EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Hardegg an der Thaya

Geschichte:

Die Gfn. v. Plain dürften im Zuge der Ungarnkriege knapp nach 1100 nach Österreich gekommen sein und an der nördl. Grenze zu Mähren gemeinsam mit ihren Gefolgsleuten autogen eine Hft. aufgebaut haben, wobei das Zentrum die Burg Hardegg bildete. Ein Teil der Hft. bestand auch aus landesfürstlichen Lehen. Ein Gefolgsmann, der sich nach Hardegg nennt, ist aus der M. d. 12. Jhs. bekannt, von den Gfn. selbst ist dies erstmals 1187 nachzuweisen. Die Plain-Hardegger zählten in der Folge neben der Kuenringern zu den mächtigsten Adeligen des Landes. 1260 sterben die männlichen Plain-Hardegger aus, die Witwe Eufemia heiratete zunächst Heinrich v. Dewin und dann Berthold v. Rabenswalde, der die Stadt Retz gründete, wohin sich nun das Zentrum der Hft. verlagerte. Schließlich beerben zu Beginn des 14. Jhs. die Neffen Bertholds, die (ehem.) Bgfn. v. Maidburg (Magdeburg), diesen. Seit ca. M. d. 13. Jhs. hielten aber auch die oberösterr. Gfn. v. Schaunberg aufgrund eines Erbes Teile der Hft. in ihren Händen, die sie erst im Zuge der sog. Schaunberger Fehde (ca. 1380) wieder an die Gfn. v. Hardegg verloren. Im Laufe des 14. Jhs. ist die Geschichte der Gfn. v. Maidburg-Hardegg einerseits durch erstaunliche Karrieren am Hofe Karls IV. in Prag, andererseits durch zahlreiche Herrschaftsteilungen gekennzeichnet. 1388 erfährt man, dass auch die Burg geteilt ist, nämlich in das "Vordere Haus" (mit einer Johanneskapelle) und in das "Hintere Haus" (mit einer Georgskapelle). In der 2. H. d. 14. Jhs. gerieten die Gfn. v. Maidburg-Hardegg in große Schulden und konnten diese nur durch einen Vertrag mit dem Landesherrn 1392 loswerden, indem sie diesem bei Aussterben das Erbrecht zugestanden. Dieser Fall trat dann 1481 (bzw. 1483) ein. Hardegg ist vorübergehend Pfandbesitz der Gfn. v. Pösing. 1495 gelangt die Hft. durch K. Maximilian I. an Heinrich Prüschenk, der noch im selben Jahr zum Rgfn. v. Hardegg erhoben wird. Nach einem Brand erfolgen 1506 Umbauarbeiten. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges setzt langsam der Verfall der Burg ein, die 1672 von Vischer noch als stattlicher Bau gezeigt wird. 1656 verkaufen die Prüschenk-Hardegg an die Gfn. v. St. Julien, diese 1730 an Sigmund Gf. Khevenhüller. 1745 fügt ein Erdbeben dem Bau weitere Schäden zu, 1764 wird den Hardegger Bürgern das Abführen von Baumaterial gestattet. 1878 bis 1905 erfolgt schließlich der tlw. Wiederaufbau durch Johann Carl v. Khevenhüller nach Plänen von Carl Gangolf Kayser und Humbert Walcher v. Molthein, bei dem auch die Errichtung einer Familiengruft und die Einrichtung einer Gedächtnisstätte für Maximilian v. Mexiko erfolgt. Nach 1956, nach Rückgabe der von der russischen Besatzungsmacht beschlagnahmten Burg, erfolgen notwendige Restaurierungsarbeiten. Eigentümer ist heute die Gf. Pilati GesmbH., Riegersburg. (G.R.)

Bauentwicklung:

Die zahlreichen, über mehrere Jahrhunderte anzusetzenden Ausbauphasen gaben der Burg ein stark gegliedertes, durch die Höhenstaffelung des Areals geprägtes Erscheinungsbild, das noch heute, verstärkt durch die exponierte Felslage, reinen Burgcharakter vermittelt. Die Funktion als Zentrum einer hochadeligen Herrschaftsgründung ist anhand der Verwendung zahlreicher, die Sitzqualität vermittelnder, qualitativ hochstehender Einzelbauten verdeutlicht. Die bereits von älteren Forschern vermutete Altburg konnte anlässlich archäologischer Untersuchungen 1977/82 auf dem knapp 30 m im Durchmesser messenden höchsten Plateau im Zentrum des Gesamtareals aufgedeckt und untersucht werden. Teile eines polygonal geführten Massiv-Berings sind nach neueren Forschungsergebnissen von Patrick Schicht über die kleinteilige, lagige und durch einzelne "opus-spicatum" Einschübe geprägte Mauerstruktur in die 1. H. d. 12. Jhs. zu datieren. In der Bering-N-Ecke konnte die Basis eines ca. 8 x 10 m großen, sekundär eingestellten Turmes ergraben werden, der durch die lagige, großteils plattige und sehr tektonisch ausgebildete Mauerstruktur in die 1. H. d. 12. Jhs. datiert werden kann.
Ein starker Ausbauschub, der zu einer flächenmäßigen Vergrößerung führte, dürfte bereits in der 2. H. d. 12., bzw. im 4. V. d. 12. Jhs. erfolgt sein. Als zugangssichernder, repräsentativer Bauteil entstand der weit vorgelagerte, bergfriedartige O-Turm, dessen primäre Mauerteile streng lagiges, hammerrechtes Bruchsteinmauerwerk mit bereits exakter Eckausbildung zeigen. Durch den Turm ist bereits für das späte 12./frühe 13. Jh. ein vorburgartiger Bereich im O der Altburg zu vermuten. Dem Turm verwandte Mauerstrukturen zeigen Teile des heutigen, den Altburgbereich im S und W begrenzenden Mauerzuges, der im SW Reste einer zugesetzten Öffnung, vermutlich das ehem. Burgtor, erkennen lässt. Im NW, wo er durch besonders sorgfältige Mauertechnik hervorsticht, müsste er Teile des in das 11. Jh. datierten, örtlichen "Altberings" ersetzt haben. In das späte 12. Jh., frühe 13. Jh. kann der vom O-Turm wegziehende NO-Bering gesetzt werden, der im N, neben einem 3-eckig vorspringenden Abschnitt die ehem. Toranlage, mglw. in Form eines Flankentores, ausbildet. Hochmittelalterliche Mauerkompartimente mit örtlichen "opus-spicatum"-Einschüben sind auch in den südl. und westl. der Altburg vorgelagerten Bauteilen einbezogen. Es ist daher wohl anzunehmen, dass die im späten 12. Jh. beginnenden Ausbauphasen zumindest im Laufe der 1. H. d. 13. Jhs. auch die im W der Altburg situierte Terrasse und den Abhang im N umschlossen. Entlang der nordöstl. Beringfront wurde ein mehrteiliger, vermutlich jedoch einheitlich konzipierter, 11 m breiter und 48 m langer Saalbau errichtet, der durch Verfall, Umbau und rezente Überbauung nur partiell zu erfassen ist und vermutlich Wohn- und Repräsentativfunktionen erfüllte. An der Basis des späteren zentralen Bergfriedes weisen Mauerteile mit lagigen Strukturen auf einen älteren, vom Turm abgelösten und überbauten Bauteil, mglw. noch des späten 12./frühen 13.Jhs., hin. Seebach rekonstruiert hier die ehem. Kapelle.
Ab 1300, verstärkt im 14. Jh. (naheliegend nach der Übernahme durch die Gfn. v. Maidburg-Hardegg 1314) erfährt die Anlage in zahlreichen Phasen Verstärkungen und Umbauten, die einerseits mehrfach Bauteile des 12. und 13. Jhs. ersetzten, andererseits die noch heute vorhandene, mehrhöfige, stark durchgliederte Anlage entstehen ließen. Als markante Bauteile entstanden u. a. W-Turm und der eigentliche Bergfried im Zentrum der Burg, dessen zu exakten Arbeitshöhen zusammengefasstes Bruchsteinmauerwerk in die 1. H. d. 14. Jhs. weist. Durch Funde ist auch der innere Ausbau des Altburg-Bereiches im 14. und 15. Jh. erschließbar.
Spätere Bauphasen des 15. und 16. Jhs., etwa der Umbau des "Kastens" im W der Altburg im 16. Jh., brachten keine nachhaltigen Veränderungen.
Stärkere Eingriffe sind allerdings im Zuge des Wiederaufbaues zw. 1878 und 1905 anzunehmen, die nach zwischenzeitlichem Verfall zur Rettung des Baues beigetragen haben. Der Wiederaufbau, der vor allem auf den S-Trakt ("Palas"), den O-Turm und auf Teile des Saalbaues zu beziehen ist, ist durch romantisierende Details, nicht zuletzt durch den Einbau einer Kapelle mit Gruft im S-Trakt gekennzeichnet, gliedert sich jedoch harmonisch in den Altbau ein.

Baubeschreibung:

Die zahlreichen, über mehrere Jahrhunderte anzusetzenden Ausbauphasen gaben der Burg ein stark gegliedertes, durch die Höhenstaffelung des Areals geprägtes Erscheinungsbild, das noch heute, verstärkt durch die exponierte Felslage, reinen Burgcharakter vermittelt. Die Funktion als Zentrum einer hochadeligen Herrschaftsgründung ist anhand der Verwendung zahlreicher, die Sitzqualität vermittelnder, qualitativ hochstehender Einzelbauten verdeutlicht.
Als zugangssichernder, repräsentativer Bauteil zeigt der der Kernburg weit vorgelagerte, bergfriedartige O-Turm in seinen primären Mauerteilen streng lagiges, hammerrechtes Bruchsteinmauerwerk mit bereits exakter Eckausbildung. Dem Turm verwandte Mauerstrukturen zeigen Teile des heutigen, den Altburgbereich im S und W begrenzenden Mauerzuges, der im SW Reste einer zugesetzten Öffnung, vermutlich das ehem. Burgtor, erkennen lässt. Im NW sticht er durch besonders sorgfältige Mauertechnik hervor. Der vom O-Turm wegziehende NO-Bering bildet im N, neben einem 3-eckig vorspringenden Abschnitt die ehem. Toranlage, mglw. in Form eines Flankentores, aus. Hochmittelalterliche Mauerkompartimente mit örtlichen "opus-spicatum"-Einschüben sind auch in den südl. und westl. der Altburg vorgelagerten Bauteilen einbezogen.
Entlang der nordöstl. Beringfront wurde ein mehrteiliger, vermutlich jedoch einheitlich konzipierter, 11 m breiter und 48 m langer Saalbau errichtet, der durch Verfall, Umbau und rezente Überbauung nur partiell zu erfassen ist und vermutlich Wohn- und Repräsentativfunktionen erfüllte. Die heutige, dem Wiederaufbau entstammende Befensterung des Museumssaales im 1. Obergschoss des Baues besteht zum Teil aus rezenten Biforen, wobei für 2 Öffnungen jedoch hochmittelalterliche Spolien verwendet wurden, die sich relativ sicher zu einem kompletten Biforenfenster rekonstruieren lassen. Mglw. ist mit einer ehem. durchgängigen Biforen-Befensterung des repräsentativen Saal- bzw. Hallenbaues zu rechnen.
In der heute vorhandenen, mehrhöfigen, stark durchgliederten Anlage entstanden als markante Bauteile u. a. der bergfriedartige, schlanke W-Turm und der ca. 11 x 8 m große eigentliche Bergfried im Zentrum der Burg, mit zu exakten Arbeitshöhen zusammengefasstem Bruchsteinmauerwerk. Durch ausgedehnte Zinnenmauern geprägte, mehrtorige Zwinger- und Vorburganlagen umfassten letztlich die Terrassen im W, N und O der Burg. Gegen SO vorgelegte Zwingeranlagen mit dem 1. Burgtor reichen bis in den hier weit vorgezogenen Bereich der Stadtbefestigung, die hier den gemeinsamen Zugang zu Stadt und Burg sichert und durch den Stadt- oder Uhrturm aus dem 14. Jh. geprägt ist. Von hier, bzw. von den nördl. Vorwerken der Burg, nehmen die Mauern der Stadtbefestigung ihren Ausgang und umschlossen auch die auf einer Terrasse im NO der Burg situierte Pfarrkirche und den Karner des 13. Jhs. (G.R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Ausgrabungen des Bundesdenkmalamtes 1977/82 im Bereich der Altburg auf dem höchsten Plateau mit Frunden des 12.-15./16. Jahrhunderts