EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Wieladingen

Geschichte:

Die Burg Wieladingen war im 13. und 14. Jh. Sitz der gleichnamigen Familie, die zwischen 1265 (Rudolf von Wieladingen) und 1376 urkundlich fassbar ist. Die Wieladinger waren "Kleinmeier" des Damenstifts Säckingen. Aufgrund ihres Wappens mit drei Fiedeln könnte es sich bei ihnen um eine Nebenlinie der Herren vom Stein handeln. Die Herren vom Stein (und ihre Nachfolger, die von Schönau) waren Großmeier des Stifts Säckingen, die Wieladinger Kleinmeier. Offenbar wurde ein ursprüngliches Meieramt nachträglich geteilt. Die Wieladinger übten die niedere Gerichtsbarkeit an mehreren Dinghöfen aus; sie erhielten Abgaben und verfügten auch über Eigengut. Ob die Burg auf Eigengut oder als Amtssitz auf Klostergrund errichtet wurde, lässt sich nicht sicher bestimmen. Die Burg selbst wird erstmals 1314 genannt, als eine Urkunde in Wieladingen ausgestellt wird. In diesem Zusammenhang ist auch von "alte Wieladingen" die Rede, offenbar ein früherer Wohnsitz (oder ein Teil der Burg?). Der Bau der Burg und die ständigen Repräsentationspflichten führten offenbar zu finanziellen Problemen; seit 1306 sind in den Wieladinger Urkunden Güter- und Zinsverkäufe gehäuft erkennbar. Hartmann III. von Wieladingen gab 1373 sein Meieramt gegen 875 Goldgulden an das Stift Säckingen zurück. Er soll sich auch von der Burg in ein Haus in Säckingen zurückgezogen haben. Letztmalig taucht er 1379 als Urkundenzeuge auf. Die Familie muss Ende des 14. oder im 15. Jh. ausgestorben sein oder wurde bedeutungslos. Anscheinend hatte auch das Haus Österreich einen Anteil an der Burg, wie eine Notiz des 16. Jhs. andeutet. Sie bezieht sich auf die Zeit um 1370; die Habsburger hatten den Burgteil als Lehen ausgegeben. Die Habsburger waren Vögte von Säckingen, standen also wie die Meier in einem Rechtsverhältnis zum Kloster. Welchen Teil der Burg (Ober- oder Unterburg) sie jedoch innehatten bzw. als Lehen ausgeben konnten, wird leider nicht klar. Diese Notiz wirft jedoch ein Schlaglicht auf die bauliche und wegemäßige Trennung der Burg. Um 1400 soll sich nach einer Legende Diebold von Geroldseck im Besitz der Burg befunden haben, was jedoch weit vom sonstigen Aktionsraum der Geroldsecker entfernt wäre.
Es ist unklar, ob die Burg etwa an die Großmeier (die Herren von Schönau als Nachfolger derer vom Stein) kam. Die Herren vom Stein waren schon um 1350 ausgestorben. Das Kleinmeieramt verblieb beim Stift. 1520 ist Hieronimus Baldung, der Onkel des berühmten Malers Hans Baldung Grien, im Besitz der Burg genannt. Er wurde wohl von Habsburg belehnt; die Burg sei "wohl seit langem verfallen" gewesen, daher lebte er wohl nicht dort. Nach den Funden wurde die Burg noch bis ins frühe 16. Jh. genutzt. Zwischen 1643 und dem frühen 19. Jh. gehörte die Ruine und der Besitz der Familie Zweyer von Evebach, später diversen Besitzern. (H.W.)

Bauentwicklung:

Im Unterschied zu zahlreichen anderen Burgen des Oberrheingebiets liegt zur Burgruine Wielandingen eine fundierte baugeschichtliche Untersuchung vor (vgl. Schwoerbel, Burgruine Wielandingen, 1998). Die Erbauung der Oberburg dürfte in die Zeit um 1200 gehören, die der Unterburg erst um 1300 oder ins 14. Jh. Nach dem Einsturz des Torgebäudes 1982 wurde 1984 ein Förderkreis zur Rettung der Burgruine gegründet; die gut dokumentierte Sanierung konnte 1996 abgeschlossen werden. (H.W.)

Baubeschreibung:

Die etwa 70 m lange Burganlage erstreckt sich in malerischer Lage über der Murg auf einem schmalen Felsrücken in Richtung NW-SO. Sie ist in eine nördlichere Oberburg und in eine Unterburg im Süden gegliedert. Der südliche Abschluss der Oberburg verläuft gerundet. Die Unterburg liegt einige Meter tiefer, ist jedoch nicht durch einen Graben von der Oberburg getrennt. Die gerade verlaufende westliche Ringmauer der Unterburg setzt mit einer Fuge an diejenige der Oberburg an. Die Unterburg verfügt über ein kleines gotisches Tor in der westlichen Ringmauer, von dem aus ein wohl weniger bedeutender Weg nach Süden, hinunter nach Murg (?), verläuft. Zwischen Oberburg und Unterburg ist heute zunächst kein Übergang erkennbar; dieser Befund ist festzuhalten. Nach Ansicht von Schwoerbel ist eine gemauerte Rundung am Ende der Unterburg der Rest eines Treppenturmes, der die Verbindung ermöglichte. Es stellt sich hier allerdings die Frage, ob es sich um eine späte Konstruktion handelt, die nachträglich angebracht wurde. Der alte Zugang zur Burg Wieladingen verlief offenbar von oben, von Westen her. Eine gemauerte, erdhinterfüllte Struktur am linken, hier nördlichen Ufer des Lehenbächle dürfte eine Staumauer und gleichzeitig auch einen brückenartigen Bachübergang darstellen. Möglicherweise verlief der Zugang zur Burg dann zunächst nach Norden, durch ein Tälchen mit künstlich versteilten Böschungen, und wandte sich dann erst nach Süden. Auf der deutlich sichtbaren Trasse erreicht sie den Halsgraben, den sie mit einer Brücke überschritt. Weiter südlich erreichte der Weg das romanische Burgtor der Oberburg, unterhalb des Bergfrieds. Möglicherweise gab es parallel dazu, talseitig, einen weiteren, separaten Zugangsweg zur Unterburg. Mauerspuren nördlich der Burg und das gotische Burgtor direkt neben dem romanischen weisen darauf hin. Das gotische Burgtor ist mit dem direkt dahinterliegenden Bauteil nach außen vorgeschoben und tiefer unten am Hang fundamentiert. Zur Fortsetzung des Weges außen entlang der östlichen Ringmauer der Oberburg könnten Holzverankerungen an dem Felssims bestanden haben; das wäre noch zu überprüfen. An der NO-Ecke der Unterburg kragt ein halbrundes Bauteil turmartig nach außen vor; hier könnte sich das Tor der Unterburg befunden haben. Es deutet sich dadurch insgesamt eine Ganerbensituation an, wie sie schwach auch in den Schriftquellen aufscheint. Markantestes Bauteil der Oberburg ist der quadratische Bergfried; sein Mauerwerk besteht aus Gneis, die Ecken aus Sandsteinbuckelquadern. Südlich davon zeigen Balkenlöcher und Stockwerksabsätze ein Gebäude entlang der westlichen Ringmauer an. Die Unterburg zeigt zunächst im Norden einen kleinen Hof mit einem gotischen Burgtor nach Westen. Eine querlaufende Mauer zeigt ein Gebäude an, das im südlichsten Teil über einen Keller verfügte. Auch dieses Gebäude ist vor allem durch die Balkenlöcher gut erkennbar. Östlich der Unterburg befindet sich eine tieferliegende ummauerte Terrasse (nicht begehbar). Nach dem teilweisen Einsturz der Toranlage im Norden im Jahre.1982 wurde die Burg baugeschichtlich untersucht, saniert und die Ergebnisse veröffentlicht. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Kleinere Grabungsflächen in der Oberburg, vor allem an den Bergfried angrenzend, sowie am Hang. Reichliches Fundmaterial, publiziert. Gesamte Burg photogrammetrisch und baugeschichtlich untersucht, publiziert.