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Neu-Windeck an der Sieg

Geschichte:

Zusammen mit der benachbarten Burg Alt-Windeck wird Neu-Windeck erstmals 1174 urkundlich erwähnt. Als Initiatoren der Burggründung gelten die Landgrafen von Thüringen (zur Geschichte der Burg Neu-Windeck vgl. auch die Ausführungen zu Alt-Windeck). 1174 gelangte die Burg Neu-Windeck als Lehen an die Grafen von Berg. Sie konnten 1267 schließlich auch die Burg Alt-Windeck erwerben und verfügten somit über zwei wichtige Stützpunkte am Mittellauf der Sieg. Seit der Mitte des 13. Jhs. Bildete Neu-Windeck den administrativen Mittelpunkt eines im 14. Jh. erstmals als Amt bezeichneten Verwaltungsbezirks in dem Territorium der Grafen bzw. seit dem Ende des 14. Jh. Herzöge von Berg. Für die Inhaber der zahlreichen mit der Landesburg verbundenen Burglehen entstanden im Umfeld von Neu-Windeck zahlreiche Burghäuser, von denen die Anlagen von Mauel und Zum Hof erhalten blieben. Ihre Bedeutung als militärische Operationsbasis und bedeutende bergische Grenzburg gegen das saynische Territorium büßte Neu-Windeck 1363 mit dem Übergang von Burg und Stadt Blankenberg an den 1380 zum Herzog erhobenen Grafen Wilhelm I. von Jülich-Berg (1360-1408) ein. Im 15. und 16. Jh. diente Neu-Windeck häufig als Pfandobjekt. Während des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 wurde die Burg mehrfach von feindlichen Truppen erobert und besetzt. Im Jahre 1648 wurden die Befestigungsanlagen geschleift. Die endgültige Zerstörung der Anlage erfolgte 1672 durch französische Truppen. Den Sitz des Amtmanns verlegte man nach Denklingen. Im Jahre 1852 erwarb der Landrat des Kreises Waldbröl, Oskar Danzier, den seit 1815 im Besitz der Preußischen Domänenverwaltung befindlichen Windecker Schlossberg und ließ im südöstlichen Bereich des Hauptburgareals ein Landhaus errichten. Nach dem Übergang der Burgruine an die Familie Caminneci wurde das Landhaus 1899/1900 erweitert. Die Ruinenreste des 1945 durch Artilleriebeschuss zerstörten Landhauses trug man 1962 ab. Der Rhein-Sieg-Kreis leitet als Eigentümer der Burgruine 1987 eine umfangreiche Sanierung der imposanten Ruine ein. (J.F.)

Bauentwicklung:

Wertvolle Erkenntnisse zur baulichen Entwicklung der Burg und zur Anlagegestalt wurden im Kontext der 1987 eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen gewonnen. Das Erscheinungsbild der mächtigen Abschnittsburg wird im Wesentlichen durch den Ausbau der Anlage im Spätmittelalter bestimmt. Zum ältesten Baubestand gehören vermutlich Teile des mächtigen runden Hauptturmes und der am Zugang zur Kernburg gelegen Kapelle mit ihrer halbrunden Apsis. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Kapelle in einen Profanraum umgestaltet. Die freigelegten Zwingeranlagen mit halbrunden Schalentürmen datieren sehr wahrscheinlich in das 14. oder 15. Jh. Der südöstliche Teil des Burggeländes entzieht sich durch die dort vorgenommenen Planierungsarbeiten im Zuge des Landhausbaues Ende des 19. Jh. einer Befundung. An der Nordseite ist der spätmittelalterlichen Anlage eine frühneuzeitliche Bastion vorgelagert, die vermutlich zwischen 1602 und 1609 nach Plänen des jülich-bergischen Hofbaumeisters Johann Pasqualini aufgeführt wurde. (J.F.)

Baubeschreibung:

Typologisch zählt Burg Neu-Windeck zur Gruppe der Abschnittsburgen. Aufgrund der exponierten Stellung des mächtigen runden Hauptturms vor dem Areal der Kernburg ist sie darüber hinaus als Frontturmburg anzusprechen. Die zweiteilige, sich über eine Länge von 120 m in Nord-Südrichtung erstreckende, etwa 30 bis 40 m breite Höhenburg gliedert sich in eine im Norden gelegene Vor- und eine sich südlich anschließende Hauptburg. Den Zugang zur Kernburg sicherten der mächtige Halsgraben sowie drei Toranlagen. Unmittelbar unterhalb des mächtigen runden Hauptturms, der bei einem Durchmesser von 12 m an seiner Basis eine Mauerstärke von etwa 4 m aufweist, liegen die freigelegten Mauerreste der Burgkapelle mit einer halbrunden Apsis. Von dem in der Literatur als "Palas" bezeichneten Wohngebäude blieben an der Südseite des Innenhofes nur wenige Mauerzähne erhalten, die 1968 zu einer frei rekonstruierten Fassade mit kleinen Fenstern ergänzt wurden. Beachtung verdient der an der Nordseite halbrunde Westbau, der eine Treppenanlage zu der weitläufigen Zwingeranlage auf der Nordwestseite aufnimmt. Die mehrfach im stumpfen Winkel gebrochene Zwingermauer an der Nordwestseite weist fünf halbrunde Schalentürme mit Schießscharten für Bogen- und Armbrustschützen auf. An der Nordseite ist dem Zwinger eine frühneuzeitliche Bastion aus dem beginnenden 17. Jh. vorgelegt. Die Wasservorsorgung der Burgbesatzung wurde durch zwei Zisternen sicher gestellt. (J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Burgruine wird seit 1987 saniert und archäologisch untersucht. Die Ergebnisse der Grabungen wurden im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises publiziert. Einzelne Funde werden im Heimatmusuem Alt-Windeck aufbewahrt. (J.F.)