EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Ottenstein b. Peygarten

Geschichte:

Hugo de Ottenstaine" ist zwischen 1177 und 1192 mehrfach urk. nachzuweisen. Neuere Forschungen setzen die Gründung der Burg zwischen 1159 und 1177 an. Das Ministerialengeschlecht der Hrn. v. Ottenstein, wie die Rastenberger unmittelbar verwandt bzw. ident mit den Hrn. v. Rauheneck (Rauheneck bei Baden), besitzen Burg und Hft. als freies Eigen. Das Geschlecht sitzt bis in die 1. H. d. 15. Jhs. auf der Burg, was aus zahlreichen Nennungen bis in jene Zeit zu erschließen ist. Ab 1442 im Besitz des Tobias v. Rohr, der nach div. Übergriffen und Unbotmäßigkeiten 1448 in der Burg belagert und schließlich gefangengesetzt wird. 1455 erfolgt die Belehnung des Albrecht v. Rohr, ein Anhänger des Ungarnkönigs Matthias Corvinus. 1502 im Besitz des Christoph v. Rohr. 1519 gelangt sie an Paul Stodoligk, dessen Sohn an der Burg umfangreiche Um- und Neubauten durchführt. 1536 erfolgt der Verkauf an Melchior v. Lamberg, dessen Familie 400 Jahre die Burg besitzt. 1620 und 1645 wird die Burg erfolglos belagert. 1679/80 erfolgen neuerliche Umbauten, welche das heutige Erscheinungsbild ergeben. 1867 - 78 werden Restaurierungsarbeiten durchgeführt. 1940, bei der Einrichtung des Truppenübungsplatzes Allentsteig, muss die Burg zwangsweise an die Heeresgutsverwaltung verkauft werden. Nach 1945 steht sie unter USIA-Verwaltung, gelangt 1956 pachtweise an die niederösterr. E-Werke und 1959 in das Eigentum der Windhag'schen Stipendienstiftung für Niederösterreich. Pächter und Betriebsführer ist heute die Energieversorgung Niederösterreich (EVN). (G.R.)

Bauentwicklung:

Ob, bzw. wie viele, kurz aufeinanderfolgende Bauphasen für die Gestalt der Anlage verantwortlich sind, ein Umstand der durch die vorhandene Grundrissentwicklung und das divergierende Mauerwerk nahe liegt, kann durch den im Schlossbau nur partiell aufscheinenden Altbestand nicht schlüssig geklärt werden, da die Unterschiede der Mauertechnik auch durch eine Wertigkeit der Bauteile erklärt werden könnten. Als weitgespannter Rahmen ist für die Errichtung die 2. H. d. 12. Jhs. anzunehmen.
Durch durchgreifende spätere Umbauten treten Bauteile des Spätmittelalters weitgehend zurück, doch ist eine zunehmende, randständige Bebauung der Beringabschnitte und der Vorburg während jener Zeit zu erwarten. Der ausgreifende, tief unterkellerte W-Trakt, der Bauteile des Hochmittelalters ersetzt, ist durch im Keller sichtbares, bereits ausgezwickeltes Mauerwerk dem späten Mittelalter zuzuweisen. Stärkere Auswirkungen zeitigte die Bautätigkeit unter den Stodoligk und Lamberg in der 1. H. d. 16. Jhs., mögliche Beschädigungen im 30-jährigen Krieg, vor allem jedoch der schlossartige Ausbau unter den Lamberg am E. d. 17. Jhs., der den Bau in die noch heute erkennbare Gestalt brachte. Aus dieser Zeit stammt die vereinheitlichende Fassadengliederung und die überformende Innenadaption älterer Bauteile. Die Erdgeschoß- und Kellerräume erhielten zumeist aus Ziegel gemauerte Kreuzgrat- bzw. Stichkappengewölbe. In den urspr. Palas wurde um 1680 die über 2 Geschoße reichende, dem Hl. Florian geweihte Kapelle eingebaut, die im Inneren eine reiche Stuckausstattung von Lorenzo Aliprandi aufweist und hofseitig durch ein mit Sprenggiebel und der Figur des Hl. Florian dekorierten Portal gekennzeichnet wird. Als Oratorium zur Kapelle wurde um 1687/88 das sog. "Päpstezimmer" im Obergeschoß des O-Traktes geschaffen, das überreichen Schmuck mit den Portraits von 241 Päpsten zeigt. Die anschließenden Raumfluchten des O- und N-Traktes, u. a. das "Kaiser-" und "Kaminzimmer" besitzen durchwegs originale, tlw. stark restaurierte Ausstattungen, wie Stuck- bzw. Kassettendecken, Kachelöfen oder Fußböden des 17. Jhs. Die turmartige Weiterführung der rom. Kapellenapsis äußert sich hier in einem kleinen, gewölbten, freskengeschmückten Halbrundraum, der sog. "Schatzkammer". Der vor die N-Front gestellte, tlw. ältere Torbau mit Zugbrückenportal erhielt eine Loggia mit 3 säulengestützten Bogenstellungen. Über der urspr. rom. Zisterne wurde im 17. Jh. ein Brunnenbecken angelegt, das im 20. Jh. die heutige Schmiedeeisenhaube erhielt.

Baubeschreibung:

Trotz der starken Überhöhung durch das Vorgelände, was durch das freie, abfallende Wiesengelände zwischen Parkplatz und Burg deutlich zutage kommt, wurde der relativ beengte, im S und O jedoch schroff abfallende Sporn zur Anlage der hochmittelalterlichen Burg genutzt.
Diesen wehrtechnischen Nachteilen wurde vermutlich frühzeitig durch die Anlage des tiefen, burgnäheren Halsgrabens begegnet, der letztlich die Ausdehnung der Anlage bis zur Neuzeit bestimmte. Die heutige Hochburg geht in ihrer Grundkonzeption weitgehend auf die hochmittelalterliche Bauplanung zurück. Die zumindest in basisnahen Bereichen durchgehend erhaltene, rom. Bausubstanz lässt trotz der früh anzusetzenden Errichtung eine bereits entwickelte Gestalt erschließen, die jedoch durch mehrere Folgebauphasen erklärbar wird. Die Untersuchungen A. Klaars zeichnen eine kleine polygonale Kernburg mit frontal gestelltem Bergfried, talseitigem Palas und einer, mit einer kleinen Zwingeranlage verbundenen, zugangseitigen Kapelle. Der die Talseiten umfassende polygonale Bering ist folglich des feldseitig sichtbaren, streng lagerhaften, tlw. quaderartigen Bruchsteinmauerwerks als hochmittelalterlich anzusprechen. Gleichartige Strukturen sind auch in anliegenden Kellerräumen zu finden. Aus Großquader, deren Mörtelfugen primären Kellenstrich zeigen, ist die Hofmauer des 13,80 x 8,60 m großen, in die S-Ecke des Berings eingestellten Palas errichtet. Der Übergang zu qualitätsvollerer Mauerstruktur aus Großquadern ist auch im Erdgeschoßbereich der 31 m langen, starken, bergwärts gerichteten Schildmauer zu beobachten. In diese ist zentral, überwiegend gegen die Feldseite vortretend, der quadratische Bergfried, ein Bau mit 9,97 m Seitenlänge und 2,45 m Mauerstärke, eingespannt. 1999 noch partiell freigelegene Mauerflächen im Burghof, im Inneren und im Dachboden zeigen sein Großquadermauerwerk mit tlw. riesigen Formaten. Seine urspr. Geschoßteilung ist nach dem Umbau zum zentralen Treppenturm nicht mehr klärbar. In einem der oberen Geschoße liegt der Einstieg zu einem in der hofseitigen Mauerstärke liegenden Stiegenlauf, dem Zugang zum nächsthöheren Geschoß. Die Rundbogenpforte und die Stiegenanlage zeigen ungewöhnlich sauber geschnittene, geflächte Quader sowie primären Fugenmörtel mit Kellenstrich. Das urspr. Burgtor ist im Zuge der heutigen Einfahrt, in Turmnähe in der Schildmauer zu rekonstruieren. Im nordöstl. Vorfeld des Zuganges, nur 2,50 m vor der Schildmauer, liegt die Burgkapelle zum Hl. Bernhard von Clairvaux, ein kleiner Apsidensaal von 7,10 m x 6,50 m Außenmaß. Die 1975 entdeckte, kunsthistorisch in die Zeit um 1180 datierte, in Apsis und Gewölbezone erhaltene Monumentalmalerei liefert einen wichtigen Datierungsansatz für die gesamte Burg. Das sorgfältig verfugte Großquadermauerwerk der Kapelle zeigt großflächig primären Kellenstrich. Eine gegen N gerichtete, schmale Rundbogenpforte erforderte eine hier angelegte, zumindest gleichzeitige Außensicherung, die abweichend von den Untersuchungen Klaars nicht in einem kleinen Torzwinger, sondern in einer weitläufigen Vorburg- bzw. Zwingersituation im N der Kernburg zu rekonstruieren ist. Die gesamte, von jüngeren Bauteilen überbaute, 43 m lange, entlang des Halsgrabens angelegte N-Front zeigt streng lagerhafte, quaderhafte Strukturen, die in oberen Zonen partiell von jüngeren, doch zumindest in das frühe 13. Jh. zurückreichenden Teilen abgelöst wird.
Die ehem. Vorburg ist abweichend vom Plan Klaars auch als Basis der die Kapelle im O umziehenden Terrasse zu sehen. Der ausgreifende, jüngere W-Trakt der Burg lässt kurz nach der NW-Ecke die Abrisskante dieses Berings erkennen und somit ein ehem. Umgreifen der Kernburg auch an dieser Seite vermuten.
In der 1. H. d. 16. Jhs. wurde die Burg durch die nördl. vorgelegte Vorburg gesichert, die mit einer unregelmäßigen, 3-flügeligen Verbauung in Insellage zwischen innerem und vermutlich neuangelegtem äußerem Graben angelegt wurde. 2 Ecken sind durch Rundtürme mit spitzen Kegeldächern, der Zugang durch einen Torturm mit spitzem Zeltdach verstärkt. Im Zuge der heutigen Brückenanlage ist ein weiteres, ehem. durch Mauerzüge angegliedertes, barbakaneartiges Vorwerk angelegt, weitgespannte Mauerzüge, umziehen tlw. als Konterescarpe und Grabensicherung den gesamten Vorwerkkomplex und schließen an die nördl. Teile der Hochburg an. Neben jüngeren Fensterdurchbrüchen sind vielfach Scharten für Feuerwaffen, in Schlüssel- oder Trichterform erhalten, die eine zeitspezifische Reaktion auf den Einsatz von Feuerwaffen erkennen lassen. Die vorbastionäre Anlage ist auf dem Vischer-Stich von 1672 etwas überbetont, aber eindrucksvoll abgebildet. Auf den ehem. Meierhofbereich im N der Burg weist neben anderen Baulichkeiten ein mächtiger, 3-gesch. Schüttkasten aus dem 3. V. d. 18. Jhs.
Kriegsschäden nach 1945 zwangen zu einer umfassenden Außen- und Innenrestaurierung, doch bereits 1867/78 erhielt die Burg anlässlich einer "Renovierung" die vielfachen romantisierenden Zutaten, wie die überspitzten Kegel- oder Zeltdächer, die rot-weiß-roten Fensterläden oder die giebelgekrönten Dachlinien. (G.R.)