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Breiteneich

Geschichte:

1168 erscheint erstmals eine Adelsfamilie, die sich nach Breiteneich nennt. Eine weitere Nennung datiert aus 1223. Nach dem HONB sind auch 1280, 1297 und 1366 Nennungen "de Preitineich" vorhanden. Um 1400 wird Jörg der "Praytenaycher" genannt, 1429 auch eine "capella castri Praittenaich". Um 1541 erfolgt der Renaissance-Neubau unter den Hrn. v. Schneckenreith. 1672 zeigt die Abbildung Vischers auch bereits das "Neue Schloss". Ab 1766 ist Breiteneich Besitz der Gf. Hoyos, A. d. 20. Jhs. erscheinen Nilla Groeger und Auguste v. Roretz als Eigentümerinnen. Heute ist das Schloss im Besitz von Dr. Christian Lippert. (G.R.)

Bauentwicklung:

Das heutige Schloss, als weitgehend regelmäßige, 3-4-gesch. 4-Flügelanlage charakterisierbar, resultiert aus dem Neubau unter den Hrn. v. Schneckenreith um 1540, doch ist anhand mehrerer Indizien das Einbeziehen älterer, spätmittelalterlicher Bauteile erkennbar. Der Neubau benutzt offensichtlich den Bering der Vorgängeranlage, der ein leicht verschobenes Rechteck von ca. 30 x 28 m bildet und dessen hohe Mauerstärken von ca. 2 m sich bis in höhere Zonen fortsetzen. Die Ecken des Berings sind durch breite Polygon-Seiten ersetzt, von denen jene im SO, erkennbar an den geringen Mauerstärken, jedoch dem Neubau zuzuweisen ist. Eine leichte Abwinkelung des östl. Berings markiert den Beginn der jüngeren Mauer. Ein im Obergeschoß des W-Traktes vermauertes, heute hochgelegenes und folglich funktionsloses Spitzbogenportal weist, wie ein breiter Mauerabsatz im Dachgeschoß des S-Traktes, auf eine Änderung der Geschoßteilung bzw. -höhen anlässlich des Neubaues hin. Das Portal und das in einem benachbarten Kellerraum im NW sichtbare, lagerhafte Bruchsteinmauerwerk datieren mglw. noch in das 14., zumindest in das frühe 15. Jh. (G.R.)

Baubeschreibung:

Das Schloss liegt nur mäßig erhöht im nördl. Bereich der KG Breiteneich, unmittelbar an der ortsdurchquerenden Straße Horn-Sigmundsherberg. Während das sog. "Neue Schloss" mit seinem O-Trakt unmittelbar an die Straße reicht, entzieht sich das architektonisch überaus bedeutende "Alte Schloss" durch eine hohe Parkeinfriedung den Blicken von dieser Seite.
Der heutige Bau, als weitgehend regelmäßige, 3-4-gesch. 4-Flügelanlage charakterisierbar, resultiert aus dem Neubau unter den Hrn. v. Schneckenreith, doch ist anhand mehrerer Indizien das Einbeziehen spätmittelalterlicher Bauteile erkennbar.
Anlässlich des Neubaues um 1540 entstand die noch heute erhaltene Schlossanlage, eine der frühesten Schlossbauten der Renaissancezeit des Landes. Die über mehrere Bauinschriften exakt datierten Bauteile, sowie die Parallelität von noch der Spätgotik verhafteten Formen und reinen Elementen der Frührenaissance, mglw. als Bauetappen oder als "Wertigkeit" der Bauteile erklärbar, dokumentieren hier in sehr reizvoller Art das Annähern an die Formen der Renaissance. Die Grundrissentwicklung zeigt deutlich die phasenweise Errichtung der randständigen Trakte, die durch das Integrieren älterer Teile nur äußerlich eine bedingte Regelmäßigkeit zeigen. Der mit Ausnahme der S-, bzw. Hauptfront relativ nüchtern dekorierte Bau ist neben den Fensterprofilierungen feld- und hofseitig durch einen umlaufenden Konsolfries und durch aufgemalten Ortsteindekor akzentuiert. Die S-Front wurde bei der Errichtung des neuen, zentral situierten Torturmes durchbrochen. Der als einziger Bauteil die Dachzone durchbrechende Bauteil ist mit einem spitzen Zeltdach versehen, im Erdgeschoß besitzt er die neue Toranlage, ein Segmentbogentor mit Blendnische und Rollen der ehem. Zugbrücke. Der Renaissancedekor des Steingewändes, u. a. mit Porträtmedaillons, ist über eine Inschrifttafel des Erasmus v. Schneckenreith in der Attikazone mit "1541" datiert. Das Vorhandensein einer ehem. Zugbrücke schließt auch einen ehem., später verebneten Graben ein, beide Elemente weisen auf die leichte, traditionell-symbolisch zu sehende "Befestigung" früher Schlossbauten. An der südwestl. Gebäudeschräge sitzt ein 2-gesch. Erker auf einer massiven Basis, wie der Torturm zeigt er mehrere, seitliche Spionfensterchen. Die Bauteile der S-Front, besonders die Fensterzonen, sind durch Groteskmotive in Sgraffitotechnik geschmückt, die 1965/70 restauriert wurden, inschriftdatiert jedoch urspr. aus dem Jahr 1592 stammen. Die N-Front ist durch einen zentralen, halbrunden, turmartigen Anbau akzentuiert, der im Erdgeschoß ein mglw. spoliertes Schulterbogenportal, den Eingang vom nördl. Meierhof, aufweist. Im Obergeschoß bildet der Turm die apsisartige Erweiterung einer im N-Trakt angelegten Raumsituation, die wegen ihrer mehrteiligen, sternförmigen Zellengewölbe der Zeit um 1540 als ehem. Kapelle gedeutet wird. Der rechteckige Binnenhof zeigt nördl. und südl. Arkadengänge, im Erdgeschoß auf Pfeilern, im Obergeschoß auf toskanischen Säulen ruhend. Der nördl. ist durch eine in spätgot. Formen gestaltete Maßwerkbalustrade geschlossen, der südl. besitzt ein 5-teil., profiliertes Stuckgratgewölbe mit hängenden, rudimentären Schlusssteinen. Als Kommunikationswege sind ausschließlich 2 Treppentürme mit freitragenden Schneckenstiegen mit profilierten Handläufen in der NW- und SO-Ecke des Hofes vorhanden. Das Renaissanceportal des in den Hof vortretenden nordwestl. Treppenturmes ist mit "1548" bezeichnet. Die weiteren Detailformen des Hofes und einzelner Innenräume sind z. T. der Spätgotik verhaftet, wie z. B. anhand mehrerer profilierter Kreuzfenster mit Verstäbungen und gedrehten Basen erkennbar ist, großteils jedoch in zeitspezifischen Renaissanceformen durchgestaltet. Einige Fensterprofilierungen weisen in die Zeit um 1600. Der im Hof gelegene Brunnen stammt in seinen heutigen Formen aus der 1. H. d. 17. Jhs.
Die Räume des Erd- bzw. Kellergeschoßes und tlw. des 1. Obergeschoßes sind durchwegs tonnen- bzw. kreuzgratgewölbt, in den oberen Geschoßen sind durchwegs Balken- bzw. Flachdecken, teils aus dem frühen 17. Jh., vorhanden. Der durch den Erker im SW gekennzeichnete, stichkappengewölbte Raum des 1. Obergeschoßes zeigt gut erhaltene Groteskmalereien der Zeit um 1600. Die Mehrzahl der Innenräume sind für die Bewohnung adaptiert bzw. vorgesehen, die dazu nötigen Eingriffe, wie auch die bisher erfolgten Restaurierung wurden nur im nötigsten Maß durchgeführt.
Das Schloss wird allseitig, vor allem im N, S und W von einem großen Park- und Meierhofgelände umschlossen. Der nördl., 3-flügelige Meierhofbereich stammt aus dem 17. und 18. Jh. Knapp südl. liegt im Verlauf der Umfassungsmauern das "Neue Schloss", eine 3-gesch., 2-Flügelanlage der 1. H. d. 17. Jhs., deren Fassadengestaltung aus dem 2. V. d. 18. Jhs. stammt und die nur gering in der 1. H. d. 19. Jhs. erweitert wurde. Die gegenüber der Ortsstraße situierte Ortskapelle wäre nach Dehio mit der 1429 genannten "capella" zu identifizieren. (G.R.)