet. Momentan wird allerdings diskutiert, ob sich diese Nennung nicht auch auf Hohenbaden beziehen könnte. Kurz darauf, ab 1130, erscheint ein Ministerialengeschlecht "von Baden". Durch die Heirat mit Clementia von Zähringen erhielt Heinrich der Löwe 1147 die Burg, die 1157/58 bei der Auflösung der Ehe durch Tausch an die Staufer kam, möglicherweise als Reichslehen aber wieder an die Zähringer zurückfiel. Graf Heinrich von Freiburg ließ sich 1272 in Badenweiler nieder. Über die Grafen von Straßberg (Schweiz) kam die Burg 1364 an die Fürstenberger, 1368 an die Stadt Freiburg, dann an Graf Egino IV. von Freiburg. 1399 war die Burg bei Herzog Leopold von Österreich, dessen Gattin Katharina von Burgund hier nach ihrer Trennung lebte. Nach diversen Verpfändungen ging die Burg 1444 an die Grafen von Hachberg-Sausenberg, 1503 an Markgraf Christoph I. von Baden. Anlässlich einer dieser Verpfändungen wurden 1422 und 1424 ausführliche Inventarverzeichnisse erstellt, die von den Waffen bis zum Bettzeug den Hausrat erfassten. Die Burg wurde 1409 von Basler Bürgern in einem Krieg gegen die Habsburger beschädigt und war im Bauernkrieg 1525 angeblich zeitweilig von den Bauern besetzt. Auch im Dreißigjährigen Krieg folgten Belegungen 1633 durch die Kaiserlichen und 1638 durch Bernhard von Weimar. Während des Holländischen Krieges sprengten die Franzosen unter Créqui 1678 die Burg. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die äußerst komplizierte Baugeschichte der Burg ist durch die zahlreichen Sanierungen im 19. Jh. im Rahmen des damaligen Kurbetriebs, seit 1980 in großem Maßstab, stark verunklärt und kann nur noch in Ansätzen ermittelt werden. Palas, Bergfried und angrenzende Bauteile dürften noch dem 12. und dem frühen 13. Jh. angehören. Zwei kleinquadrige Ecken mitten in der nördlichen Mauer östlich des Palas sowie in der südlichen Mauer westlich des Palas (nicht im Plan) dürften noch den ältesten Baubestand des 12. Jhs. anzeigen. Sie deuten eine völlig abweichende Bebauung der Burg an, die zugehörigen Gebäude wurden jedoch schon im hohen bis späten Mittelalter abgetragen. Es wurde zunächst angenommen, dass der rechteckige Palas vielleicht aus einem zähringischen Donjon hervorging, dessen oberer Teil offenbar später abgetragen und mit dünneren Wänden erneuert wurde, um einen geräumigeren und hellen Palas zu erhalten. Durch die baugeschichtliche Untersuchung von S. King konnten mehrere Bauabschnitte nachgewiesen werden.
Der turmartige sog. Hauptbau zeigt mehrere Aufhöhungen; mitten im Bauablauf einer Phase fand eine Verschwenkung der Mauerflucht statt, die sich durch einen Mauerabsatz an der Außenseite abzeichnet. Am östlich angrenzenden Bauteil ist an der nördlichen Außenseite eine ältere, offenbar romanische Mauerecke sichtbar, die zu einem Baubestand abweichender Orientierung gehört. Das Gebäude zeigt ansonsten ebenfalls mehrere Aufhöhungen, die sich jedoch nicht mit den Aufhöhungen am Hauptbau korrelieren lassen. Die ursprünglichen Annahmen ließen sich nicht bestätigen. Bemerkenswert ist, dass mitten im Baufortschritt die Mauerflucht verändert wurde, wie die vorhandenen Mauerabsätze belegen. Der nach Nordosten scheinbar angesetzte Bauteil enthält älteres, offenbar romanisches Mauerwerk. Der nördliche Teil könnte zeitweise ein Hof gewesen sein, dessen nördliche Ringmauer im Spätmittelalter aufgestockt und zu einem Gebäude umgewandelt wurde. Im südlichen Raum wurden drei romanische Rundbogenfenster noch im Mittelalter zu Nischen vermauert. Diese Umbaumaßnahme erfolgte, als außen eine dicke Mauer vorgesetzt wurde und die unterschiedlich alten Bauteile zusammenfasste. Die vorgesetzte Mauer enthält an ihrer südöstlichen Außenseite Megalithmauerwerk wohl des frühen 13. Jhs. (vgl. Schweiz).
Die merkwürdige Bauabfolge läßt vermuten, dass ursprünglich eine ältere, weiter außen verlaufende Ringmauer existierte, die man wohl aus statischen Gründen (Hangerosion?) aufgab. Die auf sicheren Baugrund fundamentierten, zurückgesetzten Gebäudemauern wurden nun gleichzeitig zu den Außenmauern der Burg. Ein zweifach gewinkeltes Mauerfragment südwestlich des Palas dürfte der Rest eines recht kleinen Bergfriedes sein, dessen - durch eine Abplatzung veränderter - Hocheingang in der SW-Seite lag. Weitere Bauten lehnten sich gegen die Innenseiten der Schildmauer und der nordwestlichen Ringmauer, die gegenüber dem Palas merkwürdig nach außen versetzt ist und dadurch weitere baugeschichtliche Fragen aufwirft. Vielleicht liegt hinter ihr eine weitere, ältere Ringmauer, die wegen des Erddrucks abgestützt werden musste. Die Verdickung der Ringmauer und der Bau der Schildmauer gehören vermutlich ins 13. Jh. und definieren wesentlich die heutige Form der Burg. Der nordwestliche Ringmauerzug könnte ins 13. oder eher ins 14. Jh. datieren. Der Rundturm am Tor und die angrenzenden dünneren Zwingermauern stammen wohl aus dem 15. Jh. Die Zwingermauer südlich des Rundturms wurde teilweise neu hochgezogen. In den ältesten Bauteilen der Burg finden sich als Spolien römische Handquader. Östlich des Burgberges liegt unter einem Schutzdach die wohl größte römische Thermenanlage nördlich der Alpen. (H.W.)

Baubeschreibung:

Der steile Burgweg durchquert zuerst eine grabenumfasste, im 17. Jh. bastionär befestigte Vorburg mit Zwingeranlagen des 15. Jhs. und erreicht die Hauptburg von Südosten an einem nicht mehr erhaltenen Tor bei der hoch aufragenden Schildmauer An der Südseite der Kernburg befindet sich die Ruine des rechteckigen Bergfrieds, der zusammen mit dem im Nordosten gelegenen sog. rechteckigen Palas vermutlich zu den ältesten noch erhaltenen Bauteilen der Burg zählt. Nach Nordosten schließen sich an den Palas zwei unregelmäßige Räume an, von denen der nördliche Raum älteres Mauerwerk enthält und zunächst wohl nur als Hof diente, der im späteren Mittelalter zu einem Gebäude umgestaltet wurde. Im südlichen Raum vermauerte man drei romanische Rundbogenfenster des 12. Jhs. zu Nischen. Kennzeichnend für die wohl im frühen 13. Jh. erfolgten Umbauten ist eine vorgesetzte Mauer, die die beiden älteren Bauteile zusammenfasst und an ihrer südöstlichen Außenseite Megalithmauerwerk enthält. An die Schildmauer und die nordwestliche Ringmauer lehnten sich weitere Gebäude an. Bemerkenswert sind Spolien römischer Handquader, die sich in den ältesten Bauteielen der Burg finden. (H.W.; J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine Grabung; Oberflächenfunde des 12.-16. Jhs.