EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Jestetten I

Geschichte:

Ab 1135 sind die Herren von Jestetten erwähnt; als offenbar sehr zahlreicher Ortsadel sind sie mit vielfältigen Urkundennennungen in dieser Region bis 1494 vertreten; ihnen wird man wohl die Erbauung des Unteren Schlosses/des "Heidenturmes" zuschreiben dürfen. Es kam 1457 an die Familie Jünteler aus dem benachbarten Schaffhausen, dann an die Familie Oeningen (Oning). Diese Familie nannte sich in der Folgezeit wiederum Jünteler. Der Turm war anscheinend zeitweise vom Schloss getrennt und von 1443 bis um 1465 Besitz der Schaffhauser Familie "Im Thurm" und anschließend einer Familie Vogt. Über weitere Besitzerwechsel im 16. Jh. (um 1500 Versteigerung, Ludwig Egli von Herdern, Verkauf 1506 an Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, 1510 der Schaffhauser Bürger Ulrich Schad, dann die Grafen von Sulz) kam das Schloss 1586 schließlich an die Familie von Greuth. Ab 1706 befand sich das Untere Schloss im Besitz der Fürsten von Schwarzenberg (Wohnsitze in Böhmen und Wien); sie bewohnten die Jestetter Schlösser nie. Das Schloss sank in Bauzustand und Nutzung ab, es wurden Rebleutewohnungen und später eine Wirtschaft eingerichtet; das Schloss wurde immer unbewohnbarer und zerfiel. Um 1817 erfolgte eine Versteigerung und um 1820 der weitgehende Abbruch. In den Winkel von Ost- und Nordwand wurde ein Haus eingefügt. (H.W.)

Bauentwicklung:

Von einem quadratischen Turm des 12. Jhs. oder um 1200 waren nur noch Mauerteile aus großen groben Kalksteinblöcken mit zwei Ecken erhalten. Er stand auf einem niedrigen Hügel über dem Volkenbach, dessen Untergrund aus Kalkstein besteht. Im 13. Jh. wurde eine etwa quadratisch umlaufende Ringmauer errichtet; damit entspricht die Erscheinungsform der Burg einer Niederungsburg. Im Süden wird die Burg von einem quadratischen, später dunkel verfüllten Graben begrenzt. Er ist heute noch wasserhaltig und führte nach dem Eintrag der Burg auf einer Landkarte von 1667 auch ehemals Wasser. Das vom Bach abgeleitete Wasser wurde in der Neuzeit anders gefasst und als Kanal parallel zum ehemaligen Burggraben zur benachbarten Obermühle geleitet. Ins 14./15. Jh. gehören einige nachträglich eingezogene Innenwände der Burg und eine kleine Abortgrube innen an der Ringmauer. Im 16. Jh. wurde außen an der Ostwand (Ringmauer) ein Kapellenchor angesetzt, an der Südseite ein Latrinenschacht und an der SW-Ecke ein Rundturm. Der Zugang zur Burg erfolgte durch die Nord- oder Westseite, in der Umgebung der NW-Ecke. Auf einem Plan von 1774 sind weitere Baudetails überliefert. Von einem dort abgebildeten Treppenturm wurden noch Reste einer Wendeltreppenstufe gefunden. Im 18. Jh. war der Graben im Süden zusedimentiert und die NW-Ecke der Burg abgerissen. In der Folgezeit reduzierte sich der Baubestand immer mehr; im 19. Jh. wurde ein Wohnhaus in den nordöstlichen Mauerwinkel eingebaut und später durch eine Ökonomie mehrfach nach Süden erweitert; die Ringmauer im Westen wurde niedergelegt. (H.W.)

Baubeschreibung:

Die Burg, auch als Unteres Schloss, Turm oder Heidenturm bezeichnet, befand sich ehemals am südwestlichen Ortsrand. Durch die neuere Bebauung der Umgebung ist die Geländesituation heute verunklärt. Die wegen einer falschen Lokalisierung in der Literatur meist unerkannt gebliebene Burg war teils noch als aufgehender Baubestand im Mauerwerk eines Hauses des 19. Jhs., teils nur noch als Fundamente im Boden erhalten. Bei einem weitgehenden Abriss und einer Neubebauung des Geländes im Jahre 2000 wurde der Grundriss archäologisch und baugeschichtlich erfasst. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabung vor dem Abriss, unter schwierigen Bedingungen und Zeitdruck, außerdem baugeschichtliche Untersuchung 2000.